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Beiträge vom November, 2008

Gratis WLAN im Hotel Viva Creativo

Donnerstag, 27. November 2008

Die gute Nachricht: im Hotel Viva Creativo wird es ab 2009 kostenloses WLAN geben.

Die noch viel bessere Nachricht: das war schon beschlossen, bevor ich meinen Vortrag gehalten habe.

Also: thumps up für das Hotel – an dem mir außer dem kostenpflichtigen WLAN und dem komischen übrigens alles extrem gut gefallen hat und noch immer gefällt. Ich habe noch selten so engagierte Hoteliers erlebt. Später mehr dazu – jetzt muss ich erstmal auf die Abendveranstaltung.

Update: Also, die Geschäftsführerin hatte direkt vor mit einen Vortrag gehalten darüber, wie sie das Hotel aus seiner schweren wirtschaftlichen Zeit mit wirklich erstaunlichem Engagement in die schwarzen Zahlen geführt hat. Dabei erwähnte sie das “all inklusive” Konzept, das hier überall genossen werden kann: Kaffee überall gratis, Gummibärchen, Brillenputztücher auf den Tioletten, Minibar kostenlos, Äpfel, die “Stulle-to-go” und wirklich vieles mehr.

Ich konnte kaum glauben, dass sie – in Unkenntnis meines Blogposts! – selbst die einzige Ausahme erwähnte, über die sich sich noch ärgere: das WLAN, bei dem das Hotel erst Ende des Jahres aus dem Vertrag mit dem Systemprovider herauskomme. Und ab 1.1.09 sei dann auch das WLAN gratis.

Bei meinem Vortrag war sie dann auch schon wieder weg, das Haus hatte eine große Abendveranstaltung, und ich weiß nicht, ob sie bis jetzt überhaupt etwas von dem ganzen Wind mitbekommen hat.

Der Ausgang der Geschichte freut mich also doppelt: erstens wird das WLAN gratis, und zweitens wäre meine Kritik auf sehr fruchtbaren Boden gefallen – und ist es am Ende nur deswegen nicht, weil die Entscheidung längst gefallen war.

Ende gut, alles gut… ;)

Hotel Viva Creativo und das Web 2.0

Mittwoch, 26. November 2008

Eben bin ich im Hotel Viva Creativo in Hannover angekommen, wo ich morgen einen Vortrag über Tourismus 2.0 halten soll.

Erster Eindruck: Was für ein furchtbarer Name für ein Hotel.

Zweiter Eindruck: Hier gibt es ein größeres Angebot an Gummibärchen als im Vapiano, der handgeschriebene Gruß “Viel Vitamin C für eine erfolgreiche Veranstaltung” ist nett gemeint. Nur leider war die Brausetablette nicht zum Kauen gedacht, sondern für ein Glas Wasser (musste das Ding schnell ins Bad spucken, so schäumte es im Mund). Man scheint sich also Mühe zu geben.

Dritter Eindruck: Hier kostet das WLAN 5 Euro. Am Tag? Nein… IN DER STUNDE. Zuerst habe ich mich darüber geärgert. “Was kostet denn der Strom für mein Ladegerät? Wieviel Wasser ist gratis? Welche Münzen brauche ich für die Heizung? Kostet die Klospülung auch?” usw. – die üblichen Fragen an die arme Rezeptionistin, die eigentlich ganz meiner Meinung war.

Aber die Geschäftsführerin des Hotel wird morgen unter den Zuhörern sein.

Darum schreibe ich meinen Vortrag morgen früh nochmal um.

Und vor allem bin ich gespannt, wie weit dieser Artikel bis morgen um 12 14 Uhr schon durch die Blogsphäre gewandert sein wird. Wer ihn zitiert, wird in meinem Vortrag genannt! Echt jetzt!

An die Tasten!

Update: Trackbacks bitte manuell per Kommentar posten, die Funktion läuft bei mir gerade nicht.

Update 2, Reaktionen aus der Blogsphäre (wow, die Artikel kommen gerade schneller als ich Tippen kann)

  1. Oliver Gassner ist ein Urgestein des Bloggens. Er pflichtet mir bei, betont den wichtigen Unterscheid zwischen “WLAN” und “gratis WLAN” und schreibt: “Ach ja, und Bodenseepeter hält morgen einen Vortrag und erwähnt jeden Blogger, der seine Story bloggt im Vortrag. Hey, der Mann hat es verstanden.”
  2. Oliver bloggte nicht nur, sondern twitterte das Thema auch. Dort las es sofort Daniel von Tourismus Zukunft, der daraus sofort eine kleine Kampagne machte. Er fragt seine Leser: Wer findet die beste Lösung, wie das Hotel Viva Creativo den entstandenen Schaden bestmöglich wieder gutmachen kann (Web2.0 oder anders)? Den Gewinner erwartet eine Kiste Bier frei Haus.
  3. Weil Daniel seinen Artikel auch auf Englisch postete, wird er nun möglicherweise große Portokosten zu tragen haben. Denn William Bakker ist sowas der Martin Schobert aus British Columbia, und er schlägt vor: The hotel should respond by joining the conversation and promoting their rate as cheap compared to the competition! Further, they should create a “free wifi” viral campaign. Free Wifi for people who sign-up for our newsletter. The referrals they’ll generate will pay for itself.
  4. Helge war nach Oliver der zweite, der darüber bloggte. Er schreibt Bezug nehmend auf Daniels Wettbewerb: Wenn ich die Geschäftsführerin bin und in diesem Vortrag sitze, steh ich auf und verkünde, dass WLAN ab sofort nix mehr kostet.
  5. Le Gourmand ist das Genießermagazin für Hotels & Restaurants und Götz Primke nimmt Bezug auf Daniel und Helge: Ich denke: das reicht nicht. Um positiv aus dem Rahmen des Üblichen zu fallen, sollte das Hotel hier noch eins draufsetzen. Und so ein Genusscamp würde den Rahmen bieten: viele Web 2.0 bzw Travel 2.0-affine Menschen würden in dem Hotel als Gast sein, würden über das Hotel schreiben und so einen unheimlichen Schwung an Content in das Internet schwemmen. Und nach dem Genusscamp gibt es ein bloggendes und twitterndes Hotel mehr.
  6. Daniel legt noch einen drauf und überträgt das Theme ins Mikroblogging zu Twitter. Er definiert den Hashtag #hotelcvh.
  7. Marketing-Social-Media liest Olivers Twitter-Feed, erfährt so von meiner Aktion und schreibt: “Persönlich kenne ich dieses Problem auch. Immer liest man: Hotel hat auch WLAN. Doch dann kostet das meist oder ist nicht in allen Räumen empfangsbereit. Dann lieber das Ganze unerwähnt lassen damit man keine falschen Hoffnungen hat.”
  8. Als Marketing-Social-Media Daniels Post entdeckt, nennt er es eine “Gegenaktion zum Bodenseepeter, um den Ruf des Hotels zu retten”. Ganz zustimmen kann ich da (noch) nicht, denn zuerst muss das Hotel reagieren, um seinen Ruf zu beeinflussen.
  9. Im Projekt 5 Prozent schreibt Jörg: “Würde ich heute ein Hotel eröffnen, würde ich eher auf Haustelefone verzichten (wer nutzt die eigentlich noch), als dass ich meinen Gästen keinen Internetzugang zur Verfügung stellen würde.”
    Im selben Blogpost antwortet Edith auf Daniels Wettbewerb: sie sieht eine riesige Chance für das Hotel, die entstandene Aufmerksamkeit für sich zu nutzen und jetzt klug zu reagieren. Lest ihre Vorschläge am besten selbst.
  10. Oliver schreibt in seinem Schorleblog: “ich hoffe nach dem vortrag gehen manchen die augen auf und der wlan-preis runter. dann kommt das hotel viva creativo für mich als potentiellen kunden wieder in frage.”
  11. Reinhard Lammer ist Tourismus-Chef im Lammertal, liest Helges Blog und sieht den Zusammenhang von einem einzelnen Hotel und seiner Region: “Kundenkommentare haben immer auch eine Auswirkung auf das Image einer Destination – und das ist mit Sicherheit Teil der Markenpflege und somit Aufgabe der Destination. (…) Ergibt sich hier eine neue Aufgabe für Tourismusorganisationen. Ständiges Monitoring des Webs und dann entsprechend reagieren, in Absprache mit dem betroffenen Betrieb? Huch, viel Arbeit…”
  12. Freewave ist ein Anbieter von kostenloserm WLAN für Restaurants und Hotels (kenne ich schätze ich aus Wien), die lesen offenbar Reinhards Blog. Sie schreiben: “Wann wird der letzte Bezahl-WLAN Hotspot seinen Betrieb einstellen? Wir wissen es nicht, aber wir arbeiten daran.”
  13. Marco Schreuder ist Landtagsabgeordneter in Wien, folgt Helges Twitter-Meldungen und freut sich auf die Fortsetzung der Geschichte.
  14. Das Hotel Krone in Neuenburg ist ganz webzweinullig und hat schon seit 2001 kostenloses WLAN. Stefan Waidele warnt in seinem Blog vor dem Imageschaden der entstehen kann, wenn eine Geschichte wie diese die Runde macht.
  15. Mein Blogpost auf Digg ist nun immerhin unter bei Google auf Seite 1, wenn man nach dem Hotel sucht.
  16. Hans Kirchmeyr aus Linz schreibt “Aus seriöse Hotels rechnen mal stundenweise” und hat dieses Comic gezeichnet:
  17. Überblogger Robert Basic schreibt: “Tatsächlich ist es bei mir so, dass ich um Hotels mit keinem Netzanschluss (…) im Zimmer einen dicken Bogen mache. Ebenso um Hotels, die angeben, dass die Internetanschlüsse haben, das Netz aber saulahm oder sauteuer ist oder gar nicht geht. Das war dann der letzte Besuch für mich dort und bei der Rechnung erwarte ich eine Reduktion des Preises.”
  18. Der Apartmentblogger meint: “Mit den Preisen fürs WLAN lassen sich ein paar Kröten verdienen – was bleibt ist jedoch ein schlechter Eindruck, da für viele Heavyuser des Internet ein kostenloser Internetzugang zum guten Ton gehört.”
  19. Frank Stohl pflichtet mir ebenso bei auf seinem Blog.
  20. Auf dem Blog von SocialNetworkStrategien nennt Matias Roskos das kostenlose WLAN in Hotels “ein echtes Killerkriterium”. Recht hat er.
  21. Im Blog about nothing bittet Daniel Krauß: “Also liebe Hotelbetreiber, ich appeliere an euch, die Internetnutzung als Serviceangebot und nicht als Goldesel anzusehen. Ich bin überzeugt, dass es sich auszahlen wird!”
  22. Mats pflichtet mir auch bei.
  23. Christian Lendl schreibt auf dem Blog der Österreich-Werbung unter dem Titel The Empire strikes back: “stellt sich die frage: sind es die 5 euro pro stunde für die benutzung des WLANs wert, (wahrscheinlich) einige buchungen zu verlieren? dass immer mehr leute das internet für die vorab-information nutzen, sollte auch den verantwortlichen des hotels klar sein. spätestens seit heute.”
  24. Claudia hat im Blog von Tripsbytips aufgerufen zur Sammlung einer Liste von Hotels mit kostenlosem WLAN und betont die Chance, die sich Hotels damit bietet.
  25. Sabine von der Wissenslounge hat gleich eine ganze Reihe von Vorschlägen, wie das Hotel die nun entstandene Aufmerksamkeit nutzen könnte, um aus der Krise eine Chance zu machen.
  26. Stefan rechnet an meinem Beispiel (stark vereinfacht, 5 Stunden kosten hier 10 Euro) vor, warum sich ein UMTS-Stick lohnt. Auch wenn die Details nicht ganz stimmen, Recht hat Stefan trotzdem.

Update drei:

Tourismus 1.43

Montag, 24. November 2008

Am Donnerstag halte ich einen Vortrag über Tourismus 2.0 vor 39 Zuhörern. Davon sind fast alle Geschäftsführer von touristischen Regionen und Verbänden.

Ganze 19 davon nutzen Xing. Oder in anderen Worten:

Vorgestern + 17/39 = Tourismus 1.43

Mal sehen, was ich da ausrichten kann…

Absurde Sicherheitskontrollen

Mittwoch, 19. November 2008

Knapp über Twitterlänge, darum hier:

Der Spiegel schreibt treffend über die Wirkungslosigkeit und Absurdität der Flüssigkeitskontrollen auf Flughäfen und nennt dieses Beispiel eines sehr sympathischen Piloten:

Ein Pilot, der sein Taschenmesser abgeben musste, marschierte wütend zu seinem Flugzeug, holte die Not-Axt aus dem Cockpit und knallte sie dem Sicherheitskontrolleur auf den Tisch.

Ein echter Kerl, der Kerl.

Never give up: Fliegen ohne Flügel

Mittwoch, 19. November 2008

Dieses Modellflugzeug hat den Verlust eines Flügels überstanden, weil der Pilot Bill Hempel es mit Nervenstärke, souveräner Routine und viel Motorleistung dennoch landen konnte:

Ich hätte nie gedacht, dass sowas auch mit einem richtigen Flugzeug (einsitzig mit 475 PS) möglich ist:

Oder sitze ich hier einem viralen Fake auf? Bin wirklich unsicher…

Update: Ok, num zweifle ich nicht mehr daran, dass es ein Fake ist. Anfang und Ende ist eine echte Maschine, dazwischen ein Modell (das in seinen Bewegungen zu schnell ist und zu wenig Trägkeit zeigt, und das gewiss Bill Hempel steuert). Der Kerl hat also nicht nur Routine, sondern auch Humor. Respekt!

Ode an die Vergesslichkeit

Donnerstag, 13. November 2008

Vergesslichkeit wird von einzelnen Zeitgenossen noch immer als Schwäche gesehen und nicht als Tugend.

Tatsächlich habe ich fast alles, was ich kann, nur durch die Konsequenzen meiner Vergesslichkeit gelernt. Und ich behaupte, dass niemand als Unternehmer erfolgreich sein kann, ohne ein Mindestmaß an Vergesslichkeit.

Warum?

Hier sind meine Argumente:

1. Vergesslichkeit stärkt den Willen

Als ich Schüler war, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, einen Blumentopf bei Jugend forscht zu gewinnen. Im zweiten Anlauf kam ich auch durch alle Instanzen bis zu einer Platzierung unter den Bundessiegern.

Bei der darauf folgenden Einladung zur Nobelpreisverleihung hatte ich mich in Stockholm in eine amerikanische Kollegin verliebt, die einen ähnlichen Wettbewerb in den USA gewonnen hatte und ebenfalls in Stockholm zu Gast war.

Klar, dass mich fortan zuhause das Fernweh bitter plagte.

Also kratzte ich all mein Geld zusammen und kaufte mir einen Flug nach Boston, wo die Gute derweil in Harvard brillierte. Nur noch dieses Ziel vor Augen, vergaß ich jedoch die Gültigkeit meines Reisepasses rechtzeitig zu kontrollieren. Erst am späten Vorabend des morgendlichen Fluges, als der Rucksack bereits gepackt war, fiel mein Blick auf den abgelaufenen Reisepass.

Ein paar Telefonate später hatten mir Flughafen und Konsulat bestätigt, dass ich ohne gültigen Reisepass den Flughafen in Boston nicht verlassen könnte und im nächstbesten Flieger wieder die Heimreise antreten müsste.

“Ich werde nach Boston fliegen”, sagte ich mir. “Ich WERDE nach Boston fliegen”.

Und das tat ich auch. Um sieben Uhr morgens des folgenen Tages saß ich im Zug zum Flughafen und war stolzer Besitzer eines nagelneuen Reisepasses.

Wie das?

Wo ein Wille ist, da ist meistens auch ein Weg.

Ich war mir nicht zu schade, mitten in der Nacht mit beiden Fäusten an der Haustür die zuständige Mitarbeiterin des Gemeindeamtes zu wecken und sie dann mit Engelszungen zu überreden, sofort mit mir zu ihrem Amt zu fahren und mir einen neuen (damals noch grünen) Reisepass auszustellen.

Nach meiner Rückkehr bekam sie außerdem einen riesigen Blumenstrauß.

2. Vergesslichkeit macht fit

Als Student im zweiten Semester verbrachte ich einen Sommer in meinem Geburtshaus in Schleswig-Holstein, um das dortige Musikfestival zu besuchen.

Das Haus stand im Süden von Heide, einer kleinen Stadt von etwa 5 km Durchmesser. Ganz im Norden wohnt mein Onkel, der mir einen Firmenwagen zur Verfügung stellte.

Darum radelte ich abends quer durch die Stadt zu ihm, schloss mein Rad ab, nahm das Auto, fuhr zurück zu mir, zog meine Jeans aus und den Anzug an, und begab mich zum Auftritt des Freiburger Barockorchesters.

Das Konzert war wunderbar.

Später am Abend fuhr ich das Auto wieder zu meinem Onkel und stellte dort fest, dass ich den Schlüssel des Fahrradschlosses in der Jeans zuhause vergessen hatte.

Es gab zwei Möglichkeiten: mit dem Auto zwei Mal quer durch die Stadt und anschließend ein drittes Mal per Rad. Oder dieselbe Strecke zwar zu Fuß, dafür aber nur einmal. Letzteres war meine Wahl.

Und so kam ich nach über einer Stunde Fußmarsch zuhause an und stellte fest, dass ich den Haustürschlüssel im Auto vergessen hatte.

Insgesamt bin in dieser Nacht über 15 km zu Fuß gelaufen.

3. Vergesslichkeit lehrt die Ruhe im Sturm zu bewahren

Nachdem ich als Austauschstudent in Belgien zwei Mal hintereinander den Termin meines Seminarvortrags vergessen hatte, folgte ich spontan dem unbedingten Ruf nach Ortswechsel und trampte ein Wochenende lang durch England.

Trotz 1,50m breitem “I am harmless”-Schild wollte mich partout niemand mitnehmen, so dass ich beschloss ab Hove den Zug zu nehmen.

Am Bahnhof wollte niemand meine belgischen Francs gegen ein Ticket tauschen, auch nicht gegen britische Pfund, so dass ich zum nächstgelegenen Geldautomaten zurück in die Stadt fahren musste. Schwarz mit dem Bus.

Meinen Rucksack wollte ich aber nicht mitschleppen, ein Schließfach gab es nicht (hätte mir zu denken geben müssen… hatte es aber nicht), und die Dame am Ticketschalter weigerte sich, meinen Rucksack bei sich unterzustellen.

Darum stellte ich ihn einfach an eine Wand in ihrer Sichtweite, erklärte ihr, dass sie zwar nicht für den Rucksack verantwortlich sei, ich mich aber trotzdem freuen würde, wenn sie ihn mit einem Auge…

Als ich zurück kam, war der Rucksack weg. Und mit ihm die Ticketverkäuferin (Schichtwechsel). Auf meine Fragerei bei allen Leuten im Bahnhof meinte ein Schaffner, ich solle in den ersten Stock zur Polizei gehen, die wisse vielleicht mehr.

Das tat sie in Person eines ca 2,20m großen Hünen, der sich ziemlich mächtig vor mir aufbaute, als er mir vom Bombenalarm erzählte und davon, wie er persönlich den Rucksack aufmachte, nicht wissend, ob eine Bombe oder nur meine schmutzige Wäsche darin sei.

Und ich musste weder lachen noch weinen…

4. Vergesslichkeit schärft die Rhetorik

Vorgestern bin ich nach Berlin geflogen um dort das Konzert der Improvisationspianistin Gabriela Montero zu besuchen. Leider hatte ich das Ticket zuhause vergessen. Und den einzigen Schlüssel meiner noch neuen Wohnung hatte ich bei mir in Berlin.

So vergesslichkeitserfahren, wie ich bin, zweifelte ich keine Sekunde daran, auch ohne Ticket zu dem Konzert zu gelangen. Schließlich hatte ich während meiner ganzen Studentenzeit regelmäßig geübt, Kultur ohne Bezahlung zu genießen, und das klappte fast immer.

Und so war es auch. Jeder Einlass hat eine rhetorische Schachstelle. Ist sie erkannt, muss man nur den richtigen Schwiegersohn-Ton treffen… und schon saß ich in der zweiten Reihe und genoss das Konzert.

5. Vergesslichkeit spart Geld

Letztes Jahr wollte ich an der Reboot in Kopenhagen teilnehmen, hatte Flüge und Übernachtungen gebucht, aber leider vergessen mich bei der Konferenz selbst anzumelden.

Als mir das auffiel, war das Ding aber schon ausgebucht. Unsere freundliche Anfrage per Email mit erklärter Dinglichkeit (Flüge etc nicht stornierbar) wurde mit einem flapsigen “see you next year” beantwortet – was in meinen Augen nichts anderes war als eine Aufforderung zur Selbsthilfe.

So flogen wir also nach Dänemark, schummelten uns natürlich zielstrebig in die Konferenz und haben nicht nur Spaß dabei gehabt, sondern auch noch 400 Euro Eintritt gespart.

6. Vergesslichkeit spart Zeit

In naiver Airmiles-Sammelwut buchte ich im Juni einen komplizierten Gabelflug so, dass ich von Sizilien bis Athen insgesamt vier Flüge brauchte. Die letzten beiden wären von München nach Zürich und von dort aus nach Athen gegangen.

Beim zeitlich knappen Umsteigen in München sah ich dort einen Direktflug nach Athen angeschrieben.

Ich setzte darum alles auf eine Karte, verpasste vorsätzlich meinen Flug nach Zürich und frug scheinheilig, ob ich nicht alternativ direkt nach Athen fliegen könnte.

So kam ich durch einen verpassten Flug am Ende früher an als geplant, und nebenbei hatte ich das Airline-Judo erfunden.

7. Vergesslichkeit macht Freude

Letztes Jahr sind wir mit drei iPhones aus den USA zurück gekehrt, die wir vor dem Zoll gut versteckt ohne Kartonage auf diverse Gepäckstücke verteilt hatten.

Zuhause angekommen stellten wir fest, dass am Flughafen offenbar jemand aus meiner unverschlossenen Sporttasche eines der iPhones geklaut hatte.

Da die anderen beiden Freunden versprochen waren, ging ich also leer aus.

Um so größer war die Freude nach knapp drei Monaten, als plötzlich ein Laufschuh nicht mehr passte und nach genauerem Blick in denselben ein emotional längst abgeschriebenes iPhone auf mich wartete. Über das ich mich für nur ein Mal Bezahlen zwei Mal freuen konnte.

8. Vergesslichkeit lehrt Niederlagen zu akzeptieren

Anfänger in Verlässlichkeit erliegen nach den ersten Erfolgserlebnissen leicht einer gefährlichen Selbstüberschätzung. Darüber bin ich schon hinaus.

Spätestens seit dem Konzert von Keane in Hamburg weiß ich das.

Auch damals hatte ich meine zwei Tickets zuhause vergessen. Aus Hamburg organisierte ich unseren Fahrer, um die Tickets nach Friedrichshafen zu bringen und sie dort einer Flugbegleiterin in die Hand zu drücken, die abends noch nach Hamburg fliegen würde. Leider war mein Mitarbeiter darin wohl noch nicht geübt genug, jedenfalls konnte er mir die Tickets nur in ein Hotel faxen.

Damit ausgestattet gingen wir kurz vor Keane noch lecker Essen. So lecker übrigens, dass wir über das Essen die Zeit vergaßen, dann zum Konzert rennen mussten und dort just in time ankamen. Nur hatte ich das Fax leider im Restaurant liegen gelassen.

Da wusste ich, dass es keinen Weg zu Keane geben sollte, ich akzeptierte meine Niederlage, und wir hatten trotzdem einen lustigen Abend.

100.000 Routen gesammelt

Montag, 10. November 2008

Es ist nur eine Zahl am Rande, aber sie hat Herzklopfen verursacht: die letzten Minuten habe ich damit verbracht, an fünf geöffneten Browser-Fenstern sowohl Bikemap, Runmap, Inlinemap, Mopedmap und Wandermap im Sekundentakt immer wieder zu aktualisieren.

Warum?

Weil wir immer näher an die 100.000ste Route kam, die auf unseren Portalen angelegt wurden.

Am Ende hat diese Lauftrecke am Strand von England die Schallmauer durchbrochen:


Laufroute 100000 – powered by Runmap 

Fußgänger brauchen 10 bis 100 Mal mehr Daten als Autofahrer

Sonntag, 9. November 2008

Die Erhebung und der Verkauf von kartografischen Karten ist ein großer Markt, den sich im Wesentlichen zwei Firmen teilen: Tele Atlas und Navtech.

Navtech wurde dieses Jahr von weltgrößten Handy-Hersteller Nokia für 5,1 Milliarden Euro gekauft, und Tele Atlas vom Navi-Hersteller TomTom für 2,9 Milliarden Euro.

Beide haben große Teile der westlichen Welt vermessen und verkaufen diese Daten zB. an Google für die Google-Maps (man sieht übrigens rechts unten in der Karte jeweils, wessen Daten eingeblendet sind) oder an Besitzer von GPS-Geräten, die für eine Karte schnell mal denselben Preis bezahlen müssen wie für das Gerät selbst.

Seit 2004 kommt diese Wikipedia-ähnliche Initiative von mittlerweile 70.000 Freiwillgen daher und bastelt aus Sammelwut und Lokalpatriotismus die Openstreetmap (OSM), also eine Weltkarte, die jedem zur freien Nutzung offen steht.

Mittlerweile ist die Datenqualität der OSM in urbanen westlichen Gegenden besser als die von Tele Atlas und Navtech. Das kann man z.B. hier gut vergleichen (Schieberegler beachten!).

In ländlichen Gegenden westlicher Länder hingegen sind die hinter Google-Maps stehenden Daten-Lieferanten noch besser als die OSM, und die Betonung liegt hier ganz ganz stark auf dem Wort “noch”.

Warum?

Weil sich die Datendichte der OSM momentan alle 4-5 Monate VERDOPPELT. Es ist somit nur noch eine Frage von sehr kurzer Zeit, bis man wirklich lange suchen muss für Vorteile der teuren kommerziellen Kartendaten gegenüber der OSM.

Wir erleben also gerade eine Revolution in der Kartografie. Die Vermessungsdaten der Welt waren seit der Zeit der Seefahrer gut gehütete kommerzielle Schätze, und sie werden 450 Jahre nach Gallilei endlich zum Allgemeingut.

Doch die Opentreetmap kann noch mehr.

Weil die Kartendaten von Tele Atlas und Navtech allein die Bedürfnisse von Autofahrern berücksichtigen, fehlen dort eine riesige Masse von Radwegen, Fußwegen, Treppen, kleinen Straßen usw. Darum kann man auf Google-Maps zum Beispiel auch keine Radtouren planen.

Ein Fußgänger jedoch braucht eine 10 bis 100 Mal größere Datendichte, schreibt Dominique Bonte in diesem 2.500 USD teuren Report.

Für Firmen wie Tele Atlas und Navtech würde dies bedeuten, dass ihre Kosten zur Erhebung der Daten ebenfalls 10 bis 100 Mal größer wären als bisher. In anderen Worten: sie sind kommerziell nicht mehr zu erheben.

Aber es gibt einen wunderbaren webzweinulligen Weg, um solche Daten zu sammeln: User Generated Content.

Oder in anderen Worten: die Openstreetmap.

Hier ist ein schönes Beispiel für die Datenfülle der Fußgängernavigation: der Tierpark in Belin ist auf der Google-Map nur eine graue Fläche, während in der Openstreetmap jeder Fußweg und jedes Gehege mit den jeweiligen Tierarten eingezeichnet ist.

Hier ist ein anschaulicher direkter Verleich mit der Google-Map (Schieberegler rechts oben beachten!)

User-Generated-Content im Tourismus

Freitag, 7. November 2008

Im April 2007 ging mit Bikemap unser erstes Routenportal online, und neben Runmap, Inlinemap und Mopedmap folgte vor wenigen Wochen zuletzt auch Wandermap.

Auf allen Portalen bieten wir touristischen Organisationen die Möglichkeit, ihre Routen bei uns zu visualisieren, zu bewerben und vor allem auf unserem Seiten Widgets zu generieren, mit denen sie diese Routen dann auch auf den eigenen Webseiten entsprechend dargestellt werden können.

Diese “offiziellen” Routen sind jedoch nur ein Bruchteil des Inhaltes unserer Portale. Geschätzte 99% der insgesamt 99.232 Routen (Stand von heute) stammen von irgendwelchen “dahergelaufenen” Usern. Und damit bestehen unsere Portale also zum größten Teil aus User Generated Content.

Diese wabernde Masse von scheinbar unkontrollierbarer Qualität eignet sich hervorragend um z.B. Europas größtes Routenportal zu betreiben. Klar.

Aber man kann damit auch prima Geister scheiden.

Nämlich habe ich bei meinen vielen Gesprächen mit Tourismusorganisationen genau zwei Arten von Gesprächspartner gefunden: Touristiker 1.0 und Touristiker 2.0.

Was ich damit meine?

Wenn ich bei einer Präsentation von unseren knapp 100.000 Routen spreche, so bekomme ich immer eine der folgenden zwei Antworten:

Etwa 80% der Touristiker sind Version 1.0 und sagen: “Uuuuhhhh, da kann also jedermann eine noch so schlechte Wandertour einzeichnen? Und das sogar ohne sich vorher zu registrieren? Also völlig unkontrollierbar das ganze. Nein danke, kein Interesse.”

Und dann gibt es noch 20% der Touristiker, die schon auf Version 2.0 upgegradet wurden und die antworten: “Wow, das ist ja irre. Ich kann also eine riesige Zahl von Routen einblenden die praktisch flächendeckenden Content bieten. Erzählt mal von euren Selektionskriterien, wie ihr gute von schlechten Routen unterscheidet und wie ich auf meiner Webseite vermeiden kann, die schlechten Routen angezeigt zu bekommen.”

Interessant finde ich, dass Touristiker 2.0 fast immer aus Österreich oder der Schweiz kommen. Davon kann sich Deutschland ein paar Scheiben abschneiden!

Zu Illustration hier eine Wanderroute eines heute “dahergelaufenen” Benutzers von Wandermap:


Wanderroute 99156 – powered by Wandermap 

Hier ist die Route direkt auf Wandermap.

Datendichte der Openstreetmap

Freitag, 7. November 2008

Eine geografische Verteilung lässt sich auf vielerlei Weise darstellen. Eine besonders augenfällige ist die Kartenanamorphote (engl: cartogram, Beispiele), bei dem die topologischen Beziehungen erhalten bleiben, die Fläche eines Landes aber der darzustellenden Größe entsprechend dargstellt wird.

Wenn man die (POI-) Datendichte der Openstreetmap entsprechend darstellt, sieht die Welt so aus:

Via Cloudmade.

Fördergelder schaden dem Bodensee

Freitag, 7. November 2008

Die touristische Region Bodensee ist einerseits reich und verwöhnt: im Sommer, wenn die Touristen in Massen strömen, werden hier die Speisekarten auf Touristenmenüs reduziert und die Preise auf Touristenniveau angehoben. Zwischen Juni und August werden die Kellner hektisch und unfreundlich. Es gilt das schnelle Geld zu machen.

Hotels sind bei uns teurer und schlechter als in anderen Regionen Deutschlands (ich weiß, wovon ich rede, denn wir buchen allein am Bodensee mehr als 30.000 Übernachtungen für unsere Gäste), der Innovationsdruck ist gering, denn sommers ist eh jedermann ausgebucht.

Durch die Trägheit der touristischen Massen entsteht somit eine existentielle Gefahr. Sollte man irgendwann feststellen, dass die Destionation plötzlich nicht mehr gefragt ist, so haben die konkurrierenden Destinationen bereits 10 Jahre Vorsprung im Ausbau von Infrastruktur, Know-How und Markenbildung.

Andererseits liegt der Bodensee am Rande der EU und wird trotz seines Wohlstandes von Fördergeldern geradezu überschüttet. Kurzfristig gedacht ist das sicher erfreulich, denn “man” kann seine ohnehin geplanten Projekte ein wenig in die gewünschte Ausschreibungsform bringen, und schon bekommt man 30, 50 oder 70% der Kosten erstattet.

Die Kehrseite dieser Medallie ist ein brutaler Verwaltungsaufwand. Fördergelder werden von Ämtern (oder deren rapportpflichtigen Stellvertretern) vergeben, und entsprechend lang sind die Formulare und die Arbeit an denselben. Wer noch kein Interreg-Projekt administrativ begleitet hat, weiß nicht, wovon ich rede.

Durch die jahrelange Erfahrung im Abgreifen von Fördergeldern entstehen ganz eigene Kompetenzen. Wird am Bodensee ein Seminar über Web-Marketing angeboten, so muss man es am Ende mangels Interesse absagen. Wer hingegen etwas über die Vergaberichtlinien von Fördergeldern erzählt, kann sich eines vollen Veranstaltungsraumes sicher sein.

Besonders schädlich sind Fördergelder dort, wo nur ihretwegen Projekte entstehen. Sie sind meist komplett sinnlos, niemand will sie haben, ihr einziger Zweck ist die Subventionierung von bereits vorhandenen Stellen, die eh meist nur geschaffen wurden, um Fördergelder zu verwalten.

Im echten Leben schafft die Nachfrage das Angebot. Bei Subventionen ist es jedoch anders herum, hier bestimmt das Angebot die Nachfrage.

Und so hat sich die Bodensee-Region im Laufe der Jahre zu einem Kompetenzzentrum für Fördergelder gemausert. Dort, wo andere Tourismus können, kennen wir uns mit Fördergeldern aus.

Ein Job im Tourismus bekommen hier vor allem jene, die kraft ihrer Fördergelderfahrungen in der Lage sind, ihre eigenen Stellen durch entsprechende Gelder zu refinanzieren.

So gesehen in der Stellenausschreibung der Stadt Konstanz für den Geschäftsführer zu den Feierlichkeiten des Konstanzer Konzils.

Eine der fünf wichtigsten Aufgaben bei der Organisation eines guten Jubiläums ist scheinbar der Umgang mit Fördergeldern.

Update: Hmmm, “du wärst ein schlechter Diplomat geworden” schreibt einer, und ein anderer sagt, ich würde nun niemals mehr Fördergelder erhalten können. Vermutlich haben beide Recht.

3D-Ansicht aus Luftaufnahmen

Freitag, 7. November 2008

Die schwedische Firma C3 hat eine automatische 3D-Berechnung von Luftaufnahmen erfunden, sozusagen ein echtzeit Bird’s-View-On-Demand.

Google’s Satelliten-Ansicht war gestern. Jetzt kommt C3…!

Leider funkioniert das ganze noch nicht für Mac, aber das Video ist schon schwer beeindruckend. Bitte anschnallen!

Via Ogle Earth. (Hochaufgelöste 30MB-WMV-Version des Filmes)

Bitte festhalten

Dienstag, 4. November 2008

Manche Warnschilder bringen einen erst auf die Idee, sie zu missachten…

Steve Jobs werden…

Samstag, 1. November 2008

Beruflich im Fahrradtourismus beheimatet zu sein, hat sicherlich ein paar Vorteile. Man denke nur an all die Bewegung, die viele frische Luft usw.

Wenn man aber immer schon mal Stave Jobs sein wollte, so ist diese Branche… nunja… sagen wir: sie rockt halt nicht so richtig, ganz egal wie sehr man sich anstrengt.

Darum bin ich um so erfreuter, eben Steve’s Outfit entdeckt zu haben. Hier kann man wenigstens sein legendäres Outfit mit wenigen Mausklicks zusammenkaufen: Levi’s 501, Bean’s Mock-Turtleneck, und natürlich die New Balance M992.

PS: Erst beim zweiten Hinschauen entdeckt: auf Steve’s Outfit, ganz unten rechts steht ein Link “Click hiere to sue, please”. Den Link auf die ZIP-Datei unter “Blogger’s Kit” traue ich mich jedoch nicht zu öffnen.