Eine Weihnachtsmarkt-Marketing-Geschichte

Weihnachtsmärkten kann ich nichts abgewinnen. Kalte Füße, zu viele Menschen pro Quadratmeter und zuckriger Glühwein sind nichts für mich.

Einzig die Erdbeer-Ananas-Schokospieße, also aufgespießtes und durch ein Milchschokoladenbad veredeltes Obst – das liebe ich.

In Konstanz gibt es auf dem Weihnachtsmarkt seit Jahr und Tag denselben Stand an derselben Stelle mit diesen Schokospießen.

Nur damals, als ich noch Student war, hatten sie dort zwar sowohl Erdbeeren als auch Ananas, doch die Kombination als Erdbeer-Ananas gab es nicht.

Herausforderung genug für mich zu fragen, ob ich nicht bitte einen haben könne.

„Nein, gibt’s nicht“

„Aber Sie haben doch Erdbeeren, Ananas und Milchschokolade. Machen Sie mir doch einfach einen.“

„Steht nicht auf der Karte, haben wir nicht.“

„Egal, ich bezahle auch mehr.“

„Nein. Wer ist nächster?“

An dieser Stelle ging es plötzlich nicht mehr nur um Obst und Schokolade, sondern um Ego und Ehrgeiz.

Darum kehrte ich ein paar Tage später wieder zurück und bestellte erneut und scheinbar ganz unwissend:

„Einmal Erdbeer-Ananas in Milchschokolade bitte.“

„Gibt’s nicht.“

„Was? Das gibt’s doch überall. Ich komme gerade aus Karlsruhe, dort verkaufen die fast nichts anderes. In Freiburg ebenso. Und sie haben das wirklich nicht? Na gut, dann esse ich lieber gar nichts. Tschüss!“

Gesagt, gegangen.

Und zuhause habe ich alle meine WG-Kollegen, Kommilitonen und Freunde instruiert: Geht bitte dort hin, fragt nach Erdbeer-Ananas, das wird’s nicht geben, und dann tut total erstaunt und murmelt, dass es das doch überall gebe und dort fast nichts anderes gegessen werde!

Ein paar Tage später, als ich wieder auf dem Weihnachtsmarkt war und an dem Stand vorbei gehen wollte, sah ich den Bruder einer Freundin, ich ging näher ran und hörte, wie er – den ich selbst nie gesprochen hatte – fragt, ob es Erdbeer-Ananas-Spieße gebe.

Wow, das Ding kommt tatsächlich ins Rollen, dachte ich mir, und ich ging weiter.

Ein Jahr später, als ich diese Geschichte längst vergessen hatte, war plötzlich wieder Weihnachtsmarkt. Ich schlenderte am ersten Tag kurz nach Eröffnung mit Freunden über den Platz, als ich das vergessene Schokohäusle sah und an meine Geschichte dachte.

Als ich näher kam, entdeckte ich zu meiner großen Überraschung: es gab tatsächlich Erdbeer-Ananas-Spieße.

Wow, mein Ego war gerettet, mein Ehrgeiz war befriedigt.

„Hallo, ich bins…“

„Ja und, was wollen Sie?“

„…also ich möchte einen, also meinen…. Erdbeer…. Ananas…. Spieß in Milchschokolade“

Zu meiner größten Verwunderung antwortete der Typ, dem ich ohne sein Wissen zu einem Bestseller verholfen hatte:

„Sorry, sind schon ausverkauft“

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

2 comments

  1. Ist es wahr ? Ist das ein Problem !!?? Hast du wirklich nix anderes im Kopf ?? Woanders haben Leute weder Ananas noch Erdbeeren (im Winter ???) noch Schokolade noch sonstwas zu futtern. Da wünsche ich dich einfach mal hin, eine Woche dürfte genügen. Kommt auf den Fußboden und laßt die Kirche im Dorf und denkt und tut was Sinnvolles, liebe Mitbürger !!

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