Jakobsweg als Geschäftsidee
29 Apr 2010
Seit einigen Wochen arbeite ich an der Webseite für den Jakobsweg.
Ich möchte die vielen Fragen aus meiner Umgebung nach dem Ziel dieses Projektes beantworten. Aber vor allem möchte ich mir selbst eine kleine Rechenschaft geben, was ich mir von diesem Projekt erwarte. Zusammen also Grund genug für diesen Blogpost.
Zusammenfassend vorab: die Seite zum Jakobsweg ist ein Hobby-Projekt, ich verspreche mir kein großes Einkommen davon, aber ich sehe ein großes Potential (einen großen Nutzen für die User) – unter anderem, weil das Projekt dem Bodensee-Radweg sehr ähnlich ist. Ich erwarte nur eine kleine Rendite, die im Verhältnis zum geringen Aufwand jedoch ordentlich sein könnte.
Der Bodensee-Radweg
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Im Jahr 2000 war der Bodensee-Radweg bereits der beliebteste Radweg Europas. Knapp 200.000 Touristen radelten pro Saison um den Bodensee.
Der Bodensee-Radweg besaß keine eigene Webseite, und er hatte keine Telefonnummer. Niemand fühlte sich wirklich für ihn verantwortlich, nur der Tourismusverband vom Bodensee hatte einen kleinen hässlichen Flyer mit einer einfarbigen Karte, auf der der Radweg mit einer so dicken blauen Linie eingezeichnet war, dass man nicht mehr erkennen konnte, wo er wirklich verlief.
Der Bodensee-Radweg war also eine wichtige touristische Marke ohne Inhaber. In den Augen der Gäste gab es ihn, aber in der Arbeit der Touristiker gab es ihn nicht. Sogar heute, 10 Jahre später, verkennt der Tourismusverband des Landes Baden-Württemberg die Wirklichkeit und tut so, als würde der Bodensee-Radweg an der Grenze zur Schweiz beginnen und an der Grenze zu Bayern enden.
In diese Lücke stürzte ich mich also erstens.
Und zweitens verschob ich den Fokus weg vom Produkt und hin zum Bedürfnis. Oder genauer: weg vom Produkt des Veranstalters und hin zum Bedürfnis des Gastes.
Der Hintergrund dieser Entscheidung ist komplex. Aber ich entschied mich dazu, den Bodensee-Radweg als Ganzes zu repräsentieren, also auch mit allen Informationen, die Interessenten dazu nutzen konnten, nicht unsere Kunden werden zu müssen. Oder in anderen Worten: auf unserer Webseite steht alles, was man wissen muss, um nicht unser Kunde werden zu müssen – und auch ohne Veranstalter um den See zu radeln.
Diese Offenheit brachte uns stets gute Presse und damit perfektes und fast kostenloses SEO. Und damit viel mehr neue Kunden als diese wenigen verlorenen Interessenten.
Der Bodensee-Radweg war also eine gefühlte touristische Marke ohne Inhaber, und ich konzentrierte mich mittelbar nicht auf den Verkauf unserer Produkte (=Reisen), sondern auf die Bedürfnisse der Interessenten.
Damit wachsen wir seit Firmengründung jährlich um mindestens 20%, und wir machen dieses Jahr knapp 10 Millionen Umsatz. Die Strategie ging also auf, wir sind der zweitgrößte touristische Betrieb am Bodensee und Deutschlands größter Veranstalter von Radreisen.
Auch der Jakobsweg ist eine wichtige touristische Marke. Nach meiner Hochrechnung stehen in deutschen Buchhandlungen etwa zwei Kilometer breit Regale mit Büchern über den Jakobsweg.

Auch die Zahl der neu beschilderten vielen kleinen Jakobswege im deutschen Sprachraum wächst rasant, bald hat jede Gemeinde einen.
Hape Kerkeling hat sich eine goldene Nase gepilgert, und die Zahl der in Santiago ankommenden Wanderer steigt von Jahr zu Jahr (und in den so genannten Heiligen Jahren springt sie doppelt hoch).
Und dennoch hat der Jakobsweg, um es salopp zu sagen, keine eigene Telefonnummer. Niemand repräsentiert den Jakobsweg touristisch als Ganzes.
Darum habe ich 2004 tief in die Tasche gegriffen und mir die Domains jakobsweg.de und jakobsweg.com gekauft.
Da ich nun die Geschäfte vom Bodensee-Radweg Service nicht länger selbst führe, strecke ich wieder vermehrt meine Fühler aus um neue Trends zu finden.
Die Ähnlichkeit der beiden Wege finde ich auf den zweiten Blick verblüffend. Ich bin sicher, dass ich von meinen Gedanken über und meiner Arbeit am Jakobsweg viel über den Bodensee-Radweg lernen kann. Und umgekehrt sowieso.
Darum versuche ich nun mit möglichst geringem Einsatz von Mitteln den größten Nutzen für alle Interessenten am Jakobsweg zu schaffen. Und damit natürlich auch für Google interessant zu werden.
Ich verwende WordPress als kostenloses (und gutes) CMS. Die Routen des Wegs visualisiere ich kostenlos mit Wandermap. Als Bildmaterial verwende ich kostenlos die Fotos von Wikimedia.
Anders als am Bodensee-Radweg werden die Organisation und der Verkauf von Pauschalreisen am Jakobsweg wohl kaum eine Rolle spielen. Die Monetarisierung muss also anders funktionieren. Vermutlich indirekter.
Mein Ziel ist also neben dem dank der URL bereits vorhandenen generischen Traffic möglichst viel Google-Juice zu erhalten. Mit diesem Blogpost verlinke ich meine eigene Seite zum ersten Mal. Ich bin gespannt, wie schnell Google das merkt.
Klassische Werbung mit AdSense soll das erste Standbein sein. Außerdem habe ich bereits einen Banner-Vermarkter gefunden. Affiliate-Programme (in erster Linie Amazon) sind das dritte Standbein. Über meine vierte Idee möchte ich noch nicht sprechen. Und von der fünften Idee habe ich bis jetzt selbst noch keine Ahnung. Die besten Ideen kommen sicher erst im Laufe der Arbeit am Projekt.
Habt ihr Idee, wie sich eine populäre Seite zum Jakobsweg monetarisieren ließe? Ich bin gespannt auf eure Vorschläge!



Apr 29, 2010 @ 19:17:18
je nachdem wie sehr die seite in sich schlüssig und stimmig ist (sein wird, wäre ja denkbar, dass in bäle das paket geschnürt ist), könntest du das ganze sicher spasseshalber auch als app, sowie als e-book und – mit dem gebotenen ernst – als herkömliches buch anbieten.
mit der einbindung von ansehnlichen fotos ambitionierter fotografen könnte das projekt – vergütung vorausgesetzt – auch nach dem pilgern einen mehrwert liefern
… ich grüble weiter
Apr 29, 2010 @ 19:26:05
Ich würde auch den Naturschutz-Aspekt mit reinbringen.
Am Rande der Jakobswege dürften genug interessante Bereiche vorhanden sein, deren Erklärung/Hinweise dem Wanderer Mehrwert bieten könnte.
Apps klingen sind interessant, werden aber das Zielpublikum sicher nicht komplett erreichen. Hier dürfte die alte Wanderkarte/Reiseführer der bessere Weg sein.
Wer zu Fuß unterwegs ist, wird gerne was mitnehmen wollen.
Den PC lässt er sicher auch zu hause.
Also Website zum Vorab informieren.
Apr 29, 2010 @ 19:42:18
neulich kam ein interessanter bericht über den jakobsweg und dessen zunehmende touristische inwertsetzung im TV – mit einigen negativen tendenzen: so wehren sich mittlerweile aktiv einige gruppierungen vor ort entlang des jakobsweges gegen die steigende “möchtegern-pilgerer”, die mit bussen und gepäcktransport von ort zu ort gekarrt werden…. nur mal so als diskussionsbeitrag ohne wertung.
Apr 30, 2010 @ 08:17:34
Bild-Schlagzeile: “Atheist beutet Pilger aus!” ;)
Apr 30, 2010 @ 08:19:38
Bild-Schlagzeile: “Atheist weist Pilgern den richtigen Weg!”
Apr 30, 2010 @ 11:56:09
Gibt es auf dem Jakobsweg schon die Möglichkeit, seine Unterkunft im voraus zu buchen bzw. umzubuchen? Hier könnte man einzelne Anbieter/Herbergen/Hotels ansprechen und die Buchung dann über die Website abwickeln (mit entsprechender Buchungsgebühr).
Daneben wäre es vielleicht eine Idee, ein “Starterpaket” für Jakobspilger anzubieten? Darin liegt dann ein Buch, Karten, …
Um die Pilger weiter an die Seite zu binden, könnte man Ihnen ermöglichen, ihre eigenen Pilgerbilder und Erlebnisse auf der Seite zu veröffentlichen. Das könnte dann viele weitere Interessierte auf die Seite führen.
Mai 04, 2010 @ 09:30:08
Wie wär´s mit einem Ablasshandel? Z.B. eine Lüge = 10 KM Jakobsweg, die ich bei einem Pilger online kaufen kann. Sünde vergeben, Seele gerettet. Hat im Mittelalter prima funktioniert! Die Sünder finanzieren den Pilgern die Reise, die Pilger revanchieren sich, indem sie einen bestimmten Abschnitt der Reise jeweils einem bestimmten Pilger widmen. Müste natürlich noch ausgefeilt werden, aber das Grundprinzip funktioniert seit ca. 1.000 Jahren prima…
Mai 04, 2010 @ 23:13:04
Der Bodenseeradweg ist Mist… kannst ja das verdiente Geld in den Ausbau und Ausschilderung dieses verdammten Radwegs stecken.
Drück dir die Daumen das mit deinem Jakobosweg auf die Nase fliegst :-D Mit dem Glauben von Pilgern Geld machen zu wollen ist ne Schweinerei
Mai 27, 2010 @ 22:59:03
Ich würde anbieten den Jakobsweg mit Segways abzufahren. Zusätzlich werden
auf dem Segway Ipads montiert, damit für die Navigation & News zeitgemäß gesorgt ist. Die Webseite würde ich z.B: http://www.jakobsweg-segways-tours.de nennen. Mobiles Stromauto, falls mal der Strom knapp ab. Shuttle Service wie immer für die Koffer… Think different
Jun 06, 2010 @ 21:15:19
Ich würde vorschlagen, ein Punktesystem zur Bonifikation der Pilger einzuführen. Je nach Fortbewegung sich steigernd von Bus, über Pferd, Fahrrad, zu Fuß, bis hin zu barfuß und auf Knien. Ein solches dem Ablasswesen verwandtes Konzept stünde in guter alter Tradition. Ich denke, dass die Seite ablass.de auch noch zu haben sein wird.