Rosgartenmuseum

Heute war ich mal wieder im Konstanzer Rosgartenmuseum. Herrlich! Meine unbedingte Empfehlung an alle, die es noch nicht kennen oder schon lange nicht mehr dort waren. Hier sind vier spontane Eindrücke:

Die erste Stunde habe ich damit verbracht, im Modell von Konstanz spazieren zu gucken, das einer Federzeichnung von 1600 nachgebaut wurde und die Stadt darstellt, wie sie etwa von 1500 bis 1800 aussah.

In der Chronik des Konstanzer Konzils von Ulrich Richenthal von 1465 ist die erste bekannte Darstellung eines Fahrrads versteckt. Wer findet es?

Die Inventarliste des Konstanzer Rosgartenmuseums ist im Museum selbst ein Exponat. Das ist verdammt nah an der Russellsche Antinomie.

Denn: Wenn diese Inventarliste vollständig ist, dann verzeichnet sie sich selbst als eines der Ausstellungsstücke. Lasst sie uns Herrn Engelsing wegnehmen und lasst uns daraus ein Museum bauen, in dem lauter solche Inventarlisten aussgestellt sind, die sich selbst verzeichnen!

Dann kommt Herr Engelsing sofort auf die Idee alle (!) anderen Inventarlisten zu sammeln (die sich eben nicht selbst verzeichnen) um damit ein anderes Museum zu befüllen. Das Museum der Inventarlisten, die sich nicht selbst verzeichnen.

Weil dieses Museum nicht so spannend ist, wird es nur wenige Besucher anlocken. Herr Engelsing hätte also viel Zeit. Die er dazu nutzen könnte, auch von diesem Museum eine Inventarliste zu erstellen.

Wenn er mit dieser Inventarliste fast fertig ist, wird er sich fragen: muss sich meine Inventarliste eigentlich selbst auflisten?

Angenommen er würde sie nicht in sich selbst auflisten, dann wäre es eine Inventarliste, die sich nicht selbst verzeichnet. Also müsste sie in seinem Museum ausgestellt werden. Also müsste sie in der Inventarliste geführt werden.

Wenn sie sich aber selbst auflistet, dann müsste sie nicht in sein, sondern in mein Museum als Exponat gelangen. Weil sie dann in meinem und nicht in seinem Museum stünde, hätte sie sich aber nicht selbst auflisten dürfen.

Kurzum: Herr Engelsing hätte dasselbe Problem wie der Barbier, der alle Männer rasiert, die sich nicht selbst rasieren. Oder wie die Menge aller Mengen, die sich nicht selbst enthalten. Denn sie kann es genau so wenig geben wie die Inventarliste des Museums aller Inventarlisten, die sich nicht selbst enthalten.

Logisch gesehen schaut das so aus:

Und zum Schluss noch eines der weniger spannenden Exponate…

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

6 comments

  1. Jemand muss wohl im Matheunterricht aufgepasst haben :-) Tolle Enddeckung.

  2. Ich kann mit den Bodenseepetersteinen mehr anfangen als mit den wirren Gedanken eines fast-Philosophen und fast-Mathematiers (ätsch).

  3. P.S. Du meinst das Nasenfahrrad?

  4. … toller Artikel und schönes Nasenfahrrad. Das erinnert mich an eine Autofahrt mit Dir ;) lg

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