Wifi-Passwort als Gesprächsanlass

Eben war ich im Voglhaus, meinem Lieblingscafé, wo ich ein Buch zuende las.

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Beim Bestellen meines Kaffees an der Theke kam ich mit dem Barista ins Gespräch. Ich beklagte mich mal wieder darüber, dass es noch immer kein Wlan im Café gebe, zumal durch seine Lage in einem alten Haus auch fest keinen Daten-Empfang für Handys gibt.

Genauer sagte ich:

Ich komme gerade aus Schweden, wo ich eine Woche lang in Cafés saß und dort gearbeitet habe.

Alle haben sie ein kostenloses und mit nur einem Klick zu erreichendes Wlan. Das ist gut.

Andererseits muss man dort fast überall dafür bezahlen, wenn man auf die Toilette geht. Das ist schlecht.

Wenn ich es mir recht überlege, dann ist mir das Wlan wichtiger als das Klo.

Darauf bekam ich zur Antwort, dass man sich im Voglhaus bewusst gegen ein Wlan (für die Gäste, wohlgemerkt, denn das Kassensystem benutzt längst eines) entschieden habe. Weil man nämlich unterstützen wolle, dass in einem Café kommuniziert werde.

Nunja…

An den Wänden hängen lauter Zeitungen, die das Café mehr Geld kosten als ein Wlan, und in denen nur die News von gestern stehen. Außerdem schirmt mich eine quadratmetergroße Zeitung gewiss mehr vom Gespräch mit meinen Sitznachbarn ab als mein Handy, Tablet oder Notebook.

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Außerdem, so wollte ich dann wissen, stehe an der Wand groß “Lesen schadet der Dummheit” – und ich sei mir einem Buch ins Café gekommen – ob sie mir das nun unterbinden wollen. Schließlich wolle ich lesen und nicht sprechen.

Die Antwort… sagen wir… sie hat mich nicht ganz überzeugt.

Darauf schlug ich vor:

Ändert doch ab und zu das Passwort. Wer er erfährt, der bekommt ein kleines Fähnchen, dass er sich auf den Tisch stellt. Es gibt nur ein solches Fähnchen, und wenn es ausgegeben wurde, dann verraten die Angestellten das Passwort nicht mehr, sondern man muss es sich beim Fähnchenträger erfragen – und bekommt dann das Fähnchen.

So kommt das Café wegen der neuen Regel ins Gespräch, und vor allem die Gäste untereinander.

Was haltet ihr von dieser Idee?

Ich bin nun gespannt, ob das Café diesen Vorschlag begründet nicht umsetzt oder stillschweigend ;)

Update am 1.3.14 mit der impliziten Bestätigung, dass manche Menschen gerne auch digital kommunizieren:

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.
  • Thorben

    Super, Peter! Könnte von mir sein ;-) Echt sehr schöne Idee!

  • Juliane

    Ich mag das Voglhaus, aber wenn sie für das Kassensystem ohnehin schon W-LAN nutzen, es für die Besucher allerdings aus den genannten Gründen nicht zugänglich machen, finde ich das schon etwas übertrieben erzieherisch. Finde Ihre Idee konstruktiv und kreativ und fände es cool, wenn die Idee umgesetzt würde! Es stimmt ja, viel zu oft ist man zu gehemmt, um ein Gespräch anzufangen. Wenn es sich mal nicht vermeiden lässt, freut man sich aber meistens hinterher und denkt sich, warum man das nicht öfter macht. Schöne Webseite übrigens! Gruß!

  • http://hoomygumb.com/ Jay F Kay

    Ich denke das größere Problem dürfte die rechtliche Situation in Deutschland sein. Die Herrschaften aus Berlin sind ja nicht unbekannt dafür, dass Sie Innovationen (auch wenn WLAN nicht wirklich neu ist) zu verhindern wissen. Könnte mir vorstellen, dass sich das Vogelhaus einfach nur sträubt eine Hotspot-Software zuzulegen und zu verwalten.

    Deine Idee finde ich grundsätzlich klasse, auch wenn ich der Meinung bin, dass sehr introvertierte Personen dann lieber ohne WLAN-Schlüssel ihren Kaffee oder Tee trinken, als wildfremde Menschen wegen einem freien Internetzugang anzusprechen.

    Skandinavien ist uns in Sachen Kommunikation eh weit voraus, aber das ist ein anderes Thema. Grundsätzlich habe ich kein Problem damit für WLAN etwas zu bezahlen. Allerdings nur, wenn die Preise akzeptabel sind und die Verbindung wirklich gut ist. Leider sind sie das erfahrungsgemäß meistens nicht. Für den Toilettengang bezahle ich auch gerne einen Obolus, erwarte dann aber eine tiptop gereinigte sanitäre Anlage. Letzteres erwarte ich eigentlich in Gastronomiebetrieben immer, aber auch hier scheint meine Erwartungshaltung manchmal etwas zu hoch zu sein.

  • http://www.aufundab.eu Sven G.

    Ich würde das Passwort ja twittern ;-)

  • oliverg

    Du willst wirklich alle 5 Minuten beim Arbeiten unterbrochen werden? Da gehen dir ja 2-3 Firmenideen hopps ;)

  • Muse 2.0

    Ich mag es auch nicht, wenn man mir vorschreiben will, was ich zu tun habe. Es gehen so viele Leute in ein Café mit einer Zeitschrift oder nehmen sich dort eine Zeitung und lesen sie oder bringen gar ein Buch mit… Und was ist mit diesen Paaren, die sich die ganze Zeit anschweigen? Müssen die dann wieder gehen? :-) Ich hätte kein Problem damit, das Fähnchen auf dem Tisch zu haben oder jemanden anzusprechen, der das Fähnchen hat. Als Voglhaus würde ich das gleich mal ausprobieren. Gute Idee!