Inselhüpfen verkauft

Vor zehn Jahren jobbte ich in meinen Sommersemesterferien als Tourguide für Radreisen. Während meiner zwei Einsätze auf dem Jokobsweg und auf Zypern wurde ich jeweils von Klaus eingearbeitet, der hauptberuflich als Reiseleiter unterwegs war.

Wir zwei waren uns schnell einig, dass “man” vieles viel besser machen könnte als unser damaliger Arbeitgeber.

Kurze Zeit später sah ich die Möglichkeit, für den baden-württembergischen ADFC ein Radreiseprogramm aufzubauen. Ich rief Klaus an, und wir waren uns schnell einig, vom Konjunktiv zum Indikativ zu wechseln.

Im Herbst 1998 veranstalteten wir unsere erste Tour mit Fahrrad und Schiff in Kroatien, und von da an ging es mit dem Inselhüpfen steil bergauf. Inzwischen veranstalten wir etwa 150 solcher einwöchigen Inselhüpfen-Touren pro Jahr, sind neben Kroatien auch in Griechenland und der Türkei mit entsprechenden Motorseglern unterwegs, und durch unseren weltweiten Vertrieb sind wir mit großem Abstand Marktführer dieser Reiseform geworden und geblieben. Jede Saison war bisher besser als die vorhergehende, und das nun zuende gehende Jahr ist das beste der Firmengeschichte.

Das Baby ist also erwachsen geworden.

Darum habe ich heute meine Anteile verkauft und meinen Job als Geschäftsführer aufgegeben.

Mit meiner frei gewordenen Zeit werde ich mich um meine anderen Firmen und Projekte kümmern. Dem Inselhüpfen, meinen bisherigen Kollegen, Partnern und allen unseren Gästen wünsche ich weiterhin viel Erfolg und Spaß bei der Arbeit.

Hotels nutzen Runmap

Letzte Woche habe ich mich mit zweifach selbst überrascht.

Wenn ich auf Geschäftsreisen bin, fällt es mir stets viel schwerer, mich vernünftig zu ernähren und ausreichend zu bewegen. Meisten habe ich meine Laufsachen dabei und nutze sie trotzdem nicht. Die häusliche Routine hilft scheinbar den Schweinehund klein zu halten, und kaum bin ich in unbekanntem Terrain, verliere ich den täglichen Kampf. Ist dieser Rythmus erstmal unterbrochen, so brauche ich meist auch zuhause eine ganze Weile, bis ich wieder in Bewegung komme – und fühle mich derweil nicht gut.

Als ich von Barack Obamas Wahlkampftour las und auch davon, wie konsequent er dabei jeden Morgen eine Stunde Sport trieb, da dachte ich mir: hey, wenn ihm das gelingt, dann habe ich keine Ausrede mehr.

Und letzte Woche war meine Nagelprobe: Beim Airporthopping zwischen Konstanz – Zürich – Essen – Wien – Linz – Hamburg – Dresden in weniger als einer Woche hatte ich meine Laufsachen wiedermal dabei, “Change” vor Augen… und siehe da: ich lief (fast) jeden Morgen eine Runde um das jeweilige Hotel.

Das war die Überraschung Nummer 1.

Die Überraschung Nummer 2 war vorhersehbarer aber nicht minder schön: Ich konnte tatsächlich für jedes einzelne Hotel meiner Reise auf Runmap nachschauen, wo sich in unmittelbarer Umgebung gute Laufrouten befinden. Mittlerweile haben wir über 8.000 Strecken gesammelt, und ich bin richtig stolz auf unser Baby.

Ein schöner Nebeneffekt: immer mehr Hotels erkennen diesen Nutzen und binden die Routen von Runmap (oder eine von ihnen ausgewählte Routensammlung) direkt in die Webseite des Hotels ein.

Kanada komplett in der Openstreetmap

Das Bundesamt für Kartografie und Geodäsie nennt sich selbst ein “modernes Kompetenzzentrum”. Tatsächlich ist seine Politik gestrig und schädlich.

Eine seiner wesentlichen Aufgaben ist die Erfassung und Koordination von kleinmaßstäbigen Karten in Deuschland. Also zum Beispiel die Erstellung der topografischen Kargen im Maßstab 1:50.000.

Diese Aufgabe wird von Steuergeldern bezahlt und von den Landesvermessungsämtern durchgeführt. Die so entstandenen Karten sind aber keineswegs kostenlos nutzbar, wie dies zB in den USA und in Kanada der Fall ist. Vielmehr muss für die Nutzung dieser Daten Geld bezahlt werden.

Darum gibt es auf Bikemap auch keine feiner aufgelösten Karten, weil uns dies sonst einen fünfstelligen Betrag pro Jahr kosten würde (wohl gemerkt bedeutet es, dass wir die Erfassung der Daten durch unsere Steuerabgaben bezahlen, und die Nutzung ein zweites Mal bezahlen müsste).

Ein kurioses Beispiel: Die Shuttle Radar Topography Mission ist ein deutsch-amerikanisches und steuer-finanziertes Gemeinschaftsprojekt. Diese SRTM-Daten sind in den USA frei zugänglich, während man in Deuschland für ihre Nutzung ein zweites Mal bzahlen muss.

Preisfrage: Welches Land tut mehr für Forschung und innovative Unternehmensgründung?

Kanada ist immerhin das flächenmäßig zweitgrößte Land der Erde. Die staatliche kanadische Inititative GeoBase hat am 18. November bekannt gegeben, ihre kompletten Daten der Openstreetmap zur freien Verfügung zu stellen. Damit wird Kanada nun sukzessive komplett in der Openstreetmap erfasst.

Daran sollte sich Deutschland ein gutes Beispiel nehmen.

Via Oliver on Twitter.

Airberlin diskriminert Alphabeten

Heute in Zürich am Flughafen. Abflug um 10:45 Uhr. Boarding um 10:25 Uhr am etwas entfernten Gate E, zu dem man mit der Flughafenbahn fahren muss. Weil das etwas dauern kann, hängen überall Plakate herum, auf denen die Zeit steht, die man zu jedem Gate braucht. Also auch die 15 Minuten bis zu meinem Gate E.

Dennoch steht auf meiner Bordkarte, dass ich um 10:00 Uhr am Gate sein soll.

Als ich dort also um 10:00 Uhr ankomme und feststelle, dass ich erst um 10:25 Uhr dort sein müsste, frage ich nach.

Die Antwort: “Ja, diese vielen Schilder mit der Zeit, die man braucht, um zum Gate E zu gelangen, die liest ja eh niemand. Darum schreiben wir auf die Bordkarte eine um diesen Weg reduzierte Boarding-Zeit, um sicher zu gehen, dass alle pünktlich ankommen.”

Hey Fluglinie, ich KANN lesen!

Das erinnert mich stark an die deutschen Behörden, die mittlerweile “30 km/h” auf die Schilder schreiben, wenn sie wollen, dass die Leute 50 km/h fahren. Und damit einen Kreislauf der Ignoranz anstoßen…

Why Big Teams Suck

Via Twixtus.