Bodensee ohne eigene Webseite?

Braucht eine touristische Destination eine eigene Webeite? Braucht eine Ferienwohnung eine eigene Webseite? Und ein Café?

Letzte Woche schaute ich online nach, wann das Voglhaus-Café sonntag öffnet, um dort nicht vor verschlossenen Türen zu stehen. Dann machte ich mich auf den Weg – und stand vor verschlossenen Türen. Weil die Öffnungszeiten auf der eigenen Webseite nicht korrekt angegeben waren.

Mir kam es vor, als hätte ich den Inhaber selbst gefragt und von ihm eine falsche Antwort erhalten.

Da die URL des Café nicht generisch ist, muss selbst ich als Stammgast danach googeln. Und auf den Folgeplätzen des  Suchergebnisses sind die Einträge desselben Cafés bei Tupalo, Qype und Tripadvisor. Jeder einzelne ist informativer und nützlicher als die Webseite des Café selbst.

Der Wirt wäre also gut beraten, würde er dort seine Öffnungszeiten eintragen und die Daten kontrollieren. Womit er auch die Kartensuche von Google kontrollieren würde. Seine eigene Webseite hingegen hat im Vergleich fast keine Bedeutung mehr.

Weil: die im Web verstreuten Inhalte sind wichtiger als die eigene und schlechte Webseite. Oder auch: content rules.

Bei einer Ferienwohnung ist es ganz ähnlich. Wäre sie ein Auto, würden eh 99% der eigenen Webseiten so schöne Texte präsentieren wie: „Vermiete Auto. Mit vier Rädern, Türen und einem Kofferraum. Vier Sitze drin“. Aha!

Viel wichtiger für den wirtschaftlichen Erfolg einer Ferienwohnung ist deren Präsenz auf den entsprechenden Portalen und in den Suchmaschinen. Eine eigene Webseite braucht man dazu nicht.

Entlang des baden-württembergischen Teils des Bodensee-Radwegs steht auf jedem einzelnen Schild eine Werbung für www.tourismus-bw.de. Nur findet man dort so gut wie nichts über den Bodensee-Radweg. Aha!

Was ist Google? Die erfolgreichste Webeite überhaupt. Und was macht Google? Schickt seine User immer gleich weiter, und zwar dorthin, wo der Inhalt steht.

Weil: content rules.

Es ist viel wichtiger, den Inhalt über die eigene Destination auf den verschiedensten Stellen im Web zu pflegen als eine eigene Webseite zu betreiben. Und wenn man für beides gemeinsam keine Zeit hat, sollte man sich für den Inhalt entscheiden und gegen die eigene Webseite.

Denn eine touristische Destination hat auf Tripadvisor, Faebook, Wikipedia etc. längst viel mehr Besucher als auf ihrer eigenen Webseite (selbst die offizielle Seite vom Bodensee hat im Jahresschnitt pro Tag keine Tausend Besucher!).

Die Konsequenz aus diesem Trend zog Vancouver-Island und löste die eigene Webseite auf. Statt dessen wanderte der Inhalt auf das Tourismusportal von British-Columbia, und man kümmert sich auf Twitter und Facebook um die Anliegen der Gäste.

Ein lokaler Vergleich: die (inoffizielle und somit unkontrollierbare) Facebook-Page des Bodensee auf Facebook zählt bereits 20.000 Fans. Vermutlich ein Vielfaches mehr als der gute alte Bodensee-Newsletter Abonnenten besitzt. Ihre Reichweite wächst mit jeder Stunde. Und dies ist nur der Anfang des Trends.

Den fast alle touristischen Destinationen sowas von verpassen.

(Angeregt durch Blogpost von Reinhard Lenner)

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.