IBT wirft schlechtem Geld gutes hinterher

Die Internationale Bodensee-Tourismus GmbH hat dem Bodensee eine grottenschlechte Webseite verpasst.

Inhaltlich fällt zuerst auf, dass das Logo des Sponsors prominenter präsentiert wird, als das Logo vom Bodensee. Statt dem potentiellen Gast die Information zu liefern, die er sucht, werden hier scheinbar zuerst die Interessen der Sponsoren und Fördergeldgeber vertreten.

Zu welchen Absurditäten dies führt, zeigte die IBT, als sie tatsächlich ein (natürlich gefördertes) Prospekt „Bodensee-Aktiv“ druckte, auf dem erhältliche Prospekte zu diesem Thema zusammen gefasst standen. Also ein echtes Meta-Prospekt, dessen Inhalt vor allem andere Prospekte sind.

Man stelle sich vor: ein potentieller Gast will sich über Aktivurlaub am Bodensee informieren. Er schaut auf die offizielle Webseite bodensee.eu, findet dort das Meta-Prospekt zum Thema Aktivurlaub. Er bestellt es und erhält es mehrere Tage später mit der Post. In diesem Prospekt stehen alle anderen (natürlich ebenso geförderten) Prospekte verzeichnet, die es zum Thema Aktivurlaub gibt. Diese bestellt er eventuell ebenso, und er bekommt mehrere Tage später einige weitere Zettelchen mit der Post, auf denen Webseiten verzeichnet stehen mit weiterführenden Informationen.

Und nun meine Quizzfrage: wenn 1.000 potentielle Gäste auf bodensee.eu Informationen zum Aktivtourismus suchen, wie viele von ihnen bestellen tatsächlich das Meta-Prospekt? Etwa 50 dürfte eine realistische Schätzung sein.

Aber wie viele von diesen 50 bestellen dann auch noch die weiterführenden Prospekte? Etwa 2 dürfte eine realistische Schätzung sein.

Aber wie viele von diesen beiden übrig gebliebenen potentiellen Gästen reisen dann tatsächlich an den Bodensee? Sagen wir der eine – denn der andere ist längst woanders hin gefahren.

Also wurden von 1.000 potentiellen Gästen genau 999 durch Missmanagement abgestoßen. Oder sagen wir ruhig: durch Fördergelder, die eine solche Denke wie eine Seuche über den Bodensee gebracht haben.

Und weil es sich gerade so schön schimpft: warum sitzen eigentlich genau die Empfänger der meisten Fördergelder im Beirat der Vergabestelle dieser Gelder und entscheiden selbst darüber, wer die Fördergelder bekommt? Etwa, weil der Bodensee zu einem touristischen Fördergeldsumpf verkommen ist, bei dem es längst nicht mehr um die Bedürfnisse der Gäste geht, sondern nur noch darum, wie man an sein Fördergeld gelangen kann? Wenn sich Instanzen selbst oder gegenseitig kontrollieren, wenn man sich selbst und seinen Freunden Fördergeld gewährt… befindet man sich dann nicht bereits in der Nähe von Korruption?

Früher hatten wir jedenfalls kompetente Touristiker am Bodensee. Heute haben wir kompetente Fördergeldantragstellerinnen.

Die Webseite – handwerklich

Doch zurück zur Bodensee-Webseite. Sie ist nicht nur inhaltlich grottenschlecht, sondern sie ist auch handwerklich so miserabel gemacht, dass man nicht mal eine studentische Einmann-Agentur dafür bezahlen dürfte (zB nutzt sie den Title-Tag noch immer nicht).

Die IBT hält dennoch seit Jahren an dieser Agentur fest, deren Glanzleistung seinerzeit eine desaströse Pressekonferenz war, bei der eine nicht funktionierende Hotelbetten-Suchmaschine vorgestellt werden sollte. Gegen die Pressekonferenz ist übrigens selbst die grottenschlechte Webseite noch ein Prachtstück.

Hinter vorgehalter Hand fragen sich viele Touristiker am Bodensee: was hält die Agentur und die IBT zusammen, wenn es die gelieferte Leistung nicht sein kann?

Die IBT bekommt übrigens in Kürze eine neue Webseite. Erstellt von… Bingo!… genau derselben Agentur. Weil die erste Webseite ja so gut war. Und weil das mit der Hotelsuche damals so gut geklappt hatte.

Der Tourenplaner

Auf der Bodensee-Webseite gibt es auch einen Tourenplaner, der unter dem wunderschönen Link http://bodensee.eu/Tourenplaner_de.Sample?ActiveID=1371 zu erreichen ist:

Quizzfrage: sieht jemand vor lauter Sponsoren eigentlich noch die Karte, um die es hier geht?

Auch hier werden die Fördergeldgeber größer dargestellt, als die Information, die der Gast gerade sucht.

Doch abgesehen davon funktioniert dieser Tourenplaner seit seiner Einführung nicht. Wer es mir nicht glaubt, der versuche doch bitte mal in weniger als 5 Minuten (so lange dauert es, bis wieder 999 von 1.000 potentiellen Gästen aufgegeben haben) eine Radtour vom Bahnhof Konstanz zur Mainau, weiter zum Mindelsee und zurück zu planen, als GPX auf sein Navigationsgerät zu laden und dann danach zu radeln ohne sich zu verfahren.

Und noch was: findet jemand auf dieser Seite das Logo vom Bodensee?

Nein? Kein Wunder, denn es gibt keines. Und natürlich auch keinen Title-Tag, der einem verraten könnte, wo man sich gerade befindet…

Tja, und weil dieser Tourenplaner faktisch nicht zu benutzen ist, plant die IBT nun einen weiteren Propspekt herauszugeben, in dem auf zwei Seiten genau beschrieben steht, wie man den Tourenplaner benutzt.

Bitte nochmal ganz langsam: ein Prospekt, in dem beschrieben steht, wie man die Webseite benutzt. Unfassbar!

Hier wird schlechtem Geld also gutes hinterher geworfen.

Keine Frage, dass auch dieses Prospekt wieder von Interreg, der EU, der Schweiz und der Brauerei gefördert wird.

Und wenn ein privat wirtschaftender Reiseveranstalter vom Bodensee darin vertreten sein will, so verlangt die IBT dafür übrigens nochmals eine Anzeigengebühr.

Oder halt, vielleicht auch nicht. Schließlich ist mein vor knapp zwei Wochen an die Geschäftsführerin Daniela Pahl-Humbert gesendetes Email, in dem ich um die Details für ein Inserat gebeten habe, bis heute unbeantwortet geblieben. Mal wieder.

Das Fazit

Könnten wir Touristiker bitte die IBT abschaffen? Denn sie schadet unserem Bodensee mehr als sie Nutzen bringt. Oder wenigstens personell dort mal RICHTIG aufräumen?

Bitte…! Danke.

Disclaimer 1: Ich bin Gesellschafter vom Bodensee-Radweg Service, dem Veranstalter, der im genannten Prospekt inserieren möchte, und ich bin geschäftsführender Gesellschafter von Toursprung, der Firma, die Bikemap betreibt, dem größten Radroutenportel Europas – und damit auch am Bodensee.

Disclaimer 2: Ich bin nicht mehr Geschäftsführer vom Bodensee-Radweg Service und erlaube mir daher endlich meine Meinung mehr als nur hinter vorgehaltener Hand kund zu tun. Schließlich wächst der Umsatz meiner Firma jährlich zweistellig – und zwar nicht, obwohl ich keine Fördergelder annehme, sondern weil ich es nicht tue und mich statt an den Fördergeldvergaberichtlinen schlicht am touristischen Markt orientiere. Das sollte die IBT auch endlich tun.

PS: Noch ein Quizz zum Abschluss: hier ist das Menü der Region Bodensee aus der grottenschlechten Webseite:

Und wo findet man Konstanz, die scheinbar wichtigste Stadt am See?

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

13 comments

  1. Gut gebrüllt! Die Seite ist wirklich grottenschlecht. Ich habe mir außerdem ne Validierung angetan: http://validator.w3.org/check?verbose=1&uri=http%3A%2F%2Fbodensee.eu%2FHauptseite_de.Sample
    *grausig* #stümper

    Grüße aus FN
    Jörg

  2. Sehr gut Peter, das musste mal gesagt sei – schlechter gehts wirklich nicht mehr.

  3. Nun, die Touristen kommen ja ohnehin an den Bodensee. So hörten wir es zumindest damals von dort aus berufenem Munde. Ansonsten, ein Beitrag, der in eurer Region sicher noch für Gesprächsstoff sorgen wird.

  4. Und das hier am Bodensee, wo man schon im Thurgau (und erst recht im nahen Graubünden!) gute Internetseiten und originelle Tourismuswerbung sieht …

  5. Die Seite ist in der Tat grottenschlecht…
    Aber mal im Ernst, wer geht schon auf die Webseite der ITB?? Doch keine Bodenseetouristen. Falls die das Internet nicht mehr ausdrucken, so sucht man doch als Branchenfremder eh nicht nach Schlagworten wie „Tourismus“ sondern eher nach Urlaub, Ferienwohnung, Radwege (oder Jakobsweg?;-) etc… aber wem sag ich das.
    Geldverschwendung mit System ist in jedem Falle ärgerlich…

    Wie wärs, bewirb dich doch für die Projekte unter der schönen Webadresse:
    http://www.bodensee.eu/Ueberuns_Ausschreibungen_de.Sample?ActiveID=1771

    ;-)

  6. Ja, es wird wild gefördert wo es nur geht! Ein Wahnsinn! Und ich verfolge mehr und mehr wie sich Kollegen aus dem Tourismusumfeld über die öffentlichen DMOs aufregen. Zum großen Teil zurecht! Und zugegeben: Auch ich fast wöchentlich.
    Zum Abschluss-Quiz: Der potenzielle Gast weiss ja auch nicht, dass Bregenz in „Bodensee-Vorarlberg“ (wobei sich die Regionen diese Namen ja selbst geben) liegt und Lindau am „Bayerischen Bodensee“ oder doch im „Allgäu“ oder beides irgendwie? Aber Konstanz ist so richtig gut versteckt! Ach ja: Und auf Safari funktioniert am Bodensee online schon gar nichts mehr.

  7. David, wenn es so ist, dann braucht erst recht niemand die IBT ;)

  8. Hallo Peter, ich habe mit einem dicken grinsen im Gesicht deinen Artikel gelesen. Wie recht du hast…
    Für mich sind solche Gegebenheiten Motivation es besser zu machen.
    Stefan

  9. Und vom diesjährigen Schwerpunktthema Familienurlaub (zu dem man nichts auf der Website findet und auch kein Prospekt bestellen kann) profitiert auch nur ein Ort am Bodensee.

  10. Unter Opera, Safari und Chrome ist die Seite dank fehlender Menus schlichtweg unbenutzbar.

    Ein Armutszeugnis.

  11. Peter, wie recht du hast. Wenn ich mir die IBT-Website anschaue, als Grafiker tue ich das sehr gruendlich, so fällt mir da spontan ein altes Sprichwort ein: „Wenn du wissen willst, warum die Dinge so sind wie sie sind, so folge einfach der Spur des Geldes“

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