Bitte einmal mit ohne!

Kennt ihr das? Man steht am Döner, bestellt „einen Dingsbums, aber bitte ohne Zwiebeln“, und was bekommt man eine Minute später in die Hand gedrückt? Richtig! Natürlich einen Dingsbums mit Zwiebeln.

Dieses kleine Theaterstück funktioniert übrigens alternativ auch ganz hervorragend mit einem Johannisbeerschorle ohne Eis.

Die Erfolgsaussichten der Berücksichtigung eines solchen Sonderwunsches liegen bei etwa 60 Prozent. Kein Witz, mindestens jeder dritte Versuch geht schief, und man sieht mich regelmäßig beim Mittagessen umgeben von kleinen dunklen Eiswasserflecken unter meinem Tisch. Und wenn ich mittags nicht im Restaurant speise, dann findet jedes mit mittlerem Märchenkanon belesene Kind den Weg rückwärts zu meiner Dönerbude – es muss nur den Zwiebeln folgen.

Den Sonderwunsch einfach nur zu wiederholen, bevor die Servierdüse verschwindet, wird von jener meist als Dummerklärung verstanden und mit Unfreundlichkeit quittiert.

Für aufwändige Worte, die einerseits den Wunsch wiederholen und verdeutlichen, andererseits aber auch erklären, dass man die Kellnerei nicht für total bescheuert hält (naja, man tut es ja), dauern einfach zu lange.

Den Erfolgsquotienten durch eine raffiniertere Betonung des Sonderwunsches zu erhöhen – auch das gelingt nur geringfügig. Mein zufälliges Nuscheln im Restaurant, das ein zwangsläufiges „wie bitte?“ und die gewollte doppelte Aufmerksamkeit bei der Wiederholung nach sich führen sollte, brachte meist nur ein Apfelsaftschorle statt dem bestellten Johannisbeerschorle auf den Tisch.

Das einzige, was mir bislang half, waren regelmäßige Besuche im Restaurant und halbwegs erfolgreiche Versuche, beim Personal durch persönliche Gespräche im Gedächtnis zu bleiben und konsequent immer das gleiche und vor allem seltene Getränk zu bestellen. In meinem Fall begann so meine Vorliebe für Johannisbeerschorle. Im Theatercafé und im Café Wessenberg weiß man längst, dass ich der bin, der immer das große Johannisbeerschorle ohne Eis bestellt, und im vorauseilenden Gehorsam wird mir das unterdessen auch schon ohne Bestellung gebracht.

So gesehen klappt es mit der Bestellerei eigentlich erst, seitdem ich sie nicht mehr tätigen muss.

Nur beim Döner hakt’s noch sehr, denn dort bin einfach ich zu selten.

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

2 comments

  1. wie oft hatte ich solche betont ungewünschten dinge auch schon im glas schwimmen… gut ist, wenn man jemanden dabei hat, der diese durchsichtigen kalten dinger gerne mag und sie je nach dem mehr oder weniger auffällig in dessen glas schubsen kann ;)

  2. Sehr beliebt auch: Saftschorle mit Leitungswasser gemacht. Es gibt ja Leute, die als Kind mit Sirup und Mineralwasser getrietzt wurden und die mögen Saftschorlen nur ohne Sprutzel, also still. Die meisten meiner Freunde (eigentlich sind es nur zwei Spezialisten) bekommen dann den Saft und daneben ein Glas Leitungswasser. Wir schließen vorher immer Wetten ab, ob’s klappt oder nicht.
    Schöner Blog übrigens, und so schöne sommerliche Bilder (bis auf die Fahrt nach Lugano)! Ich hab ja immer gerne was zu gucken. Muss mehr Fotos machen. Bald!
    Und: Neuhausen rules ;o).
    Lg,
    Kathi

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