OSM

10 Argumente für die Openstreetmap

Frank Sauter hat ein kleines und feines Tool geschrieben, mit dem man stufenlos zwischen der Kartenansicht in Google-Maps und in Openstreetmaps hin- und herblenden kann.

Einerseits gibt es noch etliche Gegenden, in denen die von Google verwendeten Karten besser sind als die Openstreetmap.

Andererseits gewinnt die Openstreetmap aber sehr viel schneller an Fahrt als die Kartengrundlage von Google. Darum ist es nur eine Frage der Zeit, wann die OSM auch qualitativ die beste aller online erhältlichen Karten ist. Diese Dymanik haben viele noch nicht verstanden. Darum habe ich mich ein wenig in der Welt umgesehen und nach Flecken gesucht, in denen die OSM besser ist als die Karte von Google.

Hier sind zehn weltweite Argumente für die Openstreetmap:

1. Berlin

Meine Hautpstadt ist bei Google (=links) für Autofahrer hinreichend gut gemappt. Die Gruppe der OSM-Freunde in Berlin hat aber ganze Arbeit geleistet (=rechts). Hier sind nicht nur alle Fußwege durch den Tiergarten gemappt, sondern auch Umrisse und Namen der wichtigen Gebäude im Regierungsviertel.

Ein Klick auf die Karte führt (bei allen Karten) zum transparenten Vergleich mit dem Schieberegler.

2. Buonos Aires

Die Hautpstadt Argentiniens mit ihren 13 Millionen Einwohnern ist bei Google eine weiße Fläche, in der OSM hingegen scheinbar vollständig erfasst.


3. Cusco

Die alte Hauptstadt des Inkareichs liegt in Peru. Zumindest in der Openstreetmap, denn Google kennt sie gar nicht.

4. Hanoi

Vietnams Hauptstadt besteht bei Google nur aus den Hauptstraßen, während die OSM immerhin “einige” Straßen erfasst hat.

5. Islamabad

Die Hauptstadt Pakistans ist bei Google nur die Kreuzung zweier Straßen, während OSM sogar die schönen Gärten kennt.

6. Kapstadt

Die wichtigste Stadt Südafrikas ist bei Google nur rudimentär erfasst – außer den großen Straßen ist nichts drin. In der OSM hingegen finden sich so gut wie alle Details.

7. Karsruhe

In Karsruhe leben viele Nerds. Und viele Kartografen. Diese Mischung macht’s, denn Karsruhe war eine der ersten in der OSM vollständig erfassten Städte. Und heute ist der Detaillierungsgrad in der OSM sehr weit vor dem von Googles Karte.

Im Schlosspark zum Beispiel ist jeder Weg erfasst, die Gebäude haben Umrisse, und selbst die Recycling-Tonnen sind gemappt.

8. Nikosia

Die Hauptstadt der Republik Zypern steht unter Kontrolle der Blauhelme. Google kennt sie leider nicht, wohingegen die OSM jede Gasse erfasst hat.

9. Reykjavik

Die nödlichst gelegene Hauptstadt der Welt ist auf der Karte von Google ein weißer Fleck. Die Openstreetmap hingegen kennt sich auch in Island aus.

10. Tiflis

Die Hauptstadt Georgiens kommt momentan täglich in den Medien vor – ganz anders als auf der Google-Map. Die OSM kennt wenigstens die wichtigsten Straßen der georgischen Hauptstadt.

Wallhausen goes OSM

Nachdem DiBoBo-Freund Bronski Wallhausen per GPS abgewandert ist und seine Resultate in die Openstreetmap hochgeladen hat, ist es nur noch eine Frage von wenigen Tagen, bis Wallhausen in der OSM detailliert angezeigt wird.

Bin schon gespannt auf deine Vorführung von JOSM beim nächsten Treffen, Christoph. Hoffentlich wird das OSM-Virus weitere Kreise ziehen…

Evolution of OSM

Dieses animierte GIF zeigt deutlich, wie die Freunde der Openstreetmap im Verlauf der vergangenen zwei Jahre Deutschland auf OSM von einer weißen Fläche in eine zunehmend professionelle Alternative zu Google-Maps verwandelt haben.

Ein Klick auf den Link oder das Bild führt zum animierten Gif. Dort erscheint etwa jede Sekunde eine neue Grafik in der Zeitreisen der vergangenen zwei Jahre.

Im August 2006 war Deutschland noch eine weiße Fläche. Im April 2007 tauchte der Bodensee das erste Mal als blaue Fläche auf. Und in Kürze wird die OSM die beste Karte der Welt sein. Wetten?!

Bikemap goes OSM

Hauruck! Und schon ist die Openstreetmap als Option in Bikemap integriert:

Hier stehen die Details.

Treffen mit Steve Coast, dem OSM-Gründer

Heute war ich in Menlo Park, Kalifornien, gleich neben dem Headquarter von SUN-Micosystems.

Keine zwei Häuser weiter in (noch) leeren Fluren und Räumen sitzt die junge Firma Cloudmade, die Zugänge und Tools zur Openstreetmap entwickelt, und die seit ein paar Monaten mit dem Kapital von Sunstone arbeiten kann. Hier traf ich ihren Chef Steve Coast, den Gründer der Openstreetmap.

Wir besprachen Mittel und Wege, wie die Community von Bikemap dazu beitragen kann, alle Radwege Deutschlands, Europas und der Welt in der Openstreetmap zu kartografieren und von dort aus jedermann frei und gratis zugänglich zu machen. Am Ende dieses Weges stünde die erste echte und offene Routing-Funktion für Radfahrer (“wie komme ich per Rad von A nach B?”).

Zwar gibt es in Nordrheinwestfalen, München und beim ADFC Baden-Württemberg schon ein paar Versuche, die jedoch allesamt nur komplizierte Insellösungen und zum Teil sogar kostenpflichtig sind und deshalb keine größere Bedeutung erlangen werden.

Das Gespräch mit Steve war der erste Schritt eines längeren Weges, den wir mit Bikemap nun in Richtung OSM gehen werden. Begleiten werden uns übrigens unsere Freunde von GPSies aus Berlin, mit denen wir hinsichtlich OSM gemeinsame Sache machen.

Warum?

Aus zwei Gründen: Erstens haben wir alle ein lebhaftes Interesse am Erfolg der Openstreetmap, weil ihr Lizenzmodell eine dauerhaft kosten- und werbefreie Alternative zu den Maps von Google, Yahoo und Microsoft bleiben wird. Und zweitens, weil es m.E. höchstens noch zwei Jahre dauert, bis die Openstreetmap alle anderen Karten hinsichtlich Informationsgehalt und Detailreichtum in den Schatten stellt.

Eines der Probleme, an denen die Opentreetmap momentan hängt, sind die zunehmenden Serverkosten für Rendering und Übertragung der Kartendaten. Diese werden noch von der University College London getragen, doch nicht mehr lange.

In meiner Begeisterung für die OSM textete ich Steve mit meiner Überzeugung zu, dass es nur noch eine Frage von Sekunden sein könne, bis Google diese Kosten übernehmen würde.

Warum?

Weil Google zwei große Kostenstellen hat: die Lizenz der Karten von Teleatlas, Navtech usw, und die Serverkosten. Bei einer Kooperation mit OSM und der Übernahme der Serverkosten durch Google würden diese für Google konstant bleiben, doch die Lizenzkosten würden für Google wegfallen. Und für die OSM würden die Serverkosten wegfallen und etliche andere Vorteile entstehen – also eine klassische Win-Win-Situation, deren Eintreten nur eine Frage der Zeit sei.

Dachte ich.

Steve hingegen ist etwas desillusionierter. Selbst bei Google, meinte er, gebe es Bürokratie, Posten- und Budget-Neid. Und ein Schwenk hin zur OSM würde manchem Mitarbeiter bei Google die Privillegien und das Budget kürzen, und daran scheitere eine Kooperation bislang – nebst der momentan noch mangelhaften Datenfülle der OSM.

Mein Optimismus, dass sowas doch an höchster Stelle entschieden und als langfristige Investition betrachtet würde… nunja… er scheint sich in der Praxis leider nicht bewahrheitet zu haben. Noch nicht.

Drücken wir Steve und der OSM also die Daumen, dass die Erreichbarkeit von OSM langfristig nicht nur von der Burnrate von Couldmade abhängen wird, wenn sie die Aufgabe des University College übernommen haben werden.

Hilft Konstanz der OSM?

Mein kleiner Aufruf zum gemeinsamen Kartografieren von Konstanz in der OSM hat viel positives Feedback erzielt. Ich freue mich schon auf unsere kleine Truppe…

Darum schrieb ich eben an die Geschätsführungen von Tourist-Information, Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung und Stadtwerke dieses Mail:

ANREDE,

durch einen Blog-Post habe ich eine Initiative losgetreten, die die vollständige Kartografierung von Konstanz in der Openstreetmap zur Folge haben könnte.

Die Openstreetmap ist eine Alternative zu Google-Maps mit zwei wesentlichen Unterschieden: (a) die Daten werden von Freiwilligen wie bei Wikipedia erhoben, und (b) das Ergebnis gehört nicht einer Firma (wie bei Google-Maps), sondern der Allgemeinheit.

Berlin zB ist schon besser in der OSM kartografiert als bei Google. Ganz England ebenso.

Nur in Konstanz und am Bodensee ist noch wenig los…

Konstanz in der OSM besser zu kartografieren als bei Google ist sicherlich auch im Interesse der Stadt. Wirtschaftlich wie touristisch.

Warum? Ein kleines Beispiel: von einer Google-Map darf ich (zB als Anfahrtsbeschreibung meiner Firma) keinen Screenshot machen, keine Karte in ein PDF übernehmen und keine Karte auf einer Broschüre abdrucken. Weil ich damit das Copyright der Datenerhebungsfirma Teleatlas verletzte. Abmahnungen hierzu gibt es wie Sand am Meer.

Bei der OSM gibt es diese Probleme nicht.

Gerne würde ich dafür das Wohlwollen der Stadtwerke als Rückenwind bei dieser Aktion haben. Ich hätte zB gene einen städtischen Kartografen bei unserem Treffen. Oder die Erlaubnis, vom amtlichen Stadtplan abzeichnen zu dürfen. Wir könnten zB 10 oder 20 GPS-Geräte geschenkt nehmen oder geliehen bekommen (zB auch um damit einen Kartografie-Kurs an einer Schule anzubieten) usw.

Wenn Sie diese Aktion also unterstützen möchten, so würde ich mich über eine kurze Antwort freuen und darauf gerne Details besprechen.

Herzliche Grüße,

Peter Eich

Hey, ich würde mich freuen wie ein Schneekönig, wenn wir da von städtischer Seite Unterstützung bekämen. Drückt uns die Daumen!

PS: Hier noch ein Artikel in der Stuttgarter Zeitung über Fabian, der in Esslingen für die OSM unterwegs ist.

PPS: Hier schreibt Fabian, wie man zB mit dem amtlichen Stadtplan von Konstanz (und der entsprechenden Erlaubnis von den Stadtwerken) die OSM verbessern könnte.

Wer kartografiert mit mir?

Die Isle of Man ist etwa so groß wie der Bodensee, rechtlich gesehen aber ein eigener Staat.

Die OpenStreetMap (OSM) ist im Allgemeinen noch nicht ganz so gut wie die Google-Map, rechtlich gesehen aber Allgemeingut.

Im Oktober 2007 haben sich drei Hobby-Mapper von OSM ein Ziel gesetzt: ein gesamtes Land zu kartografieren.

Um es sich nicht allzu schwer zu machen, sind die drei OSM-Fans dabei auf die Isle of Man gekommen – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. In nur sechs Tagen haben sie dort alle Straßen, Flüsse, Schienen, Flüghägen, Parkplätze, Restaurants, Schulen und diverse andere Einrichtungen kartografisch erfasst. Und die Daten anschließend der OSM (und damit der Allgemeinheit) geschenkt.

Die drei Jungs sind dabei mit zwei Fahrrädern und einem Auto tagsüber die Insel abgefahren. In ihren Taschen steckten billige GPS-Geräte und ein paar Digitalkameras. Am Abend haben sie nochmals sechs Stunden lang die erhobenen Daten in die OSM-Karte übertragen. Und nach einer Woche waren sie fertig.

Hier ist das Ergebnis.

View Larger Map

Und hier ist die Isle of Man bei Google-Maps:

Größere Kartenansicht

Erkennt ihr den Unterscheid? Und damit die Stärke von OSM gegenüber allen kommerziellen Anbietern? (Quelle)

(Update: bis zum 18.7.08 war die Isle Of Man bei Google nur als weiße Fläche zu sehen)

Ich habe sehr große Lust eine ähnliche Task-Force zu initiieren. Zum Beispiel mit Schülern meiner Stadt im Rahmen eines Sommerkurses in Kartografie. Oder mit meinen Reiseleitern vom Inselhüpfen für die Inseln von Kroatien und Griechenland. Oder etwas ganz anderes. Hat jemand einen guten Vorschlag?

Die Ausrüstung würde ich spendieren.

Wer macht mit?

Openstreetmap = Wikipedia des Ortswissens

Im Dezember 2007 verglich der Stern die Enzyklopädien Wikipedia und Brockhaus miteinander und erklärte dabei Wikipedia zum klaren Sieger.

Ab diesem Moment war auch vielen Offlinern klar, dass User Generated Content und Crowdsourcing eine bisher nicht gekannte Quelle für große und präzise Datensammlungen sein können. Statisch redaktionell gepflegte Inhalte (wie die des Brockhaus) können weder in Umfang, Aktualität noch Qualität mithalten, wenn sich zehntausende Freiwilliger um den Aufbau einer gemeinsamen großen Online-Enzyklopedie bemühen.

In Wikipedia sind 10 Millionen Artikel in 250 Sprachen enthalten (davon 2,3 Millionen auf Englisch und 750.000 auf Deutsch, Quelle).

Man schätzt, dass auf 100 Leser einer kommt, der eine eventuelle Korrektur in Wikipedia vornimmt (also auf 100 passive User kommt ein aktiver User). Unter 100 solcher Korrektoren befindet ich jedoch nur einer, der auch einen ganzen Artikel geschrieben und initiiert hat.

Gründe für dieses Verhältnis liegen auf der Hand – man will sich kurz über etwas informieren und hat gar keine Zeit, um von der passiven in die aktive Rolle zu wechseln. Außerdem ist die Hemmschwelle für viele eine große Hürde.

Ein dritter Grund ist bei Wikipedia das mangelnde Fachwissen. Wenn ich beispielsweise den hervorragenden Artikel über das Konstanzer Münster lese, so wüsste ich nicht, was ich daran noch verbessern könnte – selbst ohne Zeitmangel und ohne Hemmschwelle bin ich einfach nicht Experte genug, um weiter daran zu arbeiten.

Die Open Street Map (OSM) ist analog zu Wikipedia eine von bisher 30.000 Freiwilligen erstellten Karte der Welt (bei Wikipedia sind es über 280.000 registrierte und eine unbekannte Zahl von nicht registrierten Autoren).

Betrachte ich  das Konstanzer Münster auf OSM, so fallen mir sofort etliche Möglichkeiten auf, wie man diese Karte dort noch verbessern könnte.

Anders als bei Wikipedia hat jeder User der OSM ein gewisses Fachwissen – weil sich jeder von uns in seiner unmittelbaren Heimat besser auskennt als alle anderen.

Jeder von uns ist ein Experte in Ortswissen.

Auch wenn dieser Ort mitunter nur einen Steinwurf Durchmesser hat.

Darum tickt die Uhr für statisch redaktionell gepflegte Karten. Sie bleiben im besten Fall auf gleichem Niveau, und die crowdgesourcte OSM wird mit jedem Tag besser. Unaufhaltsam. Tag für Tag.

Was die OSM für mich als Web-Unternehmer und Touristiker so überaus spannend macht, ist die Fülle an touristisch relevanten Daten, die in der OSM ihren Platz haben: Hier ist die Liste der Map-Features. Darin enthalten sind z.B. Tags für Bankautomaten, Farradverleihe, Apotheken, Bäckereien, Hotels, Campingplätze, Strände und vieles mehr.

Was gäbe ich (und jeder meiner Mitbewerber) für dieses Wissen… Und vor allem: was gäben uns die Medienkonzerne für ein Projekt, das dieses Wissen bereits besitzt ;)

Zum Glück ist die OSM unverkäuflich und – salopp gesagt – Allgemeingut.

Ein kleines Beispiel aus meinem Alltag: in Bikemap sind etwa 5.000 deutsche Fahrradläden enthalten. Wer dort z.B. diese Route anschaut, kann sich alle an der Route gelegenen Fahrradläden einblenden lassen.

Fahrradläden in Bikemap – das ist nur eine Idee von vielen anderen, die wir noch nicht umgesetzt haben. Das Zusammentragen dieser 5.000 Adressen war aufwändig. Also teuer.

Darum würden wir mit diesem Wissen gerne etwas Geld verdienen. Zum Beispiel, indem wir für einen Eintrag 10 Euro pro Jahr verlangen. Aber der Aufwand für Kommunikation und Inkasso ist uns zu groß.

Im zweiten Schritt haben wir versucht strategische Partner zu finden, mit denen wir ein Paket schnüren können (“zahle 20 Euro im Jahr, und du bist auf Bikemap und auf XYZ”). Aber auch das ist uns zu aufwändig.

Vor allem müssten wir für jede Daten-Art eine eigene Strategie entwickeln. Das ist uns viel zu aufwändig.

Die Konsequenz ist, dass außer Fahrradläden momentan fast keine anderen Daten in Bikemap angezeigt werden. Eigentlich schade – denn für den Benutzer sind solche Daten ein willkommener Mehrwert.

Mit jedem Tag wird die OSM besser. Je besser sie wird, desto häufiger wird sie verwendet. Und je häufiger sie verwendet wird, desto mehr User kennen und pflegen sie. Und desto schneller wird sie besser. Tag für Tag.

Da hat also eine Spirale begonnen, die um ein Produkt kreist, das am Ende alle unsere Bemühungen um touristische Ortsdaten in den Schatten stellen wird.

Darauf freue ich mich schon.