Vorherschieberitis

Heute war ich den ganzen Tag damit beschäftigt, einen Förderantrag nicht zu schreiben.

Klar, ich besitze David Allen’s Getting Things Done, zweifach, ich kenne das Buch in- und auswendig, habe sogar schon ein Vorlesung darüber gehalten…

…dennoch verbündete sich heute das schwache Fleisch mit dem unwilligen Geist gegen alle guten Vorsätze. Wichtigkeit und Dringlichkeit wurden ein undurchschaubares Netz, aus dem mich selbst multible Espressi nicht befreien konnten.

So erledigte ich voller Selbstmitleid allerhand Liegengebliebenes, nach dem längst kein Hahn mehr gekräht hatte, vertilgte Chips (Kettle Valley, lightly salted – wunderbar!) und Schokolade (Urwaldschokolade mit Kakaosplitter – herrlich!)… und setzte mich erst bei einbrechender Müdigkeit am späten Abend an die eigentliche Arbeit.

Wie bemisst sich Schmerz? Gewiss als Produkt von Intensität und Dauer. Halber Schmerz, aber doppelt so lang – schenkt sich nix.

Was tut mehr weh, die ungeliebte Arbeit oder die ungeliebte Vorstellung der ungeliebten Arbeit. Letzteres, weil doppelt ungeliebt.

Also müsste man doch – zack! – einfach beide Faktoren minimierend den Text kurzerhand schreiben, und erledigt wär`s.

Stattdessen suhle ich mich erstens doppelt so leidend und zweitens ein Vielfaches der Zeit in chronischer Vorherschieberitis und stelle mir ein Leben vor, in dem es eine Diagnose gäbe „Ja, Herr Eich, Sie haben da einen unheilbaren Gendefekt, ungeliebte Arbeit geht bei Ihnen leider gar nicht, ich schreibe Ihnen jetzt mal ein Attest“ – ha, wie toll das wäre. Lebte ich in einem Buch von Thomas Mann, zB auf dem Zauberberg – ich wäre stolzer Vorzeigepatient mit solch einem Attest.

Was also tue ich jetzt?

Den Text habe ich eben eeeeendlich begonnen, bin aber schon viel zu müde zum Denken. Darum lade ich mir jetzt noch schnell die Podcasts von David Allen auf mein iPhone – vielleicht schaffe ich ja noch eine Episode vor dem Einschlafen – und schreibe solange diesen Blogpost mit und über Vorherschieberitis.

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

2 comments

  1. fischli & weiss
    how to work better
    1 do one thing at a time.
    2 know the problem.
    3 learn to listen.
    4 learn to ask questions.
    5 distinguish sense from nonsense.
    6 accept change as inevitable.
    7 admit mistakes.
    8 say it simple.
    9 be calm.
    10 smile.

  2. Wow! So viel Selbsteingeständnis von Mr. positive vibes! Ich mache mir ernstlich Sorgen…

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