Flaschenpost mit Happy End

Als ich vor ein paar Tagen mit zwei Freunden auf dem Untersee segeln war, da ist mir kurz vor dem abendlichen Anlegen eine im Wasser treibende Weinflasche aufgefallen. Direkt vor dem Schloss Gottlieben.

Da ich gerade am Ruder stand, schlug ich vor, dass wir noch kurz ein Mann-über-Bord-Manöver üben könnten, um dabei die Flasche aus dem See zu fischen. Er soll ja sauber bleiben, unser Bodensee.

Gesagt, getan. Wende in den Wind, Boot an der Flasche gestoppt, Flasche an Bord gebracht. Schulbuchmäßig!

Doch die Überraschung war groß, als wir erkannten, dass es sich nicht nur um eine Flasche handelte, sondern um eine echte Flaschenpost.

Die Spannung war natürlich riesig zu lesen, was da so drin stand.

Eine Flaschenpost kannten wir alle nur aus Erzählungen, niemand von uns hatte je eine gefunden und gelesen.

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Gleich nach dem Anlegen am Steg öffneten wir also die Flasche und zogen einen Brief heraus. Ein Blatt A4, beidseitig mit Tinte beschreiben.

Kurz gesagt war das ein anonymer und zugleich ein sehr persönlicher Brief.

Lieber Finder, liebe Finderin dieser Flaschenpost…

danke, dass Du Dir die Mühe gemacht hast und meine Post herausgeangelt hast. Ich nehme mir jetzt einfach mal die Freiheit und duze Dich, ich finde das einfach herzlicher, und in einer Welt, die von Konsumdenken und Profitwirtschaft bestimmt wird, kann so ein bisschen Herzlichkeit sicher nicht schaden.

Die Absenderin macht sich dann Gedanken über die Herausforderung, einen persönlichen Brief an eine unbekannte Person zu schreiben. Und sie stellt sich vor, was für eine Person das wohl sein könne, die den Brief nun lese. Dann wird es allgemeiner.

Der Sinn des Lebens – ist leben.

Sie kennt also Julia Engelmann. Oder Casper. Oder hat den Sinn des Lebens selbst erkannt. Sehr sympathisch jedenfalls.

Und gleich nach den Gedanken um den Sinn des Lebens schreibt sie:

Ich sollte mehr Fahrrad fahren.

Spätestens hier hatte sie mich. Und ganz am Ende der Flaschenpost stellt die Autorin uns noch eine Aufgabe:

Sag einer Person aus deinem Umfeld, was du besonders an ihr magst, dass du sie gern hast, irgendwas nettes. Vielleicht nicht der Person, der du das des öfteren sagst.

Herzliche Grüße,

die Flaschenpostschreiberin

Wer das im Detail nachlesen möchte, hier sind Vorderseite und Rückseite des Briefes.

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Spätestens an dieser Stelle (und es waren noch keine 4 Minuten vergangen) hatten wir beschlossen, dass wir die Flaschenpostschreiberin unbedingt kennenlernen wollten. Wir, das waren Jan der Skipper, Gesine die Analytikerin und Peter der Rudergänger.

Ich nahm die obigen Fotos mit dem iPhone auf und versprach meinen beiden Mitseglern, dass wir die Flaschenpostschreiberin binnen 24 Stunden gefunden haben würden. Schließlich wisse ich, „wie Medien gehen“.

Den Mund so voll genommen, verbrachte ich die folgenden 30 Minuten damit ein paar Beiträge auf Facebook zu veröffentlichen sowie zwei Emails zu schreiben und darüber diesen Sonnenuntergang am Konstanzer Schänzle zu verpassen.

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Ich bin Admin einer Seite über Konstanz auf Facebook, und dort veröffentlichte ich mit meinem iPhone schnell diese kleine Meldung:

Konstanz

Diese Seite hat 14.000 Fans, also zwar eine relevante, aber keine riesige Reichweite.

Dieselbe Meldung stellte ich (mit hochauflösenden Fotos) noch auf meinen Blog.

Dann schrieb ich zwei Emails:

Das erste Email ging an die lokale Tageszeitung, den Südkurier. Genauer den Leiter der Lokalredaktion (solche Email-Adressen muss man natürlich immer parat haben). Ich bot die freie Verwendung der Bilder (darum hoch aufgelöst auf meinem Blog) an, falls sie darüber eine Geschichte machen wollen würden. Rückfrage sei nicht nötig, eine Nennung meines Blogs wäre nett (dafür richtete ich die „schöne“ URL bodenseepeter.de/flaschenpost ein), aber keine Bedingung.

Kurzum, ich versuchte es der Zeitung so leicht wie möglich zu machen etwas über den Brief zu schreiben.

Und das Resultat am nächsten Tag war dieser Artikel (online ist er hinter der Bezahlschranke…).

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Die zweite Email sendete ich an den Admin der Facebook Bodensee-Seite von bodensee.de, also dem Schwäbischen Verlag. Dort sind durch den Zusammenschluss mit einer lange still gelegenen anderen Facebook-Seite immerhin knapp 150.000 Fans, wenn auch mit verhältnismäßig weniger Interaktion.

Ich bot an, dass die Meldung gerne mit Copy & Paste nativ gepostet werden könne, über ein Teilen meines Posts würde ich mich allerdings auch freuen.

Ich bekam wenige Minuten später die Antwort, dass mein Beitrag geteilt sei.

Als dritte „Aktion“ schrieb ich denselben Beitrag noch in die Facebook-Gruppe Verschenk’s Konstanz, die in ihrer Reichweite mit 25.000 Konstanzern weit besser ist als in ihrer grammatikalischen Benennung.

Und dann ging die Post ab!

Noch am selben Abend hatte mein Beitrag über 100.000 Leser gefunden, und am nächsten Tag, als der Artikel auch im Südkurier erschien, waren es:

  • über 200.000 Mal gelesen
  • über 1.500 Mal geteilt
  • über 1.200 Likes
  • über 100 Kommentare

Und nach wenigen Stunden kam schon der erste „sachdienliche“ Kommentar. So wie damals bei Aktenzeichen XY:

Peter_Eich

Johanna hatte dieselbe Flasche mit demselben Brief also um 9:45 aus dem Wasser gefischt, mit in die FH genommen und um 18 Uhr dort wieder ins Wasser geworfen.

Zwei Stunden später und vier Kilometer weiter seerheinabwärts war sie dann bei uns.

Und unter den 150.000 Facebook-Fans von bodensee.de meldete sich am Abend eine Frau, die meinte die Handschrift ihrer Freundin im Brief zu erkennen. Sie schrieb dieser Freundin, und kurze Zeit später hatte sich die geheimnisvolle Flaschenpostschreiberin tatsächlich bei mir gemeldet:

 

Stefanie_Matt_-_Messages

Am nächsten Tag – und das war gestern – haben wir uns dann kurzerhand alle vier zum Abendessen getroffen und kennen gelernt.

Wir staunten nicht schlecht, dass wir alle keinen Steinwurf voneinander entfernt wohnen, dass der Brief der Flaschenpost praktisch unter meinem Fenster geschrieben wurde, und dass wir einen so schönen Abend zusammen hatte.

Peter der Rudergänger, Steffe die Flaschenpostschreiberin, Jan der Skipper und Gesine die Analytikerin.

Peter der Rudergänger, Steffi die Flaschenpostschreiberin, Jan der Skipper und Gesine die Analytikerin.Wir sind Freunde geworden!

Und vor allem: wir sind Freunde geworden!

 

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

3 comments

  1. Ich habe schon vor einigen Tagen die Suchanfrage in FB gesehen und bin jetzt über dieses „Happy End“ gestolpert. Danke für das Öffentlichmachen Eurer Geschichte! Genau durch solche Erlebnisse wird das Leben erst so richtig lebenswert – und das auch schon nur beim darüber lesen, ohne dabei gewesen zu sein!!

  2. Was eine tolle Geschichte, einfach herzerwärmend!

  3. Hach, wie ich diese Geschichten liebe! Ein ganz zauberhafter Flaschenbrief und eine wunderbare Art, wie ihr damit umgegangen seid! :-)

    Und es ist ein tolles Beispiel dafür, wie ein so anachronistisches Kommunikationsmittel wie die Flaschenpost und die neuen Medien zusammenspielen, wenn man ideenreich damit umgeht! Klasse!

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