Stern berichtet geschmacklos über Selbstmord

Heute meldet der Stern in seinem Newsflash den Selbstmord des Unternehmers Adolf Merckle. Während im Video eine blutverschmierte Bahnstrecke zu sehen ist, bewirbt Proximic rechts oben den Buchtitel „Der Notausgang: Wie Sie schnell und schmerzlos Selbstmord begehen.“

Proximic ist sowas wie Google AdSense und schreibt über sich selbst:

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Zur Vermeidung des sogenannten Werther-Effektes empfiehlt der Deutsche Presserat in seinem Kodex unter §8.5: „Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung“.

In deutlicheren Worten bedeutet dies:

Beschreibe den Suizidenten, die Methode, den Ort, die Lebensverhältnisse und die Gründe so abstrakt, dass sie kein Anschauungsmaterial mehr enthalten, das einer möglichen Identifikation und Enthemmung Vorschub leisten könnte.

Sowohl die blutverschmierten Gleise als auch insbesondere die Anzeige liegen hier weit von gutem Journalismus entfernt.

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

5 comments

  1. Heute morgen in den TV-Nachrichten wurden überall die blutverschmierten Gleise gezeigt.
    Tja.
    (btw: der Link zum Werther-Effekt funzt nur, wenn der letzte Slash weggelassen wird.)

  2. Interessant fand ich auch die Darstellung der Person Merckle. Er wird immer als 5-t reichster Mensch Deutschlands beschrieben, der über ein Privatvermögen von mehreren Milliarden verfügt. Frage: Was ist mit Privatvermögen gemeint? Das Finanzloch seines Firmenkonglomerats umfasst aktuell einen (hohen?) dreistelligen Millionenbetrag, wenn ich nicht irre … hmm … aber wahrscheinlich verstehe ich da einfach was nicht.

  3. Ich finde so was sehr geschmacklos. Wenn man zurück denkt, dass als der Amerikaner sich im öffentlichen Fernsehen umgebracht hat, die deutschen Medien einen riesen Aufstand gemacht haben, dass man doch so was nicht machen könnte, ist das jetzt schon sehr krass. Ich finde, dass man so was nicht machen sollte. Es war ein reicher Mann der sicherlich Gründe dafür hatte sich umzubringen, aber dann so einen Beitrag machen und so ein Foto zeigen finde ich nicht gut. Aber wie heißt es so schön „Geld regiert die Welt“

  4. Die Werbung passt doch perfekt…
    Viel geschmackloser ist es blutverschmierte Gleise zu zeigen.

  5. … liegt an den Werbe-Robots, oder? Ich habe auf Spiegel online heute beim Thema Hudson-Wunder ständig Werbung für Flugreisen bekommen…

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