Die IBT schadet dem Bodensee

Auf auf nationalen und auf internationalen Konferenzen, bei Tourismuscamps und bei Gesprächen an Hochschulen höre ich immer wieder, dass der Tourismusverband vom Bodensee als bestes Beispiel dafür genannt wird, wie man es nicht machen sollte. Als Beispiel dafür, wie politische Instanzen und einige touristische Unternehmen ihr Interesse an einer schwachen und untätigen Tourismusorganisation durchsetzen. Wie man seit Jahren darüber redet etwas zu ändern statt etwas zu ändern. Wie eine Region seit Jahren darüber redet ihre Position zu bestimmen statt sie zu beziehen. Wie durch Geschäfte mit Leistungsträgern aus dem privaten Freundeskreis gigantische Summen zum Fenster heraus geworfen werden für Dinge, die nichts taugen. Wie Fördergelder verbraten werden um bestehende Stellen quer zu finanzieren, die am Ende nichts anderes tun als den nächsten Fördergeldantrag zu stellen. Und überhaupt: wie man durch Fördergelder von diesen so weit abhängig wurde, dass die Kompetenz im Fördergeldantragstellen längt viel größer ist als die im Tourismus.

Seit knapp 10 Jahren bin ich selbst als Reiseveranstalter am Bodensee aktiv – anfangs als Gründer und Geschäftsführer, und seit einem Jahr nur noch als Gesellschafter. Von unseren etwa 10 Millionen Euro Umstatz geht das meiste direkt zu den Leistungsträgern in der Region. Allein in Konstanz bucht niemand auch nur annähernd so viele Übernachtungen in den Hotels wie wir – selbst die städtische Touristinformation produziert hier weniger Wertschöpfung als wir. Wir sind Marktführer als Radreiseveranstalter in Deutschland, und in noch keinem Jahr hatten wir weniger als 24% Umsatzwachstum.

Kurzum: der Laden läuft, und ich weiß wie Tourismus funktioniert.

Aber unser Geschäft am Bodensee läuft nicht etwa, WEGEN des hiesigen Tourismusverbandes, sondern TROTZ seiner unfassbar schlechten Arbeit.

Ich berichte an dieser Stelle in loser Folge über solche Beispiele. Denn als Touristiker wünsche ich mir einen Verband, der uns mehr nützt als schadet. Und als Steuerzahler erwarte ich, dass der Inkompetenz der IBT endlich ein Ende gesetzt wird.

Hier also ein weiteres Beispiel dafür, warum die IBT dem Bodensee mehr schadet als sie nützt:

Auf eure Kommentare freue ich mich. Da sich viele von euch nicht trauen werden ihre Kritik an der IBT offen vorzutragen, werde ich auch anonyme Kommentare stehen lassen.

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

12 comments

  1. Ja sehr berechtigte Kritik. Und man braucht auch keinerlei Ahnung von Usability um zu erkennen, dass diese Navigation nicht nur schlecht sondern unmöglich ist.
    Würde soweit gehen zu sagen, dass vielleicht 3 aus 10.000 Leuten das hinkriegt.. obwohl diese schon so gut sein müssen, dass sie sich das nicht antun und einfach gleich auf bikemap.net gehen. LOL ;)

  2. Die Länge des Video hat schon alles gesagt…!Schließe mich Christina an…

  3. ich hab mal bei google.ch nach „bodensee radweg“ gesucht. da kommt deine firma zuoberst, zwei mal. dann kommt wikipedia, an sechster stelle sogar myswitzerland.com und dann auch noch die hier erwähnte gps-tracks-seite.
    dieses resultat über diesen unterirdischen google rank von IBT sagt ja auch alles.

  4. Okay, da gibt es dann offensichtlich unterschiedliche Auffassungen zur Wichtigkeit von Radfahrern. Du hast auch ein paar schöne impossanten Zahlen genannt.

    Nur fehlt mir der Vergleich, das Verhältnis!

    Wieviel Prozent am Umsatz generieren die Radfahrer?

    Wieviele Übernachtungen sind es insgesamt in der Region? Und wo übernachten die Radler primär? In den Hotels oder doch vermehrt auf den günstigen Campingplätzen?

    Erzeugen sie auch den gleichen Nebenumsatz (Shopping, Kultur,etc)?

    Ich glaube Dir gerne, dass die Radfahrer ein Faktor sind, aber ich denke auch, dass Du (logischer- und verständlicherweise) zu sehr priorisierst!

  5. „Nachdenklich“, fast alle von dir genannten Zahlen haben wir, und ich werde sie auch veröffentlichen – muss sie jedoch zuerst aus den Erhebungen extrahieren.

  6. Hallo Nachdenklich!

    Es geht hier nicht um die Umsatzzahlen! Es geht um klare und einfache Informationsfindung. Und das Beispiel des Bodenseeradwegs ist nur die Spitze des Eisbergs! Wie lange soll sich denn der Bodensee noch positionieren? Andere Regionen machen das Geschäft und wir gehen 5 Schritte zurück… Mal sehen, ob wir am Ende des Positionierungspapiers den Bodensee neu erfunden haben…

  7. Hallo Peter, lieber „Nachdenklich“,

    also ich unterstütze Peters Beitrag gerne öffentlich.

    Vorab: Es geht hier wahrlich nicht um Umsatzzahlen, wobei der Radfahrer am See durchaus in der mittleren bis gehobenen Kategorie nächtigt und gute Nebenausgaben tätigt. Der Radfahrer am See ist wichtig für die Saisonverlängerung vorne und hinten raus (wie Peter schon sagt). Soviel zu Nachdenklichs Beitrag.

    Es geht aber um die extrem schlechte Präsenz des Sees im Web und nicht nur dort.

    Ich arbeite z.B. als private Agentur im Bereich Incoming in verschiedenen Projekten für Vorarlberg. Und da fand ich mich in einer Projektphase am Flughafen Friedrichshafen, in der es darum ging, für die Vorarlberger Destinationen (und darunter spielt der Bodensee touristisch gesehen eine untergeordnete Rolle!) die Ankunftssituation zu verbessern, regelrecht von der IBT angefeindet. Als würde ich die IBT konkurrenzieren, wurde eine Situation geschaffen, die ich heute noch nicht verstehe. Fast schon beleidigt war die IBT, dass das ganze nicht mit ihr als „Dachorganisation“ am See abgesprochen war. Aber Erstens: Die IBT macht schlicht weg KEIN Incoming für den See. Und das ist auch gut so. Denn generell tun sich öffentliche Tourismusorganisationen schwer eher mit Incoming-Geschäft. Zweitens: Ging es ja nichtmal um den See, sondern in erster Linie um die alpinen Regionen Vorarlbergs. Drittens ging es um Internationaliserung der Gäste und die IBT ist international kaum aktiv.

    Unverständlich, dass man am See nicht die privaten Incomer unterstützt anstatt sie laufend zu ignorieren.

    Selbst laut Lehrbuch sollten sich Destinationsorganisationen in den Kerngeschäften die stärksten Partnern der Region ins Boot holen. Die IBT aber verlinkt beim Thema Radfahren bzw. Bodenseeradweg auf komische, veraltete und falsche GPS-Tracks. Dabei befindet sich der größte Radreiseveranstalter Deutschlands in der selben Stadt! Irgendwas läuft hier schief, oder nicht?

  8. Holger, ich bin ganz deiner Meinung – nur in einem Detail muss ich dich korrigieren: die IBT verlinkt durchaus auch auf den Bodensee-Radweg Service.

  9. ok, sorry, hatte ich nicht gleich entdeckt… danke für die richtigstellung.

  10. Was für Pfeifen brauchen 6,4 Tage um den Bodensee zu umradeln? Ich schaff das in einem Tag und bin abends schon wieder daheim in meinem Bett.

  11. Rudis, du isst bestimmt auch ohne zu kauen…

  12. Hallo Nachdenklich! Es geht hier nicht um die Umsatzzahlen! Es geht um klare und einfache Informationsfindung. Und das Beispiel des Bodenseeradwegs ist nur die Spitze des Eisbergs! Wie lange soll sich denn der Bodensee noch positionieren? Andere Regionen machen das Geschäft und wir gehen 5 Schritte zurück… Mal sehen, ob wir am Ende des Positionierungspapiers den Bodensee neu erfunden haben…

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