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Beiträge vom Januar, 2010

Eine Woche mehr Urlaub für Lehrer

Sonntag, 17. Januar 2010

Wenn ein Lehrer bereit ist, 220 Euro gegen eine Woche zusätzlichen Urlaub zu tauschen, dann sollte er diesen Artikel lesen.

Ein paar numerische Annahmen vorweg: ein Gymnasiallehrer mit 50 Jahren verdient 3.600 Euro netto. Er unterrichtet 25 Stunden und arbeitet weitere 15 Stunden pro Schulwoche. Es gibt 40 Schulwochen pro Jahr, und er beaufsichtigt etwa eine Klassenarbeit pro Schulwoche.

Ich nehme weiters an, dass die Beaufsichtigung einer Klassenarbeit eine Aufgabe ist, die nicht die Qualifikation eines Gymnasiallehrers erfordert, sondern nur die Anwesenheit einer Aufsichtsperson. Oder in anderen Worten: wenn ein Gymnasiallehrer eine Klassenarbeit beaufsichtigt, so verschwendet er (s)eine fachliche Ressource.

Im echten Leben (also in der Wirtschaft) werden Ressourcen-Verschwendungen gesucht und konsequent eliminiert. Ein Unternehmen, das diese Strategie nicht konsequent verfolgt, wird keinen Erfolg haben. Alle Arbeiten sollen darum stets von Personen mit dem geringst-nötigen Ausbildungsgrad ausgeführt werden.

Warum erledigen tausende Lehrer dann regelmäßig solche unqualifizierten Aufgaben?

Wie wäre es, wenn jedes Schule einen Pool von Studenten beschäftigt, deren Aufgabe es ist, das wachsame Auge während einer Klassenarbeit zu sein. Sie bekommen dafür 8 Euro pro Stunde plus wertvolle Kontakte in ihre möglicherweise zukünftige Berufswelt. Schließlich sind es neuerdings die Schulen, die über ihre neu einzustellenden Lehrer selbst entscheiden – fast wie im echten Leben.

Studenten anderer Fächer im echten Leben machen das mit ihren zukünftigen Arbeitgebern nicht anders. Nur nennt man es dort freiwilliges Praktikum, und meist erhält man weniger als 8 Euro pro Stunde dafür.

Dieser Student ist also der Wachhund einer Klassenarbeit, also praktisch nicht viel mehr als einfach anwesend. Dafür sind vielleicht sogar 8 Euro zuviel.

Weitere Aufgaben hat der Wachhund nicht, denn der Lehrer ist ebenfalls im gleichen Raum anwesend, jedoch sitzt er abseits an einem Tisch und korrigiert weitgehend ungestört oder bereitet etwas vor – arbeitet also fachlich qualifiziert und verschwendet seine Ressource nicht.

Als Aufsicht ist der Lehrer dennoch präsent, und bei eventuell auftretenden Fragen und Problemen kann er eingreifen – jedoch nur, wenn sein Wachhund dies für nötig hält.

Ein solcher Wachhund wird von einem Pool von Lehrern (am besten von der ganzen Schule) beschäftigt und kann dann leicht mehrere Stunden in Folge eingesetzt werden. Mögliche Terminkollisionen stören mein Modell nicht – sollten einmal mehr Arbeiten parallel geschrieben werden als Wachhunde anwesend sind, dann beißt eben ein Lehrer ausnahmsweise ins Aufsichtsgras. Das darf vorkommen – nur eben nicht zu oft.

Pro Woche spart der Lehrer also eine Stunde, und pro Jahr eine komplette Arbeitswoche.

Da der Lehrer den Einsatz seines Wachhundes absetzen kann, bleiben jährlich als Kosten ganze 220 Euro netto zu bezahlen.

Was haltet ihr von dieser Idee?

Ich freue mich auf euer Feedback, und insbesondere auf weitere Vorschläge, wie man das Schulwesen mit Ideen aus dem echten Leben optimieren könnte.

Icon A5

Sonntag, 17. Januar 2010

Wenn sich ein Kampfjet-Pilot und ein Skateboarder zusammen tun und ein Flugzeug entwerfen, dann kommt das dabei raus:

Der A5 von Icon-Aircraft. Dieses zweisitzige LSA (light sports aircraft, also zwischen Ultraleicht und Eco) ist amphibisch, kann also im Wasser und auf Land starten und landen. Es ist nicht nur ultracool, sondern auch alle Daten scheinen vielversprechend.

Offenbar hat Icon Aircraft für den A5 schon 430 verbindliche Bestellungen erhalten (bei einem Preis von 140.000 USD). Zum Vergleich: ein UL in Deutschland kostet mit 80.000 bis 100.000 Euro nicht weniger, und der Bestseller war 2009 mit ganzen 46 Zulassungen die C42. Der A5 hat, scheint mir, ein riesiges Potential und wird der am Bodensee gebauten S-Ray von Iren Dornier kaum eine Chance lassen

Nur wird die deutsche Verhinderungsmentalität dafür sorgen, dass man mit dem A5 nirgends auf dem Wasser landen darf. Ziemlich schade, finde ich.

Klassenarbeiten korrigieren als Business-Case

Samstag, 9. Januar 2010

Bei der Mehrzahl von Geschäften scheint klar, in welche Richtung Geld fließen muss. Nämlich in die entgegengesetzte Richtung des Produktes oder der Dienstleistung.

Wenn der Bäcker zwei Euro haben möchte, dann muss er ein Brot verkaufen. Will er vier Euro haben, so muss er eben zwei Brote verkaufen. Und so weiter.

Auch der Frisör muss einen Schopf schneiden für 20 Euro, und zwei Schöpfe für 40 Euro. Und so weiter.

Solche Geschäfte sind auf den ersten Blick langweilig, weil zu fix und weil nicht skalierbar. Also fix, weil die Richtung des Geldflusses unabänderlich zu sein scheint (auf den ersten Blick, meist auch auf den zweiten und dritten), und nicht skalierbar, weil man um so mehr arbeiten muss, je mehr Geld man einnehmen will.

SKALIERBARE GESCHÄFTE

Spannender sind da schon solche Geschäfte, bei denen diese Einschränkungen nicht gelten. Leicht skalierbare Geschäfte sind zum Beispiel die meisten digitalen Produkte. Von einem kostenpflichtig downloadbaren PDF oder Musikstück kann man mit fast gleichem Aufwand beliebig viele davon verkaufen.

Backt der Bäcker das beste Brot der Stadt, so hat er sich im besten Fall einen guten Job geschaffen und hat erreicht, dass ihm die Arbeit und das Geld nicht ausgehen werden – wohl aber die Zeit. Schreibe ich jedoch ein sehr nachgefragtes Buch und stelle es als PDF kostenpflichtig zum Download bereit, so kann ich ohne jeden Aufwand eine fast beliebig große Summe damit einnehmen, und alles, was ich fortan tun muss, ist zusehen, wie das Geld eintrifft. Ich habe also keinen Job, wohl aber Geld und Zeit.

Darum interessieren mich nur noch gut skalierbare Geschäfte.

FIXE GESCHÄFTE

Bis vor fünf Jahren verteilten wir die Prospekte vom Bodensee-Radweg in 400 Hotels rund um den Bodensee, um dort für uns Werbung zu machen.

Unsere Flyer lagen auf Heizungen und Zigarettenautomaten neben zum Teil Jahre alten Prospekten der Insel Mainau und vielen anderen lokalen Attraktionen. Weil jeder von uns seine eigenen Verteiler beschäftigte, und weil die wenigsten Hoteliers sich aktiv um die Aktualität und den Bestand der bei ihnen ausliegenden Info-Materialien kümmerten. Und die, die es taten, hatten eine Menge Arbeit damit.

Darum organisierte ich eine zentrale Verteilung der Prospekte der wichtigsten 50 Attraktionen, ich investierte in 400 Prospektständer, die nun in den Hotels stehen, und jede Attraktion bezahlt mir seit dem einen jährlichen Betrag für die Verteilung ihrer Prospekte. Sie bekommt also für einen günstigeren Preis einen besseren Service – und ich verdiene daran noch etwas (und habe aus einer Kostenstelle ein Profitcenter gemacht, aber das ist ein anderes Thema).

Der Geldfluss ist hier also ganz erwartungsgemäß entgegengesetzt der Dienstleistung, denn ich leiste und die anderen bezahlen mich dafür.

Aber in diesem Geschäft versteckt sich eine interessante Komponente, und zwar in der Rolle der Hoteliers, bei denen meine Prospektständer stehen.

Zu Beginn meiner Verteilung hatte ich mir überlegt, ob ich auch von den Hoteliers etwas davon verlangen kann, dass ich ihnen die Organisationsarbeit der Info-Auslagen abnehme und sie ihren Gästen nun einen kostenlosen und guten Service bieten können.

Vermutlich hätten damals viele der Hoteliers zugestimmt, wenn ich 50 oder 100 Euro pro Jahr dafür verlangt hätte. Bei 400 Verteilungspunkten wären das immerhin bis zu 40.000 Euro zusätzlicher Einnahmen bei gleichem Aufwand für mich.

Bei meinen Reisen versuche ich in fremden Regionen immer alle Prospektverteiler kennen zu lernen und mich mit ihnen auszutauschen. Weil wir in komplett verschiedenen Revieren fischen, haben wir absolut nichts voreinander zu befürchten, und mit den meisten gelingt daher auch auf Anhieb ein sehr offener Erfahrungsaustausch.

So lernte ich auch Agenturen kennen, die in Gegenden Prospekte verteilen, wo die Hoteliers die Stellplätze meistbietend an den solventesten Verteiler vermieten. Dort bezahlt man schnell über 1.000 Dollar pro Jahr und Hotel (allerdings ist die Verteilung dort auch stets um ein Vielfaches teurer als bei uns).

Die Rolle der Hotels im Geschäft der Prospektverteilung ist also außerordentlich spannend, denn die Richtung, in die dort (falls überhaupt) das Geld fließt, ist völlig offen. Sie wird allein von der dort üblichen (genauer: als üblich empfundenen) Situation und vor allem dem Verhandlungsgeschick des Hoteliers bestimmt.

Dies ist ein einfaches Beispiel für nicht-fixe Geschäfte, und je mehr man nach solchen Geschäften sucht, desto häufiger findet man sie – auch dort, wo man sie niemals vermutet hat.

So ist His Steveness Jobs ein Meister darin, den Geldfluss umzukehren, selbst in Situationen mit üblichen Richtungen, in die das Geld bislang floss.

Auch Michael O’Leary beherrscht diese Strategie, denn es gibt Flughäfen, an denen Ryanair nicht etwa pro Landung eine Gebühr bezahlt bezahlt (wie scheinbar üblich), sondern pro eingeflogenem Passagier einen Werbekostenzuschuss des Tourismusverbandes kassiert. Wunderbar!

BERUFSGRUPPEN

Ein Hobby von mir ist seit langem, zuerst in scheinbar fixen und unattraktiven Geschäften eine Möglichkeit zu finden, wie man die Fixierung umkehrt und dann das Geschäft skalierbar macht. Möglichkeiten hierzu finden sich rasch zahlreicher, als man Firmen gründen kann.

Diese und andere Prinzipien der Evaluierung von Geschäftsideen lassen sich wunderbar mit anderen Unternehmern diskutieren, aber eine Berufsgruppe hatte dafür bislang immer nur ein resigniertes Schulterzucken übrig: die armen Lehrer, denen ich mich beispielsweise auch niemals trauen würde, die von mir so sehr bewunderte Vier-Stunden-Woche zum Lesen zu geben.

LEHRER

Aber das Knacken von scheinbar unlösbaren Aufgaben macht am meisten Spaß. Darum knoble ich am Strand des Roten Meeres schon seit ein paar Tagen daran, wie man Lehrern zu mehr Freizeit verhelfen kann, ohne dass die Qualität ihrer Arbeit sinkt.

Etwa die Hälfte der Arbeitszeit eines Lehrers wird unterrichtet, und etwa ein besonders unbeliebtes Fünftel muss für das Korrigieren von Arbeiten verwendet werden – ein scheinbar fixes und nicht skalierbares (und damit auch nicht delegierbares) Geschäft.

Zuerst suchte ich nach Möglichkeiten das Korrigieren zu standardisieren und dann gegen Bezahlung delegieren zu können. Also zum Beispiel Studenten oder arbeitslose Lehrer dafür einzukaufen, die eigenen Arbeiten zu korrigieren. Damit würde das Korrigieren immerhin delegierbar, weil prinzipiell skalierter.

Doch wo lernen Pfadfinder mehr: beim Angeführt werden durch Ältere, oder beim Anführen von Jüngeren? Ich bin überzeugt davon, dass im zweiten das sehr viel größere Potential steckt und es am meisten fürs Leben schult.

Und weil mein Vater ein unterdessen pensionierter Lehrer ist, darf ich nun zugeben, wie viel es mir damals gebracht hat, als ich inkognito seine Physikarbeiten korrigierte. Denn ich tat es freiwillig und war auch noch mächtig stolz darauf. Ich lernte viel mehr als im Unterricht dabei, nämlich aus den Fehlern der anderen, die ich erkennen, verstehen, bewerten und kommentieren musste.

KORRIGIEREN ALS BUSINESS-CASE

Die ideale Lehrerin beschäftigt also eine Schar von Schülern (und eventuell auch Lehramts-Studenten), von denen ausnahmslos alle Arbeiten korrigiert werden.

Dieses Korrigieren wird aktiv in seiner pädagogischen Nützlichkeit verkauft, etwa als eine Art Nachhilfeunterricht der besonders verantwortungsvollen Art. Die Schüler bezahlen wie bei der Nachhilfe einen Stundensatz, für den sie (die Kopien) von Klassenarbeiten korrigieren dürfen. Diese Arbeiten müssen freilich hinsichtlich ihres Erwartungshorizontes sehr transparent geplant werden.

Beim Korrigieren werden die Schüler jedoch nicht alleine gelassen, sondern sie werden von der Lehrerin dabei angeleitet. Sie könnte also mit einem beträchtlichen terminlichen und organisatorischen Aufwand eine kleine Schar von Korrigierern beschäftigen und mit dem Korrigieren fortan zwar nur unwesentlich wenig Zeit sparen, aber dafür (doppelt) daran verdienen.

Die Fixierung ist in diesem Modell also umgekehrt worden, doch so lange die Lehrerin dabei nicht wesentlich viel Zeit spart, ist das Geschäfts noch nicht skalierbar.

KORRIGIEREN SKALIERBAR MACHEN

Die korrigierenden Schüler müssten nun noch in zwei Gruppen eingeteilt werden: die Wölflinge und die Rover.

Ein Wölfling ist ein Schüler, der Arbeiten anderer (natürlich meist jüngerer) Schüler korrigieren darf. Und Rover wird ein Schüler erst, wenn er andere Wölflinge dabei pädagogisch geschult anleiten kann, wie man solche Arbeiten richtig korrigiert.

Das Korrigieren ist profitabel und skalierbar (und hier insbesondere: delegierbar) geworden.

Mit diesem Zweistufenmodell ist der Zeitaufwand der Lehrerin um etwa einen Tag pro Woche gesunken, der pädagogische Wert ihrer Arbeit am Ende sogar gestiegen, und Ihre Einnahmen sind höher als zuvor.

Oder? Was meint ihr dazu?

10 Jahre Sunscreen-Song

Sonntag, 3. Januar 2010

Schon so lange her, und immer noch aktuell: der Sunscreen-Song.

Gefunden bei Tim Ferriss.

Sydney’s New Year’s fireworks

Freitag, 1. Januar 2010

Junge, Junge, wenn man das Konstanzer Seenachfest daneben stellte – keiner würde es bemerken. Vor allem das Ende ist fulminant.

Das Youtube-Video wird von Sydney-Tourismus hervorragend zur viralen Werbung genutzt. Oder genauer: bereitgestellt. Denn nutzen tun es Leute wie ich in diesem Blogpost, und tausende andere überall im Web und vor allem auf Facebook.

Ich bin sicher, der Kameraflug mit dem Helikopter und der Schnitt des Filmes rechnet sich allein durch diese Youtube-Aktion.