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Beiträge vom Juli, 2008

Treffen mit Steve Coast, dem OSM-Gründer

Donnerstag, 31. Juli 2008

Heute war ich in Menlo Park, Kalifornien, gleich neben dem Headquarter von SUN-Micosystems.

Keine zwei Häuser weiter in (noch) leeren Fluren und Räumen sitzt die junge Firma Cloudmade, die Zugänge und Tools zur Openstreetmap entwickelt, und die seit ein paar Monaten mit dem Kapital von Sunstone arbeiten kann. Hier traf ich ihren Chef Steve Coast, den Gründer der Openstreetmap.

Wir besprachen Mittel und Wege, wie die Community von Bikemap dazu beitragen kann, alle Radwege Deutschlands, Europas und der Welt in der Openstreetmap zu kartografieren und von dort aus jedermann frei und gratis zugänglich zu machen. Am Ende dieses Weges stünde die erste echte und offene Routing-Funktion für Radfahrer (“wie komme ich per Rad von A nach B?”).

Zwar gibt es in Nordrheinwestfalen, München und beim ADFC Baden-Württemberg schon ein paar Versuche, die jedoch allesamt nur komplizierte Insellösungen und zum Teil sogar kostenpflichtig sind und deshalb keine größere Bedeutung erlangen werden.

Das Gespräch mit Steve war der erste Schritt eines längeren Weges, den wir mit Bikemap nun in Richtung OSM gehen werden. Begleiten werden uns übrigens unsere Freunde von GPSies aus Berlin, mit denen wir hinsichtlich OSM gemeinsame Sache machen.

Warum?

Aus zwei Gründen: Erstens haben wir alle ein lebhaftes Interesse am Erfolg der Openstreetmap, weil ihr Lizenzmodell eine dauerhaft kosten- und werbefreie Alternative zu den Maps von Google, Yahoo und Microsoft bleiben wird. Und zweitens, weil es m.E. höchstens noch zwei Jahre dauert, bis die Openstreetmap alle anderen Karten hinsichtlich Informationsgehalt und Detailreichtum in den Schatten stellt.

Eines der Probleme, an denen die Opentreetmap momentan hängt, sind die zunehmenden Serverkosten für Rendering und Übertragung der Kartendaten. Diese werden noch von der University College London getragen, doch nicht mehr lange.

In meiner Begeisterung für die OSM textete ich Steve mit meiner Überzeugung zu, dass es nur noch eine Frage von Sekunden sein könne, bis Google diese Kosten übernehmen würde.

Warum?

Weil Google zwei große Kostenstellen hat: die Lizenz der Karten von Teleatlas, Navtech usw, und die Serverkosten. Bei einer Kooperation mit OSM und der Übernahme der Serverkosten durch Google würden diese für Google konstant bleiben, doch die Lizenzkosten würden für Google wegfallen. Und für die OSM würden die Serverkosten wegfallen und etliche andere Vorteile entstehen – also eine klassische Win-Win-Situation, deren Eintreten nur eine Frage der Zeit sei.

Dachte ich.

Steve hingegen ist etwas desillusionierter. Selbst bei Google, meinte er, gebe es Bürokratie, Posten- und Budget-Neid. Und ein Schwenk hin zur OSM würde manchem Mitarbeiter bei Google die Privillegien und das Budget kürzen, und daran scheitere eine Kooperation bislang – nebst der momentan noch mangelhaften Datenfülle der OSM.

Mein Optimismus, dass sowas doch an höchster Stelle entschieden und als langfristige Investition betrachtet würde… nunja… er scheint sich in der Praxis leider nicht bewahrheitet zu haben. Noch nicht.

Drücken wir Steve und der OSM also die Daumen, dass die Erreichbarkeit von OSM langfristig nicht nur von der Burnrate von Couldmade abhängen wird, wenn sie die Aufgabe des University College übernommen haben werden.

Highway 1

Dienstag, 29. Juli 2008

War gar nicht so übel gestern, die Fahrt im Cabrio von Los Angeles nach San Francisco – trotz der tief hängenden Wolken.

Starbucks und die wirren Typen

Donnerstag, 24. Juli 2008

In Europa meide ich Starbucks komplett, aber sobald ich in den USA bin, verheißt das grüne Logo ein Stück Heimat – schon wegen der guten ATT-WLAN-Verbindung, die man hier für 14 Tage und 19 USD pauschal nutzen kann.

Zwei oder drei Mal am Tag steuere ich momentan also in meine Online-Oase an und verbinde mich hier mit der Welt.

Anders als in Europa macht hier aber auch das Leuteschauen viel mehr Spaß. Auch hier und jetzt in Denver.

Mir gegenüber sitzt zum Beispiel gerade dieser wirre Typ, der seit exakt zwei Stunden ohne jeden Unterlass in seinem Buch blättert:

TV bleibt an!

Dienstag, 22. Juli 2008

Kaum bin ich in Philadelphia gelandet, schon bringt mich der televisionäre Overflow einer Bar am Gate in arge Versuchung.

Die Amis mögen ja vieles an vielen Orten – nur Spaß an Flughäfen, das geht gar nicht. Darum blieb mein TV-B-Gone diesmal in der Tasche…

Easy Travelling

Dienstag, 22. Juli 2008

Etwas Gutes hat der niedrige Dollarkurs: das Kofferpacken für die USA-Tour ist richtig leicht.

Einfach eine Jeans und zwei Polos in die viel zu große Tasche werfen, und der Rest wird nach Bedarf zum Spottpreis on the road nachgekauft.

Ich bin dann also mal weg: Philadelphia, Denver, Los Angeles, San Francisco, Toronto, Halifax und Boston.

Man liest sich!

Fooling Xing

Sonntag, 20. Juli 2008

Mein neuer Spaß, um die Besucherzahlen meines Xing-Profils hoch zu treiben:

Als Statusmeldung “hat VORNAME NACHNAME als neuen Kontakt” eingeben, wobei unbedingt Promi-Namen zu benutzen sind, um deren Bekanntschaft einen möglichst viele Kollegen beneiden.

Diese Meldung erscheint dann im News-Feed aller Kontakte, und das ausgegraute Wort “Statusmeldung” überlesen neidbedingt eh alle.

Funktioniert hervorragend (und ist AGB-konform).

(Idee von Uwe)

Digitale Bohème am Bodensee

Sonntag, 20. Juli 2008

Heureka, wir haben uns gefunden.

Die DiBoBo hatte heute ihr erstes, nicht aber ihr letztes Treffen. Ab sofort jeden 2. und 4. Sonntag im Monat (=even Sunday) ab 12 Uhr. Ort per Twitter #dibobo, oder oldschoolmäßig: Café Dom bis auf Widerruf.

Hier noch unser obligatorisches Gruppenbild aus dem Café Wessenberg:

Zwei weitere WLAN-Cafés in Radolfzell

Sonntag, 20. Juli 2008

Pssst, eben hat mir Gabriel während unseres ersten DiBoBo-Treffens mit zwei weitere WLAN-Cafés in Radolfzell verraten – jetzt sind es schon 36 WLAN-Cafés am Bodensee.

Internationalisierung mit Google

Samstag, 19. Juli 2008

Eben zufällig entdeckt: die Spreadsheets von Google bieten ein Gadget an, mit dem sich eine englische Sprachtabelle automatisch in 11 weitere Sprachen übersetzen lässt.

Für die schnelle Interationalisierung von Webprojekten ist das genial. Über die Qualität weiß ich nichts – könnte bestimmt witzig werden.

17.000 gratis-WLANs für das iPhone

Freitag, 18. Juli 2008

In den USA wird das iPhone mit und durch AT&T verkauft.

Und für deren Kunden sind über 17.000 Hotspots von AT&T ab nun gratis zu benutzen – darunter auch alle amerikanischen Starbucks-Filialen, deren Vertrag mit T-Mobile von AT&T kürzlich übernommen wurde.

Am Dienstag beginnt meine KreuzUndQuerDurchDieUSA-Reise. Schade, dass Vodafone-Kunden außen vor bleiben…

Listen, don’t make me think!

Freitag, 18. Juli 2008

Usability und “Don’t make me think” sind im Web 2.0 geflügelte und mitunter durchaus bedachte Worte.

Mir ist bewusst, dass die Grundkenntnisse im Gebrauch des Konjunktivs schon lange keine Einstellungsvoraussetzungen für Radiosprecher mehr sind.

Eben hörte ich in den Nachrichten bei SWR3 den schönen Satz:

Das Regierungspräsidium hat den Widerspruch gegen die Zurückweisung des Verbots der gegen Stuttgart 21 gewandten Bürgerinitiative zurückgewiesen

Wie bitte?

Die Stuttgarter Zeitung schreibt da schon verständlicher:

Die Stadt Stuttgart hat nach Ansicht des Regierungspräsidiums das Bürgerbegehren gegen das Projekt Stuttgart 21 zu Recht zurückgewiesen.

Kann bitte jemand diesen SWR3-Redakteur entlassen? Danke…

Isle of Man nun auch in Google-Maps

Freitag, 18. Juli 2008

Soeinmistaberauch!

Da veröffentliche ich vorgestern eine Gegenüberstellung von der Isle of Man in der Openstreetmap (mit Straßen drauf) und der Google-Map (als weiße Fläche) – und just heute macht Google ein Update und zieht gleichauf.

Das ist zwar Shithappens2.0, ändert aber nichts daran, dass OSM der Google-Map in immer mehr Details überlegen und bald schon die Karte schlechthin sein wird.

Hilft Konstanz der OSM?

Donnerstag, 17. Juli 2008

Mein kleiner Aufruf zum gemeinsamen Kartografieren von Konstanz in der OSM hat viel positives Feedback erzielt. Ich freue mich schon auf unsere kleine Truppe…

Darum schrieb ich eben an die Geschätsführungen von Tourist-Information, Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung und Stadtwerke dieses Mail:

ANREDE,

durch einen Blog-Post habe ich eine Initiative losgetreten, die die vollständige Kartografierung von Konstanz in der Openstreetmap zur Folge haben könnte.

Die Openstreetmap ist eine Alternative zu Google-Maps mit zwei wesentlichen Unterschieden: (a) die Daten werden von Freiwilligen wie bei Wikipedia erhoben, und (b) das Ergebnis gehört nicht einer Firma (wie bei Google-Maps), sondern der Allgemeinheit.

Berlin zB ist schon besser in der OSM kartografiert als bei Google. Ganz England ebenso.

Nur in Konstanz und am Bodensee ist noch wenig los…

Konstanz in der OSM besser zu kartografieren als bei Google ist sicherlich auch im Interesse der Stadt. Wirtschaftlich wie touristisch.

Warum? Ein kleines Beispiel: von einer Google-Map darf ich (zB als Anfahrtsbeschreibung meiner Firma) keinen Screenshot machen, keine Karte in ein PDF übernehmen und keine Karte auf einer Broschüre abdrucken. Weil ich damit das Copyright der Datenerhebungsfirma Teleatlas verletzte. Abmahnungen hierzu gibt es wie Sand am Meer.

Bei der OSM gibt es diese Probleme nicht.

Gerne würde ich dafür das Wohlwollen der Stadtwerke als Rückenwind bei dieser Aktion haben. Ich hätte zB gene einen städtischen Kartografen bei unserem Treffen. Oder die Erlaubnis, vom amtlichen Stadtplan abzeichnen zu dürfen. Wir könnten zB 10 oder 20 GPS-Geräte geschenkt nehmen oder geliehen bekommen (zB auch um damit einen Kartografie-Kurs an einer Schule anzubieten) usw.

Wenn Sie diese Aktion also unterstützen möchten, so würde ich mich über eine kurze Antwort freuen und darauf gerne Details besprechen.

Herzliche Grüße,

Peter Eich

Hey, ich würde mich freuen wie ein Schneekönig, wenn wir da von städtischer Seite Unterstützung bekämen. Drückt uns die Daumen!

PS: Hier noch ein Artikel in der Stuttgarter Zeitung über Fabian, der in Esslingen für die OSM unterwegs ist.

PPS: Hier schreibt Fabian, wie man zB mit dem amtlichen Stadtplan von Konstanz (und der entsprechenden Erlaubnis von den Stadtwerken) die OSM verbessern könnte.

Hohe Müllgebühren in Konstanz

Donnerstag, 17. Juli 2008

Der Spiegel online hat quer durch die Republik verglichen, wo die Müllabfuhr wieviel kostet. Immerhin sind die Leistungen so gut wie immer vergleichbar – aber die Preise weichen durchaus ab.

In der Tabelle ist Konstanz als Südstern Deutschlands leider nicht enthalten. Darum habe ich die Preise der Entsorgungsbetriebe mit denen der anderen Städte verglichen:

Restmüll in 120-Liter-Tonne

Wir bezahlen 129 Euro. Allerdings kommt die Müllabfuhr nur alle 14 Tage. In den meisten Kommunen kommt der Müllwagen einmal pro Woche. Darum müssen wir unsere 120-Liter-Tonne mit einer 60-Liter-Tonne vergleichen, die alle 7 Tage geleert wird. Diese ist in Magdeburg mit 98 Euro im Monat am günstigsten.

Konstanz ist also 31% teurer.

Restmüll 240-Liter-Tonne

Die “große Schwarze” kostet bei uns 263 Euro im Monat. Auch hier muss mit einer 120-Liter-Tonne verglichen werden, die wöchentlich geleert wird. Das ist mit 171 Euro in Gelsenkirchen am günstigsten.

Konstanz ist also 53% teurer.

Update 12:30h am 17.7.08:

Für Privathaushalte wird in Konstanz nach §20 der Abfallswirtschaftsordnung nach Personenzahl abgerechnet. In meinem Vergleich habe ich die bei Mehrverbrauch optionale Abrechnung per Gefäß zugrunde gelegt. Ich bin mir nun nicht mehr ganz sicher, ob das korrekt ist.

Für einen exakten Vergleich müsste man also wissen, wie viele Personen durchschnittlich pro Tonne verrechnet werden. Diese Zahl kenne ich nicht.

Die 120-Liter-Tonne würde somit einem Haushalt mit ca. 1,5 Personen entsprechen. Da eine Tonne in Magdeburg noch immer weniger kostet als die Müllgebühren für eine einzelne Person in Konstanz, ist die Müllgebühr in Konstanz in jedem Fall deutlich teurer als in Magedburg.

Eine genauere Aussage lässt sich mit den mir bekannten Zahlen wohl nicht treffen.

Wer kartografiert mit mir?

Mittwoch, 16. Juli 2008

Die Isle of Man ist etwa so groß wie der Bodensee, rechtlich gesehen aber ein eigener Staat.

Die OpenStreetMap (OSM) ist im Allgemeinen noch nicht ganz so gut wie die Google-Map, rechtlich gesehen aber Allgemeingut.

Im Oktober 2007 haben sich drei Hobby-Mapper von OSM ein Ziel gesetzt: ein gesamtes Land zu kartografieren.

Um es sich nicht allzu schwer zu machen, sind die drei OSM-Fans dabei auf die Isle of Man gekommen – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. In nur sechs Tagen haben sie dort alle Straßen, Flüsse, Schienen, Flüghägen, Parkplätze, Restaurants, Schulen und diverse andere Einrichtungen kartografisch erfasst. Und die Daten anschließend der OSM (und damit der Allgemeinheit) geschenkt.

Die drei Jungs sind dabei mit zwei Fahrrädern und einem Auto tagsüber die Insel abgefahren. In ihren Taschen steckten billige GPS-Geräte und ein paar Digitalkameras. Am Abend haben sie nochmals sechs Stunden lang die erhobenen Daten in die OSM-Karte übertragen. Und nach einer Woche waren sie fertig.

Hier ist das Ergebnis.

View Larger Map

Und hier ist die Isle of Man bei Google-Maps:

Größere Kartenansicht

Erkennt ihr den Unterscheid? Und damit die Stärke von OSM gegenüber allen kommerziellen Anbietern? (Quelle)

(Update: bis zum 18.7.08 war die Isle Of Man bei Google nur als weiße Fläche zu sehen)

Ich habe sehr große Lust eine ähnliche Task-Force zu initiieren. Zum Beispiel mit Schülern meiner Stadt im Rahmen eines Sommerkurses in Kartografie. Oder mit meinen Reiseleitern vom Inselhüpfen für die Inseln von Kroatien und Griechenland. Oder etwas ganz anderes. Hat jemand einen guten Vorschlag?

Die Ausrüstung würde ich spendieren.

Wer macht mit?

Damoklesschwert Google

Mittwoch, 16. Juli 2008

Wenn sich zehn Web-Unternehmer in Berlin treffen, den ganzen Tag miteinander in einem Konferenzraum verbringen und dabei mit großer Offenheit und absoluter Verschwiegenheit brainstormen, dann kommt immer etwas Spannendes dabei heraus.

In unserem Fall ging das Meeting anschließend in einer Bar noch munter weiter, der Gruppenzwang ergab gemeinschaftliches “Aphrodisiakum”-Trinken in der Hoffnung, dass noch in derselben Nacht das eine oder andere Spin-Off…

Aber gegründet wurde diesmal (noch) nichts.

Statt dessen herrschte in der abschließenden Fazit-Runde vor allem Einigkeit darüber, wie groß unser aller Abhängigkeit von Google geworden ist – vor allem im Tourismus.

Google ist unser Freund auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite auch. Aber über uns allen schwingt Google zudem als Damoklesschwert nervös hin und her.

Die Begriffe SEO und SEM können bei uns allen gestrichen und komplett durch GM und GO ersetzt werden. Wer Search-Engine sagt, mein Google. Punkt.

Und im Bullshitbingo ganz vorne lag diesmal der Long-Tail.

Die Idee eines solchen “Benchmarkforums” ist klasse. Ich werde versuchen ein solches Mikrobarcamp auch in meiner Stammbranche, dem Fahrradtourimus zu veranstalten. Danke für die Initiative, Uwe!

Gipfellauf patt und platt

Sonntag, 13. Juli 2008

Komme eben vom ersten gemeinsamen Lauf zurück. Mr. GPSies hatte Mr. Runmap auf eine 11km lange Strecke im Tiergarten herausgefordert.

Platt und patt kamen wir am Ende an, gewonnen haben wir beide.

Hier unsere Strecke:

Openstreetmap = Wikipedia des Ortswissens

Sonntag, 13. Juli 2008

Im Dezember 2007 verglich der Stern die Enzyklopädien Wikipedia und Brockhaus miteinander und erklärte dabei Wikipedia zum klaren Sieger.

Ab diesem Moment war auch vielen Offlinern klar, dass User Generated Content und Crowdsourcing eine bisher nicht gekannte Quelle für große und präzise Datensammlungen sein können. Statisch redaktionell gepflegte Inhalte (wie die des Brockhaus) können weder in Umfang, Aktualität noch Qualität mithalten, wenn sich zehntausende Freiwilliger um den Aufbau einer gemeinsamen großen Online-Enzyklopedie bemühen.

In Wikipedia sind 10 Millionen Artikel in 250 Sprachen enthalten (davon 2,3 Millionen auf Englisch und 750.000 auf Deutsch, Quelle).

Man schätzt, dass auf 100 Leser einer kommt, der eine eventuelle Korrektur in Wikipedia vornimmt (also auf 100 passive User kommt ein aktiver User). Unter 100 solcher Korrektoren befindet ich jedoch nur einer, der auch einen ganzen Artikel geschrieben und initiiert hat.

Gründe für dieses Verhältnis liegen auf der Hand – man will sich kurz über etwas informieren und hat gar keine Zeit, um von der passiven in die aktive Rolle zu wechseln. Außerdem ist die Hemmschwelle für viele eine große Hürde.

Ein dritter Grund ist bei Wikipedia das mangelnde Fachwissen. Wenn ich beispielsweise den hervorragenden Artikel über das Konstanzer Münster lese, so wüsste ich nicht, was ich daran noch verbessern könnte – selbst ohne Zeitmangel und ohne Hemmschwelle bin ich einfach nicht Experte genug, um weiter daran zu arbeiten.

Die Open Street Map (OSM) ist analog zu Wikipedia eine von bisher 30.000 Freiwilligen erstellten Karte der Welt (bei Wikipedia sind es über 280.000 registrierte und eine unbekannte Zahl von nicht registrierten Autoren).

Betrachte ich  das Konstanzer Münster auf OSM, so fallen mir sofort etliche Möglichkeiten auf, wie man diese Karte dort noch verbessern könnte.

Anders als bei Wikipedia hat jeder User der OSM ein gewisses Fachwissen – weil sich jeder von uns in seiner unmittelbaren Heimat besser auskennt als alle anderen.

Jeder von uns ist ein Experte in Ortswissen.

Auch wenn dieser Ort mitunter nur einen Steinwurf Durchmesser hat.

Darum tickt die Uhr für statisch redaktionell gepflegte Karten. Sie bleiben im besten Fall auf gleichem Niveau, und die crowdgesourcte OSM wird mit jedem Tag besser. Unaufhaltsam. Tag für Tag.

Was die OSM für mich als Web-Unternehmer und Touristiker so überaus spannend macht, ist die Fülle an touristisch relevanten Daten, die in der OSM ihren Platz haben: Hier ist die Liste der Map-Features. Darin enthalten sind z.B. Tags für Bankautomaten, Farradverleihe, Apotheken, Bäckereien, Hotels, Campingplätze, Strände und vieles mehr.

Was gäbe ich (und jeder meiner Mitbewerber) für dieses Wissen… Und vor allem: was gäben uns die Medienkonzerne für ein Projekt, das dieses Wissen bereits besitzt ;)

Zum Glück ist die OSM unverkäuflich und – salopp gesagt – Allgemeingut.

Ein kleines Beispiel aus meinem Alltag: in Bikemap sind etwa 5.000 deutsche Fahrradläden enthalten. Wer dort z.B. diese Route anschaut, kann sich alle an der Route gelegenen Fahrradläden einblenden lassen.

Fahrradläden in Bikemap – das ist nur eine Idee von vielen anderen, die wir noch nicht umgesetzt haben. Das Zusammentragen dieser 5.000 Adressen war aufwändig. Also teuer.

Darum würden wir mit diesem Wissen gerne etwas Geld verdienen. Zum Beispiel, indem wir für einen Eintrag 10 Euro pro Jahr verlangen. Aber der Aufwand für Kommunikation und Inkasso ist uns zu groß.

Im zweiten Schritt haben wir versucht strategische Partner zu finden, mit denen wir ein Paket schnüren können (“zahle 20 Euro im Jahr, und du bist auf Bikemap und auf XYZ”). Aber auch das ist uns zu aufwändig.

Vor allem müssten wir für jede Daten-Art eine eigene Strategie entwickeln. Das ist uns viel zu aufwändig.

Die Konsequenz ist, dass außer Fahrradläden momentan fast keine anderen Daten in Bikemap angezeigt werden. Eigentlich schade – denn für den Benutzer sind solche Daten ein willkommener Mehrwert.

Mit jedem Tag wird die OSM besser. Je besser sie wird, desto häufiger wird sie verwendet. Und je häufiger sie verwendet wird, desto mehr User kennen und pflegen sie. Und desto schneller wird sie besser. Tag für Tag.

Da hat also eine Spirale begonnen, die um ein Produkt kreist, das am Ende alle unsere Bemühungen um touristische Ortsdaten in den Schatten stellen wird.

Darauf freue ich mich schon.

Große Wirkung auf dem kleinen Dienstweg

Samstag, 12. Juli 2008

Das Leben in Grenznähe ist generell komplizierter als eines in der Mitte des Landes. Doch bringt die Kompliziertheit mitunter auch Vorteile, wenn man sich denn die Mühe macht, jene zu suchen und zu nutzen.

So wird mittels deutscher Bahncard bei innnerschweizerischen Verbindungen kein Rabatt gewährt. Sobald ein Zug aber eine internationale Strecke fährt und diese auch nur zum Teil in Deutschland liegt, so gilt die BahnCard mit halbem Prozentsatz auf die gesamte Strecke.

Wenn ich von Zürich bis Kreuzlingen fahre, also bis an den letzte Schweizer Ort, so muss ich den vollen Preis bezahlen. Fahre ich aber eine Station weiter bis ins deutsche Konstanz (oder löse wenigstens die Fahrkarte bis dorthin), so wird die ganze Strecke mit rabattiert.

Das gilt auch für die Rückrichtung. Jedoch nicht, wenn man die Karte im Zug beim Schweizer Personal lösen möchte – denn das kann den Rabatt aus irgendeinem technischen Grund nicht gewähren.

Genau das mussten eben zwei Studentinnen erfahren, die für diese Kompliziertheit zwar gut, aber nicht gut genug informiert waren.

Die Antwort des Schaffners hat mich sehr überrascht. Er entschuldigte sich für den Sachverhalt und bot den beiden ein einziges Vollpreisticket für beide Personen an. „Das kommt dann auf dasselbe raus, und das nächste Mal lösen Sie die Karte am Automaten“.

Die Begeisterung der beiden für die Schweizer Bahn stand ihnen die ganze Fahrt über ins Gesicht geschrieben.

Gipfellauf in Berlin

Samstag, 12. Juli 2008

Morgen treffen sich Mr. Bike-&Runmap und Mr. Gpsies zu einem Lauf durch den Berliner Grunewald Tiergarten.

Und wenn das nicht passiert wäre…

…würde auch Mr. Jogmap mit auf der Piste stehen. (Gute Besserung, Werner!)

Bei unserem Russisch Running spielen wir um des jeweils anderen Portal. The winner gets them all. Drückt mir die Daumen!

Ok, im Ernst: wir sind zu einem 10km langen Brainstorming verabredet.

Und was dabei rauskommt, wenn Europas größte Tourenportale eine Idee gemeinsam umsetzen, wird sicher spannend. Ich sage nur: OSM rocks!