Fährt vor jedem Drängler eine Schlafmütze?

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Nach dem Willen unseres Verkehrsministers sollen die Strafen u.a. für Drängler auf maximal 2000 Euro verdoppelt werden. Gut und schön, damit kann ich leben, vor allem, weil ich mich nicht zur Zielgruppe dieser Deliquenten zähle.

Trotz meines eher defensiven und geduldigen Fahrstils bin ich in einem schnellen Auto unterwegs und daher durchaus auch auf der linken Spur anzutreffen. Immerhin fährt mein Auto schneller als mein Flugzeug fliegt (was’n cooler Satz…).

Von der Diskussion um die sogenannten Drängler fühle ich mich also weder betroffen noch vertreten, denn (1) drängle ich nicht, und vor allem (2) veranlasse ich den schnelleren Verkehr nicht duch penetrantes Linksfahren zum Drängeln. Vielmehr verfahre ich die Tugend, die linke Spur für schnelleren Verkehr insbesondere dann frei zu geben, wenn dieser mich mit größerer Überholgeschwindigkeit rechts liegen lassen kann, als ich es es tun könnte (“die linke Spur gehört dem mit der größten Überholgeschwindkeit”). Dafür bremse ich dann auch gerne mal ab und übergebe die öffentliche Ressource der linken Spur ihrer eigentlichen Bestimmung.

Dennoch habe ich eine besondere Erfahrung mit dem Thema Drängeln, denn ich glaube durchaus von anderen Verkehrsteilnehmern gelegentlich als Drängler wahrgenommen zu werden. Nämlich in Fällen wie dem oben abgebildeten (von heute), wo jemand penetrant und ohne Grund die linke Spur blockiert und ich deswegen abbremsen und eine Weile lang langsamer fahren muss. Nach der zweiten oder dritten ungenutzen Möglichkeit auf die rechte Spur zu wechseln, erlaube ich mir dann einen Hinweis per Lichthupe. Und meistens funktioniert diese Kommunikation auch genau so, dass der Vordermann sich daran erinnert, einmal nach hinten zu schauen und mir Platz zu machen.

Jedoch passiert es immer wieder, dass dergestalt erinnerte Vergessliche sich scheinbar von meiner Erinnerung genötigt fühlen und mir das durch bewusstes Langsamfahren oder durch gestreckte Mittelfinger entsprechend deutlich zeigen. So weit, so gut.

Heute jedoch hatte ich den Eindruck, dass die neuerliche Diskussion um die (sagen wir: sogenannten) Drängler den notorischen Linksfahrern einen rhethorischen Aufwind gegeben hat. Als ich nach einer kurzen Lichthupe und einem abermaligen Kilometer des langsamen Hinterherfahrens hinter dem oben gezeigten Vordermann endlich an ihm vorbei kam, rieb dieser deutlich Zeige-, Mittelfinger und Daumen, um mir zu signalisieren, dass mich mein vermeintliches Vergehen nun teuer zu stehen kommen würde.

Darum spitze ich meine Meinung auf dem Satz zu, dass vor (fast) jedem Drängler eine Nötigung fährt, und dieser Sachverhalt in den öffentlichen Diskussionen viel zu wenig Beachtung findet.