Gespräch mit Fon

fonn.jpgFon ist eine Zusammenschluss von knapp 700.000 Leuten, die sich gegenseitig ihr WLAN zur Verfügung stellen. Ich bin einer davon. Und täglich werden es 500 mehr…

Fon ist auch eine Firma, in die Google und Ebay investiert haben. Vielleicht, um mit Fon irgendwann Geld zu verdienen, vielleicht aber auch “nur”, weil die Idee von Fon gut ist, und weil diese Firmen daran interessiert sind, die Zugänglichkeit des Internets weiter zu vereinfachen.

Hätte ich einen webaffinen Wunsch frei, so wäre es ein kostenloser und schneller Internetzugang, wo immer ich mich befinde. Fast jeden Tag ärgere ich mich darüber, dass ich in zwei meiner drei Lieblingscafés nicht einfach mal mit meinem Handy via WLAN schauen kann, ob ich neue Emails habe. Fast jede Woche ärgere ich mich darüber, dass mir wieder irgendein Hotel 100 oder 200 Euro pro Nacht berechnet, und ich für die Nutzung des hauseigenen WLANs nochmal 20 Euro pro Tag bezahlen soll. Darum führe ich auch die Liste der offenen WLANs vom Bodensee.

Wenn ich aber nur einen halben Wunsch frei hätte, so wäre es eine größere Verbreitung von Fon, denn das ist immerhin “fast” so etwas, wie ein offenes WLAN (solange man mitmacht, man sich einloggt usw).

Freier und möglichst flächendeckender Zugang zum Internet sollte also ein Grundrecht sein.

Einige Gastronomen und Hoteliers haben das verstanden.

Andere haben (sich) Angst davor (machen lassen), dass sie haftbar seien, wenn jemand ihren Zugang zum Internet missbraucht.

Was, wenn einer meiner Gäste in meinem Lokal Kinderpornos runterlädt? fragen sie sich.

Das erste, was der Staatsanwantschaft auffallen würde, wäre tatsächlich die IP-Adresse des Gastronomen. Und damit auch ein Anfangsverdacht.

Und tatsächlich gibt es einen Fall aus Hamburg, in dem eine Mutter nicht dafür gerade stehen wollte, dass ihr Sohn illegal Musik runtergeladen hatte. Der Richter hielt sie wegen ihres offenen WLANs dafür verantwortlich und haftbar.

Dieser Fall wird nun hundertfach von all jenen zitiert, die Gastronomen und Hoteliers ihr kostenpflichtiges WLAN verkaufen wollen. Es ist ein Argument der Unsicherheit und der Angst.

Und es ist ungefähr so überzeugend wie dieses hier:

Wenn jemand sein Fahrrad mit einer nicht funktionierenden Bremse vor einer Kneipe abstellt, dieses Rad geklaut wird, und der Dieb mit dem Rad wegen der defekten Bremse einen Unfall verursacht – wer haftet dann für den Schaden? Es ist der Besitzer des Rades!

Niemand käme auf die Idee, von dieser Absurdität des Rechtssystems abzuleiten, dass der Besitz eines Rades eine gefährliche Sache sei.

Warum? Weil es extrem unwahrscheinlich ist, dass ein solcher Fall eintritt und diese Art von Recht von einem anderen Richter nochmal gesprochen wird.

So ähnlich ist es mit dem offenen WLAN. Alle Richter und Staatsanwälte aus meinem Freundeskreis haben mir versichert, dass außer diesem Anfangsverdacht keine weiteren Konsequenzen auf den Wirt zukämen. Die Staatsanwaltschaft würde sehen, dass er selbst nicht in Verdacht geraten sei, und man würde versuchen, den Täter zu ermitteln, anstatt den Wirt zur Rechenschaft zu ziehen.

Und je mehr Zeit vergeht, desto mehr wird es sich auch unter Richtern herumgesprochen haben, dass WLAN manchmal offen ist und man nicht weiß, wer es gerade nutzt. Darum gibt es zB auch freien Internetzugang in ganz St. Gallen. Oder am ganzen Flughafen von Wien. Oder in Friedrichshafen, der neuen T-City.

Trotzdem hat Fon unter anderem mit diesem Argument versucht, Gastronomen mit WLAN in Wien von einer Mitgliedschaft bei Fon zu überzeugen. Das wiederum hat Helge geärgert, ich habe es gebloggt, und heute morgen habe ich einen Kaffee mit Florian Forster getrunken, den Head of Market Development von Fon.

Aus einem Kaffee wurde dann ein mehrstündiges Gespräch, bei dem wir uns zwar nicht wirklich im Kern der Auseinandersetzung einig geworden sind (klar auch, er vertritt nunmal die Interessen von Fon), aber wir sind uns einig darüber, dass Fon eine gute Sache ist (nämlich die zweitbeste nach einem offenen WLAN ;).

Und wir wollen schauen, ob wir gemeinsam die Verbreitung von Fon am Bodensee voranbringen können.

Und wir waren überrascht davon, dass wir beide einen ganz ähnlichen Moleskine benutzen.

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Was dann auch ein guter Anknüpfungspunkt für Helge wäre, der seinen Ideen auch in einem solchen Ding mit sich herumschleppt ;)