OB und Landrat gleichen in der Öffentlichkeit ihre Geräte ab

Konstanz hat ihn nun also. Und zwar den allerersten.

Den was?

Den ersten GPS-Referenzpunkt des Landes.

Den was?

Also eine Plakette im Boden, auf der steht, wo man sich gerade befindet.

Auf der also steht:  „Sie sind hier“

So liest sich der zugehörige Pressetext, den ich eben erhalten habe, und von dem ich auch nach einem dritten Lesen nicht erkennen kann, ob wirklich das Landratsamt oder nicht vielleicht doch der Postillon dahinter steckt.

Das Landratsamt schreibt dazu:

Seit kurzem gibt es beim Landratsamt auf dem Benediktinerplatz in Konstanz die Möglichkeit, genau zu erfahren, wo man sich befindet.

Wow!

Im Anschreiben steht darüber hinaus:

Es ist außerdem geplant, entlang des Radweges an der alten Rheinbrücke
sowie an der Fahrradbrücke Hinweisschilder anzubringen, welche auf den
weniger Meter entfernten Punkt aufmerksam machen.

Ah toll.

Also Schilder, die mir den Weg zu einem Schild weisen, auf dem dann steht, dass ich mich „hier“ befinde.

GPS Referenzpunkt LRA KN Bild LR und OB Stadt KN.pdf.jpg-1

Dafür gibt es also Geld.

Für die Behebung der mangelhaften Ausschilderung der Radwege in Konstanz hingegen gibt es keine hundert Euro mehr. Das haben mir der Oberbürgermeister und sein Baubürgermeister eben noch bedauernd versichert.

Foto: Pressestelle Landratsamt Konstanz
Fototext laut Pressestelle: OB Uli Burchardt (links) und Landrat F. Hämmerle beim Abgleich ihrer Geräte.

PS: Klartext: Auf dem Punkt stehen dessen GPS-Koordinaten. Damit kann man kontrollieren, wie genau das eigene GPS-Gerät an genau dieser Stelle die Koordinaten darstellt. Also im Wesentlichen wie stark die umgebenden Häuser das Signal abschwächen. Nutzen? Keiner. Und mit einem iPhone 5 schon gar nicht.

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

10 comments

  1. Bleibt nur zu hoffen, dass der Referenzpunkt nicht auch mit dem iPhone eingemessen wurde. Denn dann stellt demnächst sicher jemand fest, dass der Punkt um ein paar Gradsekunden abweicht und Konstanz doch nicht der Nabel der GPS Welt ist.
    Und für das Geld, dass diese Aktion gekostet hat, wären sicher ein paar schöne Radwege Schilder möglich gewesen.

    • Bleibt eher zu hoffen, dass die Koordinate korrekt auf der Platte ist und nicht wie in der Pressemitteilung vom Landkreis Konstanz Nord- und Ostwerte verwechselt wurden. Die 47° müssten in nördlicher Richtung sein.
      Davon abgesehen weicht der Punkt jedes Jahr um 2,5cm mehr von der Koordinate ab solange diese nicht in ETRS89 angegeben ist.

      Koordinatenangaben gehören eigentlich (zusätzlich zu den nichtssagenden Schildernummern) auf die normalen Wegweiser gedruckt damit man den eigenen Standpunkt auf einer Karte findet und eine präzise Angabe hat wenn es darauf ankommt. GPS ist nämlich nicht verlässlich genug wenn es beispielsweise gilt Rettungsdienste präzise in ein großes Waldstück zu lotsen.

  2. Ich schmeiß mich weg! Könnte aber auch hier in der Gemeinde (Willich NRW) sein…

    Man wünschte sich, Politiker würden gerade vor Fototerminen informieren über die Sinnhaftigkeit ihres Tuns.

    Hier in MG hängen momentan Plakate des Spitzenkandidaten der CDU rum, auf denen er mit wichtiger Miene vor einem Tablett sitzt, mit einem Füller (!) in der Hand…

    Als Radtourist in der Bodenseeregion wünschte ich mir auch eine Optimierung der Beschilderung. Man hat als Auswärtiger manchmal das Gefühl, Konstanz liegt garnicht am Bodenseeradweg…

  3. In Bayern wird der Schwachsinn auch noch mit System betrieben:

    „Jeder bayerische Landkreis wird in den nächsten zwei Jahren einen öffentlichen GPS-Referenzpunkt erhalten.“

    … und warum? Natürlich um ganz nah an der Wählerbasis zu sein, den Geocachern :-D …

    „[…] die moderne Schnitzeljagd mit dem GPS-Gerät, das sogenannte Geocaching, werde damit bereichert. Eltern würden dies heute mit ihren Kindern zu einem Erlebnis- oder Abenteuerspaziergang gerne nutzen. Daher wird die Bayerische Vermessungsverwaltung in den kommenden Jahren flächendeckend öffentliche Geodätische Referenzpunkte errichten.“

    (Quelle: http://www.bayern.de/Pressemitteilungen-.1255.10439284/index.htm)

  4. Erklärtste mir das mit dem iPhoine 5? Hat das kein GPS? (duck) (Nein, im Ernst, wieso nützt es da nix?)

  5. In unserer Gemeinde werden im Rahmen eines EU-Förderprogramms Stelen mit QR-Codes aufgestellt, die dann zu einem Video über den Ort verlinken. Problem nur: Es gibt an diesen Orten meist keinen Mobilfunkempfang geschweige denn Datenübertragungsraten, mit denen man ein Video übertragen/streamen könnte.

  6. Ich find die Schuhe nicht schön … aber WTF ist gut, haha, da ist der Längengradmesser drin!

Kommentar verfassen