Der Deppen-Trick

Wasser fließt immer bergab, und Radler bahnen sich meist dort den Weg, wo sie am am sichersten, am schnellsten und am bequemsten vorankommen.

Diese Routen decken sich nicht immer mit den Gedanken der Stadtplaner, die sich diese oftmals jedoch gar nicht machen. Wenn also die Radler an einer Stelle partout nicht so radeln wollen, wie es sich die Schreibtischplaner vorstellen, dann kann das zwar mehrere Gründe haben, aber meistens ist es dieser eine:

Die vorgesehene Strecke ist zum Radfahren einfach nicht geeignet.

Doch statt an ihrer eigenen Arbeit zu zweifeln und bessere Radwege zu bauen, erklären die Stadtplaner lieber erstmal die Radler zu unvernünftigen Deppen, und zwar quer durch Deutschland von Amrum (links) bis Konstanz (rechts).

Danke an Stefan für das Bild von Amrum!

Deppen

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

12 comments

  1. Also diese Kritik verstehe ich jetzt wirklich nicht. Fahrverbot ist Fahrverbot, es wird verhängt und ist dann da und muss ausgeschildert werden. Jetzt wird das mal mit Humor gemacht, ist es auch wieder nicht recht. Hauptsache, man kann sich beschweren. Mir gefallen die Schilder bzw. der Text. Ob das Verbot an und für sich sinnvoll ist oder nicht, tut ja hier nichts zur Sache.

  2. @Ingrid: Ich kenne Stecken, da ist ein Fahrverbot angebracht. Und ich kenne Strecken, da ist ein Fahrverbot überflüssig. Wir fast überall im deutschen Straßenverkehr sind meines Ermessens etwa 50% der Schilder unnötig – wenn nicht noch mehr.
    Und das Fixundfoxyhafte der Schilder… also ich find’s peinlich.

  3. Da ich selber gebürtiger Insulaner bin (von Amrums Nachbarinsel Föhr), kenne ich diese Schilder. Die gibt es auch bei uns. Aber in der Regel stehen die in Fussgängerzonen oder an einer schmalen Promenade. Über den Sinn und Zweck lässt sich durchaus streiten, war selber genug unvernünftig, wenn eh keine Fussgänger unterwegs waren.

    Eine Bemerkung kann ich mir aber nicht verkneifen und dafür entschuldige ich mich schon einmal vorab.

    Mir als Insulaner rollen sich bei einer Formulierung wie „aus Amrum“ irgendwie die Fußnägel hoch. Ist zwar pedantisch, rechthaberisch und mindestens auf der Ebene der Schilderaufsteller, aber ich bevorzuge doch die Formulierung „von Amrum“ oder „aus Norddorf“. :-)

    Aber auf der anderen Seite bin ich auch sowieso befangen, denn für mich ist alles, was keine Insel ist, eh Festland und die Festländer sagen meistens „aus Amrum“ ;-)

  4. @Ingrid: „Das Fahrverbot wird verhängt und ist dann da.“ Wo denn und von wem, am Berg Sinai auf Steintafeln? Du hast ein eigenartiges Bild unseres Gesellschaftssystems.

  5. hi r@lf, von west foehr wech (also fast omram) oder wie oder wat…?

    @ schilder: verbotssympathie hin oder her, das konstanzer schild funktioniert bei mir (gaaaaaaanz lange leitung) erst auf den 3. blick. mangelhaft gestaltet.

  6. Ich persönlich kenne nur eine Strecke, an der diese Schilder stehen (gebe zu bin kein bekennender Radfahrer): Strecke in KN, Ende Seestrasse, dann am See Rosenau, Schmieder bis zum Hörnle.
    Man hat es mit Geboten probiert (nur für Fussgänger): das hat nicht geklappt. Man hat dann mit diesen Schildern probiert: wieder nicht geklappt. Aber es ist ein netter Versuch.
    Mal in eigener Sache: ich war und bin dort oft unterwegs, wenn ich sehe, wie die alten Leute (sehr oft mit Gehwagen oder Rollstuhl) dort als Slalomstangen umfahren werden, oder sie gar angefahren werden, frage ich mich, was soll man dann tatsächlich hinstellen?

  7. Na ja, ich finde die Schilder auch eher peinlich. Andererseits geht es aber doch wohl um die Sache. Mich als bekennenden Flaneur nervt es gewaltig, wenn ich auf einer ausdrücklich nur für Spaziergänger ausgewiesenen Strecke permanent Radfahrern ausweichen muss und zudem noch wütendes Geklingel hinter mir ertönt.
    Wehe aber, man betritt nur einmal den Radweg. Sofort wird man angeschnautzt und wütend beschimpft.

  8. @benno: „was soll man dann tatsächlich hinstellen?“

    nichts. gute kinderstube lässt sich nicht durch schilder ersetzen. das reguliert sich (wenn auch nie ganz reibungsfrei) von selbst – und übrigens eher besser, je weniger schilder rumstehen. (siehe Shared Space)

  9. @helge
    ich gebe Dir Recht, dass weniger Schilder, oft mehr sind. Nur aus eigener Erfahrung frage ich mich, was sonst noch gemacht werden sollte? „Nicht ganz reibungsfrei“ kann ich so nicht gelten lassen, da es beim Zusammentreffen (Jung, radelnd – alt, schleifend :-) es meist nur einen Verlierer gibt. Das finde ich ziemlich traurig.
    Übrigens: man könnte ja überall diese Drehtore aufstellen (war ein Witz!).

  10. @benno: breitere wege wären ein anfang. (das bedürfnis der jungen radfahrer, dort zu fahren, ist nicht weniger legitim als das der fußgänger.) und wenn’s unbedingt ein schild sein soll: „radelt rücksichtsvoll“.

  11. „Doch statt an ihrer eigenen Arbeit zu zweifeln und bessere Radwege zu bauen, erklären die Stadtplaner lieber erstmal die Radler…“
    Was soll das werden? Eine Revolution der Radfahrer, dass sie Unfälle und Verletzungen billigend in Kauf nehmen sollen?
    Ich empfehle Radfahrern aus dem Ruhrgebiet die netten Bundesstrassen beispielsweise Richtung Xanten oder Raesfeld, und wünsche ihnen so viel Glück unbeschadet ans Ziel zu kommen wie den Müttern mit ihren kleinen Kindern oder den alten Leuten, die gemütlich am Baldeneysee in Essen spazieren möchten und dort regelmässig von Radfahrern oder Inlinern „angeschossen“ werden.
    Bei solchen Publikationen ist mir auch klar, warum ich nie Radfahrer auf diesen Bundesstrassen sehe…es ist den Radlern einfach zu gefährlich, da fahren sie lieber dort, wo sie der stärkere Verkehrsteilnehmer sind.

  12. @axel

    Nicht West Föhr, sondern Ost Föhr, also direkt aus der Inselhauptstadt ;-)

Kommentar verfassen