Bordmagazin von Air Berlin

Air Berlin hat nicht nur die beste („most usable“) Webseite aller mir bekannten Airlines, sondern (zumindest auf dessen ersten Seite) auch das spannenste Bordmagazin.

Jedes Mal, wenn ich mit Air Berlin fliege, lese ich das von Joachim Hunold verfasste Editorial.

Der erfolgreiche Chef der Airline nimmt darin kein Blatt vor den Mund und wettert als Hau-Drau-Achim gerne sehr direkt gegen politische Entscheidungen und Zustände, die Unternehmen das Leben schwer und dem Leser das Lesen leicht machen. Das allermeiste davon nicke ich ab -und danach im Sessel ein.

Kennt ihn jemand meiner Leser zufällig persönlich? Ich wünsche mir dieses Editorial nämlich online. Mit RSS-Feed.

Bitte weitersagen!

Links zu Joachim Hunold:

Auf der Firmenwebseite, langer Bericht im Tagesspiegel, Artikel in der Zeit, der Bezug nimmt auf seinen Artikel vom Februar 2005 im Bordmagazin, das online leider nur auf einer einzigen Seite zu finden ist, auf die ich jedoch nicht verlinken möchte, sowie ein Gegenartikel der Taz, deren Kritikpunkte ich jedoch gar nicht kritisch finde.

Bordmagazin AIR BERLIN 2/2005, Seite 3

Arbeitsbeschaffung paradox!

Obwohl es mehr als fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland gibt, müssen wir regelmäßig mit großformatigen Stellen anzeigen neue Mitarbeiter für unser wachsendes Unternehmen suchen. Trotz der Vielzahl der Bewerber ist es dann manchmal nicht einfach, den geeigneten Mann oder die geeignete Frau für eine ausgeschriebene Position zu finden. Denn neben der beruflichen Qualifikation ist auch entscheidend, ob der Kandidat oder die Kandidatin in das Team passt, das Verstärkung braucht. Bisher liegt die Entscheidung darüber bei unseren Fachabteilungen.

Demnächst werden wir für die Personalauswahl wohl ein Juristen-Team einsetzen und Videoaufzeichnungen machen müssen. Nämlich dann, wenn das von der Bundesregierung vorgelegte Antidiskriminierungsgesetz (ADG-E) vom Parlament beschlossen wird. Damit setzt die Bundesrepublik eine bereits im Jahr 2000 von der EU beschlossene Richtlinie um. Zwar reichlich spät, dafür aber nach „deutscher Art“ gleich wieder 150-prozentig.

Eine Vermutung genügt

Nach der von den Grünen diktierten Gesetzesvorlage darf die Ablehnung eines Bewerbers nicht wegen des Geschlechts, des Alters, der ethnischen Herkunft, der Rasse, der Religion, der Hautfarbe, des Aussehens, wegen einer Behinderung oder der sexuellen Identität erfolgen.

Falls also künftig eine Kandidatin oder ein Kandidat beim Einstellungsgespräch ungefragt erklärt, dass sie/er einer religiösen Sekte angehört oder homosexuell ist, dürfte ihr bzw. ihm die ausgeschriebene Stelle schon so gut wie sicher sein, zumindest aber ein Schmerzensgeld. Firmen sollen nämlich bereits dann eine Entschädigung zahlen, wenn auch nur einer der oben genannten Diskriminierungstatbestände vermutet werden darf. Wenn ein Unternehmen nicht das Gegenteil beweisen kann, hat es schon verloren. Doch es kommt noch verrückter. Ein Arbeitgeber darf auch dann zur Kasse gebeten werden, wenn ein(e) Bewerber(in) annimmt, dass er/sie nach der Einstellung eine Diskriminierung „erfahren würde“. In der Praxis muss man sich das wohl so vorstellen: Wenn dem Personalchef eine tief dekolletierte Kandidatin gegenübersitzt und sein Blick sich einmal in ihrem Ausschnitt verfängt, darf sie eine künftige sexuelle Belästigung vermuten.

Goldesel für Juristen

Dann bekommen wir amerikanische Verhältnisse. Denn der Manager einer US-Firma, der allein im Lift steht, verlässt diesen fluchtartig, sobald eine attraktive Mitarbeiterin zusteigt. Sie könnte ihn nämlich auf ein astronomisch hohes Schmerzensgeld verklagen, wenn sie sich durch Worte oder Blicke belästigt fühlt. Während in den USA jedoch Anwaltskanzleien solche Prozesse auf eigenes Risiko und mit hoher Erfolgsbeteiligung führen, sollen in Deutschland auch noch Antidiskriminierungsvereine ein Klagerecht erhalten. Auf dem Personalsektor ist damit das gleiche Unwesen vorprogrammiert wie im Wettbewerbsrecht, wo sich heute Abmahnvereine mit Paragraphenreiterei goldene Nasen verdienen. Das wird ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Juristen, nicht aber für Menschen, die Arbeit suchen. Denn Firmenchefs werden sich künftig wohl genau überlegen, ob sie noch Stellen ausschreiben sollen. Und das alles, weil die Grünen wieder mal im Multi-Kulti-Rausch sind. Kiew lässt grüßen!

Einen guten Flug wünscht Ihnen

Joachim Hunold, Geschäftsführer Air Berlin

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

3 comments

  1. yep, die hohen herren sollen endlich zu bloggen lernen, vor allem die die gut schreiben können! man erzähle ihnen von der importance of being permanent.

  2. Jesses! Schöne neue Welt! @helges artikel: „Without permanence, you might be on the web, but you’re certainly not part of it.“ Puh. Wie gesagt, schöne neue Welt.

  3. @greg: so isses. viel später mal wurde über die heutige zeit gesagt, sie sei die gewesen, als die leute aufhörten computer – und anfingen das internet zu verwenden.

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