Religulous

Seit ein paar Tagen läuft er auch in deutschen Kinos, der amerikanische Dokumentarfilm Religulous.

Der Titel des Filmes ist ein Wortspiel aus Religion und ridiculous (lächerlich), und sein Inhalt ist eine kritsch-derb-witzige Auseinandersetzung, meist in Firm von Interviews, mit dem ofmals sehr absurden Thema der Religion.

Warum absurd?

Zum Beispiel weil ich nur über den Rand meines Monitors schauen muss, um dort in einer Kirche Leute dabei zu sehen, wie sie allen Ernstes glauben, das Blut eines seit zwei Jahrtausenden toten Menschen zu trinken. Und einige von ihnen sind sogar Vegetarier ;)

Hier ein halbstündiger Ausschnitt des Filmes:

Hier noch ein paar Links: Religulous bei Wikipedia, die Webseite des Films und eine Filmkritik bei Telepolis und beim Spiegel.

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

18 comments

  1. Was ist so schlimm daran, wenn Menschen Glauben? Warum muss man dies durch solche Beiträge ins Lächerliche ziehen?
    Weil „nicht-glauben“ gerade en vogue ist?

    Ich finde, dass muss jeder für sich selbst entscheiden. Durch solche einseitigen Filme ala Michael Moore macht man es sich viel zu leicht.

  2. Ja genau, nicht zu glauben ist im Trend.

    Nach ein paar Jahrtausenden Diktatur der Kirchen greift der Lazismus tatsächlich gerade um sich, und diesen Trend begrüße und unterstütze ich.

    An jeder zweiten Ecke hängt doch ein christliches Symbol in unserem Land, Kirche und Staat sind noch immer eng verflochten, und die etwa 30% Atheisten sieht man leider kaum.

  3. Warum soll man denn von den Atheisten „was sehen“? Was für eine Intention steht dahinter, wenn man seinen nicht-Glauben mit solch bekehrenden Methoden nach Außen tragen muss?
    Wie gesagt, lass den Gläubigen doch einfach ihren Glauben und gut ist. Die Zeiten, in denen man Ungläubigen gewaltsam bekehren wollte, sind Gott sei Dank lange vorbei. Umgekehrt gehört sich das ebenso wenig.

  4. Warum man von den Atheisten was sehen soll? Weil es von ihnen unterdessen mehr gibt als von praktizierenden Christen. Sie sitzen aber (noch) nicht im Rundfunkrat, kaum im Parlament, sind kaum in der Rechtsprechung vertreten usw. Kurzum: sie haben noch lange nicht den ihrer Anzahl zustehenden Einfluss im Land.

    Ich finde es erschreckend, welch zweierlei Maß du verwendest. Auf der einene Seite rede ich von gesellschaftlichem Einfluss, und du vergleichst es mit den (in Deutschland vergangenen, in anderen Ländern noch präsenten) gewaltsamen Bekehrungsversuchen. Das sind ziemlich verschiedene Dinge, die man nicht miteinander vergleichen und auch nicht aufrechnen kann.

  5. Ich sage doch gar nicht, dass Atheisten keinen gesellschaftlichen Einfluss erlangen sollen (dass sie dies durch Rspr. und Parlament noch nicht getan haben, sind indes nur Vermutungen von dir, es gibt durchaus genug Beispiele für das Gegenteil), aber mit Einfluss meinst du doch hoffentlich nicht, dass man Religion lächerlich macht oder plakative Aussagen an Bussen anbringt. Das ist wirklich nur billig und und hilft letztlich keinem.

    Über konkrete atheistische Vorstellungen kann man ja gerne reden (was genau kritisierst du denn an den deiner Meinung nach zu christlich eingestellten Rundfunkräten, Gesetzgebern und Richtern?), aber bisher geht es nur um das völlig unnötige Schlechtmachen der Gläubigen.

  6. Das findest du plakativ? Dann aber auch:

    Das Bimmeln aller Kirchturmglocken ist plakativ. Die zig-tausenfdach herumhängenden Jesuskreuze sind plakativ (sogar in Schulen). Die Kirchen in den Städten sind plakativ. Der Religionsunterricht in den Schulen ist plakativ. Die kirchlichen Kindergärten, Krankenhäser usw. sind plakativ. Die vom Staat eingezogenen Kirchensteuern sind plakativ. Die Steuerfreiheit der Kirchen (sie bekommen Steuer, bezahlen aber keine) ist plakativ…usw usw

    Atheismus als Nichtglaubensform darf ruhig noch viel sichtbarer werden, und ich trage zB hier ab und zu ein Stück dazu bei, damit ein stärkeres Aufmerksamkeitsgeleichgewicht erreicht wird.

    Und überhaupt: die Gläubigen mache ich nicht schlecht. Wohl aber die Geisteshaltung der im Film zitierten Typen. Und das doch wohl zu recht…

  7. Jetzt mal ernsthaft, du störst dich an den Kirchen in den Städten und dem Bimmeln jeden Sonntag? Das glaub ich dir nicht.
    Dies sind eben Ergebnisse der jahrhunderte oder gar jahrtausende alten christlichen Geschichte Europas und damit Teil unserer Identität.

    Die Kirchensteuern ist streng genommen übrigens lediglich ein Mitgliedsbeitrag, dem man sich durch Austritt jederzeit entziehen kann (das funktioniert bei der Einkommenssteuer leider nicht). Zudem verdient der Staat an dem Einzug einen nicht geringen Anteil, dieser „Service“ ist also keineswegs reiner good-will.
    Die angesprochene Steuerfreiheit der Kirche stimmt so pauschal auch nicht. Wenn die Kirche Einnahmen hat, z.B. durch Eintrittsgelder in den Kirchturm, müssen diese selbstverständlich versteuert werden. Lediglich von der Körperschafts- oder Grundsteuer ist die Kirche befreit. Dies ist aber KEIN Sonderstatus der Kirche, sondern betrifft jede gemeinnützige Organisation wie Vereine u. ä. und öffentliche Körperschaften wie Schulen, Museen, usw. Auch betrifft dies nicht nur die anerkannten christliche Kirchen, sondern auch Muslimische und Jüdische Gemeinden, Zeugen Jehovas uvm. Wenn du einen Atheistenverein gründest und den Status der Körperschaft des öff. Rechts erkämpfen würdest, müsstest du ebenfalls diese Steuern nicht zahlen.
    Es sollte dabei auch erwähnt werden, dass die Kirche kein auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Unternehmen ist, sondern im Gegenteil viele Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime unterhält, die von alleine gar nicht wirtschaftlich überlebensfähig wären.

  8. @Klaus: Wenn Du einen Kirchturm direkt vor Deiner Wohnung hättest, wie Peter, könntest Du verstehen, dass er sich am Bimmeln stört. ;-)

    Aber zur Sache: Ich finde das hier eine interessante Diskussion und denke auch, dass man als Atheist seine Meinung durchaus public machen und auch mit anderen darüber diskutieren darf/soll. In Deutschland ist der Einfluss der Kirchen aber ‚Gott sei Dank‘ nicht mehr so stark wie früher – mehr Sorgen sollten einen da andere Länder, wie natürlich der Iran machen – aber auch die USA ist leider zu stark Religions-geprägt.

  9. Ein Freund von mir betreibt ein privates Gymnasium und erhält dafür keinerlei Unterstützung vom Staat. Von anerkannten Religionsgemeinschaften (Orden, etc.) betriebene Schulen bekommen jedoch die Personalkosten erstattet. Die Zeugen Jehovas sind dabei, die 14. anerkannte Religionsgemeinschaft zu werden – auch sie werden dann staatlich finanzierte Schulen betreiben dürfen. (All das gilt für Österreich.)

    Nur ein beliebiges Beispiel von unzähligen, wo Kirchen von der Gesellschaft quersubventioniert und priviligiert werden.

    Darum ist es nur legitim, wenn wir Atheisten uns organisieren, und vor allem auch eine öffentliche Diskussion über Jesus und andere Imaginary Friends geführt wird.

  10. muh kommentare löschen ist blöd

  11. In der Tat eine interessante Diskussion.

    @Ole: Die Tatsache, dass Peter in eine Wohnung direkt vor einer Kirche eingezogen ist, zeigt doch eher, dass diese ihm nichts auszumachen scheint. Ich könnte mir im Gegenteil sogar vorstellen, dass der Blick auf’s Münster einen positiven Einfluss auf seine Kauf-/Mietentscheidung hatte.

    @Helge: In Deutschland bekommen alle privaten Schulen weitreichende staatliche Gelder, auch solche, die nicht zu einer Kirche gehören. Wundert mich, dass dies in Österreich anders ist.

    Ich bin selber kein streng gläubiger Christ und erst Recht kein Fan der (kath.) Kirche. Was jedoch stört ist das grundlose Religions- Bashing, das offenbar salonfähig wird. Damit meine ich noch nichtmal diesen Blog, sondern eher die Plakat-Kampagnen.
    Über konkrete Dinge kann man immer Diskutieren, aber das plumpe „Gott gibt es nicht; Religion ist Betrug“ Gerede ist einfach albern.

    Was genau zeichnet denn Atheismus aus? Bedeutet es nicht einfach, dass man NICHT an Gott glaubt und Religion ablehnt? Ist es dann nicht in gewisser Weise ein Widerspruch, wenn man sich dann organisieren will, seinen Nicht-Glauben durch Symbole (Plakate) nach Außen trägt und dadurch andere von seiner Ansicht überzeugen will? Das sind doch genau die gleichen Methoden, die man an Religionen eigentlich kritisiert!

  12. @Klaus:

    Genau genommen ist das nicht nur Atheismus sondern Antitheismus. Ein Antitheist ist jemand, der (v.a. staatlich geförderten) Theismus für Gesellschafts- und Demokratieschädigend hält und darum darauf pocht, dass Religionsausübung Privatsache werden soll. Das heißt dann konkret: Keine steuerlichen Begünstigungen, kein Religionsunterricht in Schulen mit Öffentlichkeitsrecht, keine Sendeplätze im öffentlich-rechtlichen TV, etc. Kurz gesagt: Laizität.

    Öffentliche Glaubensbekenntnisse finde ich übrigens genauso in Ordnung wie öffentliche Atheismusbekundungen. (Solange beide keine Lärm- oder Geruchsbelästigung darstellen.) Weil etwas Privatsache sein soll, muss es ja nicht geheim bleiben. Aber die staatliche Ungleichbehandlung bei Besteuerung und Bildung muss ein Ende haben.

  13. Kein vernünftiger Christ glaubt, dass er da wirklich Blut trinkt. Es ist ein Symbol weiter nix. Ich finde es nicht gut andere Menschen, egal welcher Ideologie sie anhängen, als gehirnamputierte Idioten darzustellen. Dein Anliegen mag sehr ehrenwert sein, aber es hilft nicht dabei, es ernst zu nehmen, wenn es mit polemischen Äußerungen transportiert wird.

  14. Luvertux, ich bin ganz deiner Meinung: kein vernünftiger Christ glaubt das. Aber ich bin auch der Meinung: viele Christen glauben es.

  15. Worauf stützt sich diese Meinung? Wieviele von der Sorte kennst Du? Ich weiß nämlich keinen einzigen. Dabei kenne ich eine ganze Menge streng gläubiger Christen, die schon gerne mal radikale christliche Standpunkte vertreten. Lediglich unter der Kategorie, die auf Wallfahrten anzutreffen sind, habe ich Vertreter der von dir beschriebenen Sorte beobachtet. Meine Meinung ist, dass es sich dabei eher um eine Minderheit handelt.

  16. Klaus Hofmeister

    Beim hr gab es kürzlich ein zwei Tage dauerndes Radio-Programm unter dem Stichwort „Streit um Gott“. Das war sehr gut, ich war einer der Redakteure :-) Wir haben drei einstündige klassische Dispute gemacht zwischen Theologen und namhaften Atheisten (Schnädelbach, Hörster, Schmidt-Salomon, oder dem Evolutionsbiologen Junker), haben in Kürze (und unterhaltsam) alle klassischen Gottesbeweise dargestellt (und bewertet), hatten Gespräche mit Fachleuten über Monotheismus und Gewalt, haben echte deutsche Kreationisten dargestellt und noch vieles andere mehr. Es ging nur um die Fragestellung nach der Vernünftigkeit der Religion, also ein rein rationaler Zugang zum Thema. Das war hochinteressant. Falls jemand die CD-Rom mit den besten Audios zugeschickt haben will, möge er sich bei relgion(at)hr-online.de melden. (Stichwort: Streit um Gott-CD) Tatsächlich gibt es derzeit eine Tendenz, sich in Sachen Religion zu positionieren. Die Atheisten haben in Berlin einen Dachverband gegründet etc. Auch diesen Trend hat Bodenseepeter mal wieder richtig gesehen. Allerdings sind die etwa 30-40% Prozent „Atheisierenden“ hierzulande überwiegend nicht geneigt, sich politisch stark zu organisieren oder – böse gesagt – zu verkirchlichen. Die Migliedszahlen der einschlägige Verbände sind noch recht gering. Es herrscht in diesem sozialen Feld überwiegend religiöse Gleichgültigkeit. Ich selbst bin katholischer Theologe und habe mit Vergnügen am Sonntag „Religulous“ gesehen. Es gibt schon viele skurrile Typen, aber wirklich gefährlich sind selbst diese ganz bunten Vögel derzeit nicht. Die gewaltbereiten fundamentalistischen Christen sind in den USA seit einigen Jahren nicht in Erscheinung gereten, oder – wie der Abtrebungsarzt-mordende Pfarrer 2003 in Florida hingerichtet worden. Deutschlands christliche Fundamentalisten sind überwiegend harmlos, und die Groß-Kirchen haben massive Rekrutierungsprobleme. Nur ein Beispiel: Von den 23.000 Ordensschwestern sind 81% über 65 Jahre. Auf 200 Ordensfrauen kommt eine Nachwuchsnonne. Also da wird soviel viel den Bach runter gehen in den nächsten Jahren. Allerdings bedauere ich das, da nicht Passables nachkommt. Die Wertehorizonte, die der globalisierte Kapitalismus prägt, sind nicht gerade sehr menschlich. Ich fänds wünschenswert im Blcik auf die Zukunft, wenn Atheisten Christen respektieren und umgekehrt. Religion wird nicht aussterben, da es ein Existential des Menschen ist. Wir müssen (so der Philosoph Habermas, der sich selbst als religiös unmusikalisch bezeichnent) lernen, das Existenzwissen von Religiösen und Nichtreligiösen auch im säkularen Staat zu respektieren und konstruktiv in Beziehung zu setzen. Anders wird es nicht gehen.

  17. Toller Kommentar, bin gespannt auf die CD. Warum gibt es die Sendung denn nicht gleich online? CDs sind doch irgendwie aus dem letzten Jahrtausend, oder? Und sowas von teuer, langsam und antiviral.

  18. Ja, die Atheisten sind allem Schuld, das findet auch Bischoff Walter Mixa (siehe http://www.netzeitung.de/politik/deutschland/1324717.html) und er ist mit ganz großer Sicherheit nicht der einzige Hassprediger der christlichen Kirchen.

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