Der Faltenmann

In einer Kleinstadt wie Konstanz gibt es ein paar Gesichter, die einem immer wieder ins Auge springen.

Da ist der Balkan-Mann mit den immer zu kleinen Hüten. Dieser dicke Typ, der sein Hemd immer bis zum Bauchnabel offen trägt. Der krumme Alte in der kurzen Lederhose. Der alte Schweizer, der oft nichts unter seiner Jacke trägt und immer auf Inline-Skates seine Frau im Rollstuhl durch die Stadt schiebt. Die Frau an der Seestraße, die dort täglich jeden Krümel aufhebt und immer mit den Vögeln spricht. Der junge Kerl mit dem bösen Blick und der blauen Jacke, der täglich so scharf riechend durch die Gassen marschiert, dass ich seinetwegen stets die Straßenseite wechsle…..

Also all die Typen, die einem ständig wieder auffallen, wenn man offenen Auges in der Stadt lebt.
Einer von ihnen ist der Faltenmann – dieser alte Akkordeonspieler, der mehr Falten hat als der Balg seines Instruments, und der die größten und abstehendsten Ohren hat, die ich je sah.

Im Seemoz habe ich einen liebevollen Artikel über ihn gefunden. Jakob heißt er also, und viel zu erzählen hat er.

Ich frage mich, warum ich selbst mir nie die Zeit genommen habe, mit ihm und all den anderen zu sprechen. Das Leben um mich herum ist viel zu spannend, um gesenkten Blickes hindurch zu eilen.
Jakob