Ode an meinen Audi

Ich habe einen neuen Audi. Einen A6 Avant 3,0 TDI Biturbo mit allem Drumunddran. Und weil dieses Drumunddran so viel mehr ist, als ich für möglich gehalten hatte, muss ich an dieser Stelle einfach mal Danke sagen für so viel tolle Technik.

A6 Avant-1

Here we go!

Vorsprung durch Poesie

Mein Audi kann Rilke.

Im bordeigenen Handbuch steht nämlich genau beschrieben, wie mein Audi Wassertränen für mich beseitigt.

Wassertränen!

Was für ein schönes Wort. Mein Audi steht mir also nicht nur bei, wenn es regnet, sondern auch wenn der Himmel richtig weint. Durch ein sanftes Nachwischen.

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Selbst „Nachwischen“ klingt so zart wie die Ledersitze weich sind.

Mehr als ein Auto

Mein Audi kann schwimmen.

Von den gefühlt 700 Schaltern im Cockpit stehen einige auf der Position „Auto“. Im Stand und einmal sogar mit laufendem Motor habe ich ausprobiert, was geschieht, wenn ich einen davon umschalte. Also Auto ausschalte. Der Motor jedenfalls lief weiter, und auch sonst habe ich nichts bemerkt.

Bei voller Fahrt hingegen traue ich mich nicht an diese Schalter.

Denn die Kiste fährt ja schneller als mein Flugzeug fliegt. Echt jetzt. Es steht 266 gegen 250.

Ich meine, würdest du etwa im Flugzeug bei 10.000 Fuß über Grund einen Schalter bedienen und von „Flugzeug“ auf… sagen wir… „Auto“ umschalten und dir dabei im schlimmsten Fall die eigenen Flügel wegknipsen? Also ich gewiss nicht.

Erst das bordeigene Handbuch gibt indirekt Aufschluss darüber, ob dem Audi plötzlich Flügel wachsen, wenn man den Schalter dreht, oder etwa ein Periskop oben rauskommt.

Denn wo andere Fahrzeuge mitschwimmen, da kann es sich nur um ein Schiff handeln – auch wenn das am Schalter selbst diskret verschwiegen wird.

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Sobald also das nächste Mal die Wischer mit den Wassertränen zu viel Mühe haben, werde ich es wagen: ich gebe mit dem bordeigenen „Launch Control“ für extraschnelles Beschleunigen Vollgas in der Pfütze, und sobald das Aquaplaning beginnt, drehe ich von Auto auf Schiff.

Ich werde euch dann von der Überfahrt berichten. Ahoi!

Voller Facetten. Augen.

Mein Audi hat mehr Augen als eine Spinne.

Wenn ich rückwärts fahre, dann schaut mein Audi über meine Schultern nach hinten. Und wandelt den Lenkeinschlag in gemalte Schienen um, auf denen ich sicher einparken kann.

Wenn ich vorwärts lenke, dann schaut er für mich mit seinen Stilaugen ganz vorne schonmal um die Ecke, ob auch wirklich alles frei ist.

Wenn ich geradeaus fahre, dann schaut er mit seinen Infrarot-Augen für mich durch Nacht und Nebel, sucht nach Menschen und Schweinen und warnt und bremst gegebenenfalls sogar für beide. Sollte jemand meinen Weg kreuzen, dann blinken die scharfen LED-Leuchten von alleine drei Mal auf und scheuchen, bevor die Bremserei beginnt.

(Frage an Juristen: bekommt mein Audi dann wegen Nötigung Probleme?)

Will ich mit Fernlicht fahren und denke mir „Ach, der ist ja eh gleich vorbei“, dann blendet mein Audi für mich ab und wünscht dem Gegenverkehr einen schönen Tag und eine sichere Fahrt.

Außerdem liest er mir alle Verkehrsschilder vor und merkt sie sich. Durch geschickte Darstellung nebeneinander von Soll- und Ist-Geschwindigkeit diszipliniert er mich als zahlenästhetischen Mathematiker mit diesem Psychotrick gnadenlos zum konsequenten Einhalten der Geschwindigkeit.

Während ich geradeaus blicke, schaut mein Audi für mich mit seinen Ultraschall-Augen in alle seitichen Winkel – vor allem in die toten. Und falls da was lebt, dann warnt er mich davor.

Wenn ich mal wieder durch das riesige Panorama-Glasdach Flugzeugen nachschaue (die ich natürlich unten überhole) und dabei die Spur nicht halte, dann schaut mein Audi für mich auf die Straße, erkennt die Linien, beginnt zuerst zu zittern und dann für mich zu lenken, damit mir nichts passiert.

Wenn ich dem vorausfahrenden Verkehr zu nahe komme, dann sieht mein Audi das für mich mit seinen Radar-Auge, rechnet Entfernung und Geschwindigkeiten zusammen und bremst für mich sanft ab. Zur Not sogar unsanft.

Und selbst wenn ich mal so tue, als würde ich ihm mit dem Fuß in den Hintern treten, dann sieht er das und öffnet mit einer kleinen Verbeugung ergeben die Heckklappe für mich.

Ausweichen aufweichen

Mein Audi ist ein Menschenfreund. Wenn ich dem Handbuch Glauben schenke, dann ist es praktisch unmöglich jemanden damit zu überfahren.

Doch wenn man die Mittelarmlehne hochklappt und ganz nach unten greift, dann ist dort ein kleiner Knopf versteckt, auf dem steht „Amok“.

Drückt man ihn, so werden Vorzeichen gewechselt. Die rot markierten Fußgänger leuchten plötzlich magnetisch grün. Launch Control launcht sich von alleine und übernimmt die Kontrolle des Gaspedals. Der künstlich erzeugte V8-Sound wird für unbemerktes Anschleichen des Sechszylinders ausgeschaltet. Das Licht dimmt sich und nur die Infrarot-Augen leuchten ungesehen.

Während sich der Audi mit Allrad in Richtung der Menge katapultiert, fahren im Cockpit sanft die Hochtöner von Bang & Olufsen aus, klassische Musik erfüllt den durch Doppelverglasung gedämmten Raum des Quattro quadrofonisch, und die Massagesitze kraulen dem Fahrer zärtlich den Rücken auf dessen Weg ins Verderben.

Nicht.

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

2 comments

  1. Ach, diese Mehrfachblitze sind automatisch? Ich hatte vor zwei Tagen das „Vergnügen“, von einem nachfolgenden A6 damit bedacht zu werden, weil ich es wagte, die Geschwindigkeit am Anfang der 60-Begrenzung zu verringern. Danach war ich mehrere Sekunden im Blindflug unterwegs. :-(

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