Wir können alles. Außer Schneckentempo.

Ein Besucher von mir bemerkte kürzlich, das Gute an der Stadt Konstanz sei, dass man so schnell von ihr weg komme.

Dies ist jedoch nur dann richtig, wenn man in Richtung Schweiz abhauen will.

Wer jedoch nach Norden und damit nach Deutschland möchte, der muss entweder in Deutschlands peinlichstem Bahnhof einsteigen und mit einer Bummelbahn über die Sieben Berge des Schwarzwaldes trödeln. Oder aber mit dem Auto erstmal eine Stunde lang im Stau stehen, bis er die Stadt verlassen hat.

Die einzige vierspurige Straße aus Konstanz raus ist nämlich nur 30 Meter lang, heißt Tabor und ist die Fähre, die einen vom Rückstau am Hafen zum Stau auf der anderen Seeseite bringt.

Immerhin hat man innerstädtisch schon 1975 die vierspurige Schänzlebrücke gebaut, die dann ab 1980 ohne jede Auffahrt erstmal so da stand. Darum ist sie auch eine der berühmten Soda-Brücken Deutschlands. Erst 1983 wurden zwei ihrer vier Spuren provisorisch an das Straßennetz angeschlossen. Und weitere 27 Jahre später wurden auch schon die anderen beiden Spuren mit Auffahrten versehen.

Man sieht schon, Konstanz trägt seinen Namen zu Recht.

Doch am 17. November 2015 war es endlich soweit. Die politische Prominenz kam an den See und ließ sich für den tatkräftigen Spatenstich ablichten. Ein paar Tage später bin ich dann mal ans andere Ende der unendlichen Baustelle geschlichen und habe zuerst fotografiert und dann ein wenig gerechnet:

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Die Baustelle ist 3,2 Kilometer lang. Und sie begann am 17. November 2015. Fertigstellung ist für Dezember 2020 geplant. Das ist eine Bauzeit von 5 Jahren. Oder von 1.839 Tagen. Oder von 43.800 Stunden.

Kommt jetzt am Ende der Jahrzehnte langen Untätigkeit etwa so etwas wie Bewegung auf?

Schauen wir uns die gemeine Weinbergschnecke an. Sie ist das Sinnbild für langsame Bewegung und kriecht in einer Minute etwa 7 cm weit.

Oder in einer Stunde 4,20 Meter.

Für eine Strecke von 3,2 Kilometer braucht unser Symbol der Langsamkeit also einen Monat und 45 Minuten.

Das ist… und jetzt bitte einmal dramaturgisch trocken schlucken… genau 57 Mal schneller als wir hier unten eine Straße bauen.

Schneckentempo wäre also eine 57-fache Übertreibung.

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

2 comments

  1. Ein Grund warum ich den See wieder verlassen habe, es gibt nur den Sommer, der dann von Touris überfüllt ist und wenn man selbst woanders hin will, kommt man nur in die Schweiz, von dort kommen aber ständig die Schweizer mit denen man bei deren Ausreise auch ewig waren muss, bis alles verzollt ist.

  2. Neben sehr viel Zeit, Nerven und Geld/ Aufwand fur blöd rumwarten fließt nun auch noch sehr sehr viel Steuergeld über Jahre in die Beton & und Asphalt Lösung aus den 1970ern … um mit ziemlicher Sicherheit den heutigen Baustellenstau nach Fertigstellungdirekt ins Stadtgebiet zu importieren. Supi, toll gemacht!
    Smarte und nachhaltige Lösungen mit Technologien aus 201x – Fehlanzeige!
    Was könnte schon heute eine einzige intelligente Ampelsteuerung bei Hegne alles bewirken

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