Standort Deutschland

Das statistische Landesamt wählte zufällig eines meiner Unternehmen aus, um Konjunkturdaten zu erheben. Ich bekam einen Fragebogen zu Umsatz- und Mitarbeiterzahlen zugesandt, auf dem stand:

Wenn Sie es bevorzugen, Ihrer Meldeverpflichtung online über das Internet nachzukommen, setzten Sie sich bitte mit uns in Verbindung.

Gesagt, getan. Also den Fragebogen ab in den Reißwolf und sofort beim Amt angerufen, um den Zugang zu erfragen. Dort bat man mich, die Auskunft offline zu geben, da der Zugang online leider noch nicht funktioniere.

Also musste ich mir einen neuen Fragebogen zusenden lassen (der alte war schon im Reißwolf). Diesmal stand sogar im Belgeitschreiben, dass ich die Auskunft auch online geben könne. Na prima, dachte ich, jetzt wird’s also funktionieren. Ich erbat mir daher wie angegeben per Email die Zugangsdaten, die ein paar Tage später auch mit der Post kamen.

Nur leider funktionierte der Zugang wieder nicht. Darum faxte ich den Brief mit den Zugangsdaten samt einer entsprechenden handschriftlichen Notiz an das Amt zurück und legte den Vorgang in mein „Wartezimmer“.

Heute kam dann die Überraschung per amtlichem Zusteller:

Da Sie die […] Auskünfte […] trotz Aufforderung […] nicht rechtzeitig […] erteilt haben, ergeht folgender Bescheid:

Im Folgenden wurde mir noch erklärt, dass ich im Falle der Nichtbeantwortung ordnungswidrig handle und:

Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer empfindlichen Geldbuße geahndet werden.

Im Formular stand außerdem wieder der nette Satz:

Wenn Sie es bevorzugen, Ihrer Meldeverpflichtung online über das Internet nachzukommen, setzten Sie sich bitte mit uns in Verbindung.

Ich habe jedoch aufgegeben. Das ausgefüllte Formular ging heute offline per Post und mit einem offenen Begleitschreiben an die Leiterin des statistischen Landesamtes. Ich bin gespannt auf ihre Antwort.

Und ich bin mal wieder enttäuscht vom Standort Deutschland.

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About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

8 comments

  1. Ich hoffe doch, dass Dich das nicht wirklich wundert in Absurdistan(Deutschland).

  2. Wow, na das ist ja mal eine Story……und dann noch mit Ordnungswidrigkeiten drohen.
    Die sollten Ihre Formschreiben mal verbessern *lol*

  3. Kaum baut Konrad Zuse 1938 den ersten Computer, schon meint jeder, daß knapp 70 Jahre später alles Online funktionieren muss. :-)

  4. Sowas kann einem wirklich nur in unsere Bürokratie passieren! Lustige Geschichte!

    Liebe Grüße

  5. Interessantes Thema. Da will man mal modern sein und alles ganz einfach per Internet erledigen ja Scheibenkleister. Aber so ist das nun mal mit den Behörden selbst immer für alles 2Monate brauchen aber wenn die was wollen muss es sofort da sein.

    Gruß
    Stefan

  6. Hallo Tolle Geschichte!
    Aber leider kein Einzelfall! Bei mir hat das Finanzamteinfach mal so 5000€ angebliche Umsatzsteuer abgebucht! Der Hammer der Sache ich bin NICHT Selbstständig,sondern ein armer Student.
    Bis ich mein Geld wieder hatte vergingen 2,5Monate
    Konto sperrung icl.Verzugszinsen der Bank usw.
    Aber es hat sich bis Heute niemand zuständig gefühlt.Bis ich die Presse eingeschaltet hatte.
    Auf einmal ging es.Allein der Ärger war FURTBAR

  7. Hallo
    Das ist ja echt unglaublich ! Deshalb bekommt von mir niemand einen Einzugsermächtigung.

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