Seriengründer

Wie der Clown in mein Leben kam

Im Jahr 1988 war ich Schüler, und mein Freund Christian nahm mich eines Abends mit zu einer Aufführung zweier Clowns in unserer Kleinstadt. Genauer gesagt eines Clowns und einer Clownin, nämlich dem damals als Duo bekannten Bühnenpaar Illi & Olli.

Den Namen der beiden hatte ich sofort wieder vergessen, und erst zwei Jahre später, als wir Studenten waren, entdeckte ich bei einem Besuch in Christians Zimmer in Freiburg ein Poster der beiden Clowns, das er über sein Bett gehängt hatte.

Illi und Olli im Zirkus

Im folgenden Jahr sah ich an meiner Uni in Konstanz einen Aushang, weil der Clown Hauenstein einen technischen Helfer und Fahrer suchte. Ich nahm den Zettel ab und schickte ihn meinem Freund Christian, weil ich dachte, es könnte vielleicht derselbe Clown sein, und vielleicht würde es ihn ja interessieren.

Wir haben bis heute nicht darüber gesprochen.

Ein Jahr später saß ich in meiner ersten akademischen Motivationskrise fest, denn ich konnte dem Reputationszirkus rund um die Suche nach dem ewig Wahren (also den Grundlagen der Logik und Mathematik) nicht mehr dieselbe Wichtigkeit abgewinnen wie zuvor. Wenn an der Uni selbst bei der Suche nach der Wahrheit mehr der Eindruck als der Inhalt zählte, dann wollte dort nicht länger sein. Ich begann also zu reisen.

Zwei Semester im Ausland und zwei Kontinente per Rad später hatte ich mich meinem alten minimalistischen Ideal wieder genähert, das ich im fahrenden Volk sah. Das sind jene freien Gesellen, die nur mit einem Rucksack beschwert durch die Welt ziehen und sich auf den Fußgängerzonen ein paar Groschen für ihre Reise verdienen, die mehr eine Lebensform als ein Abschnitt ist.

Kurzum: ich unmotivierter Student jobbte fortan nebenher als motivierter Straßenclown und verdiente dabei den dreifachen Stundenlohn wie bei meinem Unterricht in formaler Logik an der Uni. Außerdem brachte ich Menschen zum Lachen, und ich war ortsunabhängig und draußen.

Zirkus Alabaster

Mein erster Auftritt als Clown (links bin ich), 1980 im Zirkus meiner Schule.

Zugleich wusste ich, dass „man“ kein Studium in Mathematik und Philosophie abbricht, um als Clown durch die Welt zu ziehen.

Darum entschied ich mich vor dem eventuellen Besuch einer Clown-Schule zuerst etwas genauer hinzuschauen, ob mich da nur eine vorübergehende Laune ritt oder nicht. Kurzum: ich erinnerte mich an diesen Clown und seinen Aushang, und ich dachte mir: schau dir das erst mal genauer an.

Doch das war die Zeit vor Google und vor Evernote. Ich wusste nur noch, dass da irgendein Clown irgendeinen Helfer gesucht hatte, und dass jener wohl in der Umgebung meiner Uni leben müsste.

(Ja, ich hätte meinen Freund Christian fragen können. Aber aus irgend einem Grund kam ich nicht auf diese Idee.)

Also tat ich, was man damals in solchen Situationen tat: ich betrat die Bibliothek der Uni und begab mich zu den allwissenden Damen an der Auskunft – dem analogen Suchfeld der damaligen universitären Suchmaschine.

Dort waren wie immer diese beiden: die große hübsche, in die alle Studenten verliebt waren, und dann noch die andere kleine, die immer alles wusste.

Ich ging also zu der kleinen Frau und stellte meine reichlich unpräzise Frage: es muss da so einen Clown in der Umgebung von Konstanz geben, der hier mal mit einem Aushang einen Helfer suchte, und dessen Telefonnummer suche ich.

Es kam, wie es kommen musste, die kleine Frau runzelte kurz die Stirn, ging ein paar Schritte zurück und verschwand hinter der Glasscheibe in ihrem Büro. Dort griff sie zum Telefon, sprach ein paar Worte hinein, die ich nicht hören konnte, und dann winkte sie mich zu sich ins Büro, reichte mir den Hörer und sagte: Olli Hauenstein ist am Apparat.

Merke: das Law of Attraction funktioniert auch, wenn du noch gar nicht weißt, was es ist.

Völlig perplex durch diesen größten anzunehmenden Zufall, dass ausgerechnet die kleine Frau und der Clown sich privat kannten, stotterte ich ins Telefon, dass ich gerne als Helfer eines Clowns arbeiten würde.

Ein paar Tage später begann ich für Olli Hauenstein als Fahrer, Bühnentechniker, Aufbauhelfer und irgendwann auch als guter Freund zu arbeiten, und der Job begleitete mich mehrere Jahre und viele zehntausend Autobahnkilometer weit über meinen späteren Studienabbruch hinaus bis in meine ersten Jahre als Unternehmer.

Olli Hauenstein

Olli Hauenstein beim Auftritt. Fotografiert von meinem Platz hinter der Bühne.

Erst als meine erste Firma immer größer wurde, musste ich meine Arbeit für Olli Hauenstein schweren Herzens weiterreichen.

Rückblickend sehe ich, wie viel mehr ich durch die Arbeit an der Seite eines Bühnenclowns gelernt habe als durch mein Studium. Dafür bin ich meinem guten Freund Olli Hauenstein unendlich dankbar!

Und über das, was man als Unternehmer von einem Clown lernen kann, werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Artikel auf Gründerviews schreiben.

Karte: Radweg auf der Insel Reichenau

Eine der schönsten Radtouren am Bodensee ist die Runde um die Insel Reichenau.

Die Runde lässt sich einfach bei Bikemap finden, als GPS-Datei auf das eigene Navi laden, auf Papier ausdrucken oder mit diesem Widget in die eigene Seite einbinden:


Radroute 9 – powered by Bikemap

Ganz neu ist jedoch, dass wir nun mit unserer eigenen Kartografie auch Karten in 300 dpi zum feinen Druck zuhause oder zum Offset-Druck für Landkarten, Bücher etc. produzieren können.

Das sieht dann als Screenshot so aus:

Reichenau  druck.png Kopie-1

Vor allem aber lässt es sich auch als PDF in Druckqualität runterladen und zuhause ausdrucken.

Diese Funktion ist noch nicht öffentlich zugänglich.

Radreise.de und die Inspiration zur Radtour

Vor zwei Wochen ist “leise” eine neue Webseite von mir online gegangen, an der ich in den letzten Wochen gearbeitet habe: radreise.de

Berichte von Radreisen-1

Die Seite ist ganz simpel: hier stehen Berichte von Radreisen, die einem das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Oder anders gesagt: hier bekommst du Lust auf Radreisen.

Die Funktionen

Die Maxime der Seite ist, dass alles ganz einfach sein soll, sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben von Beiträgen.

Gesamten Artikel lesen und alle Fotos sehen

Eine Weihnachtsmarkt-Marketing-Geschichte

Weihnachtsmärkten kann ich nichts abgewinnen. Kalte Füße, zu viele Menschen pro Quadratmeter und zuckriger Glühwein sind nichts für mich.

Einzig die Erdbeer-Ananas-Schokospieße, also aufgespießtes und durch ein Milchschokoladenbad veredeltes Obst – das liebe ich.

In Konstanz gibt es auf dem Weihnachtsmarkt seit Jahr und Tag denselben Stand an derselben Stelle mit diesen Schokospießen.

Nur damals, als ich noch Student war, hatten sie dort zwar sowohl Erdbeeren als auch Ananas, doch die Kombination als Erdbeer-Ananas gab es nicht.

Herausforderung genug für mich zu fragen, ob ich nicht bitte einen haben könne.

“Nein, gibt’s nicht”

“Aber Sie haben doch Erdbeeren, Ananas und Milchschokolade. Machen Sie mir doch einfach einen.”

“Steht nicht auf der Karte, haben wir nicht.”

“Egal, ich bezahle auch mehr.”

“Nein. Wer ist nächster?”

An dieser Stelle ging es plötzlich nicht mehr nur um Obst und Schokolade, sondern um Ego und Ehrgeiz.

Darum kehrte ich ein paar Tage später wieder zurück und bestellte erneut und scheinbar ganz unwissend:

“Einmal Erdbeer-Ananas in Milchschokolade bitte.”

“Gibt’s nicht.”

“Was? Das gibt’s doch überall. Ich komme gerade aus Karlsruhe, dort verkaufen die fast nichts anderes. In Freiburg ebenso. Und sie haben das wirklich nicht? Na gut, dann esse ich lieber gar nichts. Tschüss!”

Gesagt, gegangen.

Und zuhause habe ich alle meine WG-Kollegen, Kommilitonen und Freunde instruiert: Geht bitte dort hin, fragt nach Erdbeer-Ananas, das wird’s nicht geben, und dann tut total erstaunt und murmelt, dass es das doch überall gebe und dort fast nichts anderes gegessen werde!

Ein paar Tage später, als ich wieder auf dem Weihnachtsmarkt war und an dem Stand vorbei gehen wollte, sah ich den Bruder einer Freundin, ich ging näher ran und hörte, wie er – den ich selbst nie gesprochen hatte – fragt, ob es Erdbeer-Ananas-Spieße gebe.

Wow, das Ding kommt tatsächlich ins Rollen, dachte ich mir, und ich ging weiter.

Ein Jahr später, als ich diese Geschichte längst vergessen hatte, war plötzlich wieder Weihnachtsmarkt. Ich schlenderte am ersten Tag kurz nach Eröffnung mit Freunden über den Platz, als ich das vergessene Schokohäusle sah und an meine Geschichte dachte.

Als ich näher kam, entdeckte ich zu meiner großen Überraschung: es gab tatsächlich Erdbeer-Ananas-Spieße.

Wow, mein Ego war gerettet, mein Ehrgeiz war befriedigt.

“Hallo, ich bins…”

“Ja und, was wollen Sie?”

“…also ich möchte einen, also meinen…. Erdbeer…. Ananas…. Spieß in Milchschokolade”

Zu meiner größten Verwunderung antwortete der Typ, dem ich ohne sein Wissen zu einem Bestseller verholfen hatte:

“Sorry, sind schon ausverkauft”

Die Immobilienpreise und der Euro

Wie findet ihr diesen Gedanken:

Es findet momentan ein großer privater Geldfluss von den Euro-Südländern nach Deutschland statt, vor allem in Sachwerte, vor allem in Immobilien. Schlagwort: Italiener kaufen Wohnungen in Berlin.

Ein Auseinanderbrechen des Euro ist noch immer ein mögliches Szenario. Das Ausscheiden Deutschlands wird immer offener diskutiert, vor allem in jeden Südländern. Berlusconi macht damit seit ein paar Tagen Wahlkampf.

Sollte Deutschland aus dem Euro ausscheiden, so wird sofort der Euro ab- und die neue Mark aufgewertet. Aus Sicht dieser Südländer ist ihr Vermögen in Deutschland also perfekt investiert für diesen Fall: die Immobilienbesitze würden im Süd-Euro gerechnet durch die Kursanpassungen sofort an Wert gewinnen.

In anderen Worten: die vermögenden Südländer haben ein zusätzliches Interesse an einem Ausscheren Deutschlands aus dem Euro.

Da die Rendite dieser Immobilien konstant bleibt (die Mietzahlungen sind in der neuen Mark), entsteht ein sofortiger Verkaufsdruck.

Die Immobilienpreise in Deutschland werden also einbrechen, wenn Deutschland aus dem Euro ausscheidet.

Backup vom Moleskin mit iPhone und Evernote

Als digitaler Nomade reise ich nie ohne diese Grundausstattung:

  1. MacBook Pro
  2. iPhone
  3. Moleskin (also dieses ledergebundene schwarze Notizbuch)

Alle Daten aus MacBook und iPhone sind gut gegen Verlust gesichert, also an Orten gesichert, die von meinem Aufenthaltsort verschieden sind.

(Genauer: Für das MacBook verwende ich zwei TimeMachines an verschiedenen Orten, auf die ich jeweils bei dortiger Anwesenheit sichere. Damit bin ich erstens gegen Doppelverlust aus Fehlbedienung geschützt und zweitens gegen Diebstahl und Brand, bei dem u.U. das MacBook plus die Sicherungskopie verloren gehen könnte.)

Einzig mein analoges Notizbuch hatte früher kein Backup. In diesem Artikel beschreibe ich, wie ich mein Moleskin gegen Verlust schütze.

Dazu verwende ich am iPhone die App CamScanner+, mit der ich aus jeder neuen Notiz (meistens ein bis dreiseitige Mitschriften von Gesprächen) ein PDF erstelle, das ich dann aus der App heraus zu Evernote in ein Notizbuch “Moleskin” hoch lade.

Gleich nach jedem Termin und jeder neuen Notiz in meinem Moleskin erstelle ich mir davon die digitale Kopie.

1. Neues Dokument in CamScanner+ erstellen und Foto davon machen:

   

Jede Seite einzeln abfotografieren:

Den Ausschnitt bestimmen (die Auto-Funktion ist dann sehr gut, wenn man das Foto so macht, dass es über den Rand des Notizbuchs hinaus geht) und scannen (beide Mal rechts unten auf den Haken klicken):

  

Diesen Vorgang für jede Seite wiederholen. Die einzelnen Seiten werden dann untereinander gespeichert:

  

Die App unterscheidet Namen von Fotos und Namen der Datei. Im Foto oben mit dem gelben “+” am Rand habe ich den Namen des Fotos leer gelassen. Die Fotos werden in den beiden Fotos direkt über diesem Absatz dann automatisch mit 01, 02… nummeriert.

Die Datei selbst hingegen benenne ich um. Dazu klicke ich auf “Neue Datei” im Foto über diesem Absatz und gebe dem Ding den Namen der Notiz mit vorangestelltem Datum (lexikografisch sortierbar, also jjmmdd).

  

Ich klicke nun auf “PDF” und wandle die Grafiken in ein PDF um, das ich dann hoch lade, und zwar in meinen verknüpften Evernote-Account.

  

In Evernote habe ich diverse Notizbücher angelegt, eines davon heißt “Moleskin”, und zusammen mit den wichtigen Stickworten lade ich es dort hoch:

Und nun habe ich die Notiz sicher bei Evernote gespeichert und kann via Browser, MacBook, iPhone und iPad von überall darauf zugreifen:

Rendite mit Immobilien – oder das Geheimnis des Kapitalismus

Vor einem Jahr beschloss ich, dass ich Erfahrungen in Kalkulation, Kauf und Unterhalt von Immobilien sammeln wollte um meiner Kompetenz im Umgang mit Geld und Vermögen einen weiteren und wichtigen Aspekt hinzuzufügen.

Unterdessen besitze ich mehrere Wohnungen, und ich berichte hier vom Kauf und von der Kalkulation meiner ersten Wohnung mit nun etwa einem halben Jahr Erfahrung nach dem Kauf.

Immobilien sind für mich in erster Linie Rendite-Objekte und nebenbei auch ein eventueller Inflationsschutz. Beim Kauf spielt der Inflationsschutz keine Rolle, wohl aber bei meiner generellen Entscheidung mit Immobilien Erfahrungen machen zu wollen. Wenn ich eine Immobilie kaufe, dann also allein wegen ihres Potentials als Rendite-Objekt.

Meine Ausgaben unterteile ich im Wesentlichen in zwei Arten: Konsum und Geldanlage.

  • Konsum ist alles, was mir Geld aus der Tasche zieht.
  • Geldanlage ist alles, was mir (vor allem langfristig) Geld aufs Konto bringt.

Diese Betrachtung ist stark vereinfacht (und von Robert Kiyosakis gutem Buch “Rich Dad, Poor Dad” inspiriert), und sie gefällt mir genau deswegen so gut.

  • Konsum: Abendessen, Miete, Kleidung, Reisen, Geschenke, selbstgenutzte Immobilien und Rohstoffe
  • Geldanlagen: Firmenanteile, Wertpapiere, vermietete Immobilien

Selbstgenutzte Immobilien und Rohstoffe wie Gold betrachten viele als Geldanlagen, doch beide haben eine negative Rendite, denn die kosten Geld und werfen vor allem keines dauerhaft ab. Darum halte ich sie für einen Luxus, der Geld kostet und keine Rendite bringt.

Meine erste Wohnung

Meine erste eigene Wohnung ist eine kleine Einzimmerwohnung, denn ich wollte mit einem minimalen Betrag meine ersten Erfahrungen sammeln. Sie ist knapp 40 qm groß, liegt in einer mir gut bekannten Kleinstadt und hat mich 47.500 Euro gekostet.

Der Kaufpreis hat sich wie folgt zusammengesetzt:

Kaufpreis

  • 47.500 Euro Kaufpreis

Kaufnebenkosten (2.470 Euro)

  • 1.780 Euro Makler
  • 1.520 Euro Grunderwerbsteuer
  • 480 Euro Notarkosten Kauf
  • 80 Euro Eintragung Grundbuch
  • 210 Euro Notarkosten Grundschuld
  • 180 Euro Eintragung Grundschuld

Den Kauf der Wohnung habe ich finanziert, denn ich wollte unbedingt auch diesen Teil üben. Ich habe darum für den Kauf der Wohnung ein Darlehen bei einer Bank abgeschlossen, das über 50.000 Euro läuft und faktisch mehr als 100% des reinen Kaufpreises finanziert (weil 50.000 Euro die Mindestsumme des Darlehnes war).

Darlehen

  • Darlehensbetrag 50.000 Euro
  • Zinssatz 4,1%
  • Zinsbindung 10 Jahre
  • Tilgung 1%
  • effektiver Zinssatz; 4,18% (die Zinsen sind für neue Verträge mittlerweile weiter gesunken)
  • ich bezahle also 4,18% Zinsen plus 1% Tilgung pro Jahr = 5,18%
Ich habe mir also 50.000 Euro von der Bank geliehen und brutto (= inklusive aller Kaufnebenkosten) 51.690 Euro für die Wohnung bezahlt. Das macht 1.690 Euro Eigenkapital, das ich aus meiner Tasche für den Wohnungskauf benötigt habe.
Die Wohnung wird von einer Verwaltung betreut, die mir auch gleich nach Kauf einen Mieter vermittelt hat und alle diesbezügliche Verwaltung übernimmt, also Kontrolle der Mieteingänge, Abrechnung der Nebenkosten, Abschluss der Mietverträge etc.
Mein Mieter bezahlt 340 Euro Kalt-Miete zuzüglich einiger Nebenkosten an mich. Die Nebenkosten sind für mich durchlaufende Posten, verwaltet von der Verwaltung, so dass ich in meine Kalkulation nur die Kalt-Miete einbeziehen muss abzüglich der Verwaltungsgebühr.
Miete
  • 340 Euro kalt
  • 10 Euro Verwaltungsgebühr

Bleiben mir also 330 Euro pro Monat.

Ich lege eine Monatsmiete iHv 340 Euro pro Jahr kalkulatorisch beiseite für Mietausfälle, Rücklagen und nicht umlagefähige Kosten, so dass ich Nettoeinnahmen von 3.620 Euro pro Jahr habe.

Bezogen auf den brutto Kaufpreis der Wohnung (inklusive aller Kaufnebenkosten) von 51.690 Euro habe ich jährliche Netto-Einnahmen von 3.620. Hätte ich die Wohnung also bar aus eigener Tasche gekauft, so hätte ich mir eine Geldanlage zugelegt, die bei 51.690 Euro Kaufpreis eine jährliche Rendite von 3.620 Euro erwirtschaftet. Das ergibt eine Rendite von genau 7%.

Das nenne ich die Nettomietrendite, und sie ist mein mit Abstand wichtigstes Kriterium beim Kauf einer Immobilie.

Zum Vergleich: wer 51.690 Euro auf dem Bankkonto liegen lässt bekommt zurzeit kaum über 2% Zinsen dafür. So gesehen ist die Wohnung schon sehr rentabel.

Doch vier Aspekte erhöhen die Rentabilität meiner Wohnung: a) Finanzierung, b) Tilgung, c) Mieterhöhung und d) Steuer.

Zu a) Finanzierung:

Erstens habe ich meine Wohnung nicht bar bezahlt, sondern nur 1.690 Euro eigenes Geld dafür gebraucht. Die restlichen 50.000 Euro hat mir die Bank für 10 Jahre geliehen, und sie verlangt dafür 4,18% Zinsen.

Da die Wohnung derweil aber 7% Rendite erwirtschaftet, bekomme ich zweierlei:

  1. Auf meine Investition von 1.690 Euro erhalte ich 7% Rendite pro Jahr.
  2. Für die geliehenen 50.000 Euro bezahle ich 5,18% Zinsen & Tilgung und erhalte ebenfalls 7% Rendite pro Jahr, also 7% – 5,18% = 1,82% Rendite auf Geld, das mir gar nicht gehört. Genau hier liegt das Geheimnis des Kapitalismus: ich verdiene Geld mit Geld, das mir nicht gehört.

In der Summe ergeben (7% auf 1.690 Euro =) 118,30 Euro PLUS (1,82% auf 50.000 Euro =) 910 Euro ganze 1.028 Euro Rendite, die pro Jahr für mich übrig bleiben.

Oder in anderen Worten: ich verdiene pro Monat (vor Steuer) 86 Euro an meiner Immobilie. Ich nenne das den Cash-Flow, und er ist genau das, was Konsum von einer Geldanlage unterscheidet: regelmäßiges Geld in meiner eigenen Tasche.

Da ich aber nur 1.690 Euro investiert habe entspricht das einer Eigenkapitalrendite von 61%. Denn 1.028 Euro Rendite für meine investierten 1.690 Euro entsprechen einer Verzinsung in Höhe von 61%.

Und die Tatsache, dass ich die Wohnung nicht komplett bar, sondern mit einer Finanzierung bezahlt habe, hebelt also meine Rendite von 7% auf 61%.

Zu b) Tilgung

Die erwähnten 5,18%, die ich pro Jahr an die Bank bezahlt, beinhalten auch 1% Tilgung, also Rückzahlung des geliehenen Geldes und damit eine Reduktion meiner Schulden. Diese 1% fließen also in mein eigenes Kapital, und je nach Betrachtungsweise kann man diese 1% in die Berechnung der Eigenkapitalrendite hinzuziehen. Sie würde dann auf 91% steigen.

Da mit jeder monatlichen Tilgung meine Schulden ein wenig sinken, sinkt auch der Betrag, für den ich Zinsen bezahlen muss. Da die Rate aus Zins und Tilgung 10 Jahre lang konstant bleibt (und den anfänglichen 5,18% entspricht), steigt mit jedem Monat der Anteil meiner Tilgung. Und weil die Tilgung durchaus in die Betrachtung der Rendite einfließen kann, steigt auch diese mit jedem Monat.

Oder in anderen Worten: die 91% sind nur der Wert vom Anfang, und es wird mit jedem Monat besser.

Zu c) Mieterhöhung

Mit meinem Mieter habe ich eine Staffelmiete vereinbart, also eine automatische Erhöhung der Miete um 2% pro Jahr.

Da die Mieteinnahmen auf der Haben-Seite meiner Rechnung sind, während Zins (und eventuell Tilgung) auf der Soll-Seite steht, steigt die erste jedes Jahr weiter an, während die zweite konstant bleibt (bzw. nach b) sogar leicht sinkt). Die Nettomietrendite meiner Wohnung beträgt darum im zweiten Jahr schon 7,14%, und im fünften Jahr 7,58% und im zehnten Jahr bereits 8,73%.

Umgerechnet auf die Eigenkapitalrendite (ohne Tilgung) entspricht das einer Steigerung von 61% auf 65%, 79% bzw. 103%.

Rechne ich die Tilgung noch zur Rendite hinzu, so sind es 95%, 108% bzw 111% (nach 1, 5 und 10 Jahren).

Zu d) Steuer

Einnahmen müssen versteuert werden, doch von den Einnahmen durch Vermietung kann ich 2% des Kaufpreises der Immobilie pro Jahr steuermindernd geltend machen.

Bei einem angenommenen Steuersatz von 36% würden aus 1.028 Euro “durch Arbeit verdienten” Einnahmen netto nur noch 658 Euro netto. Wenn diese Einnahmen aber der Cash-Flow aus der o.g. Immobilie sind, dann werden daraus netto 769 Euro. Also nochmal ein Steuervorteil von 111 Euro.

Fazit

Auf den Pros und Contras und aus den ganzen Details von Rendite-Immobilien könnte ich ein ganzes Buch schreiben. Vielleicht mache ich das auch. Doch vorab einige kritische Punkte:

  • Eine Netto-Mietrendite von 7% ist nicht immer leicht zu finden. In “zukunftssicheren” Gegenden (Zentren wie München oder glücklichen Inseln wie Konstanz) ist es sogar fast unmöglich. Darum kaufe ich dort auch keine Immobilien, denn in meiner Kalkulation ist eines nicht aufgetaucht: die Wette auf eine Wertsteigerung.In kleineren Städten, die ein diverses und gesundes Umfeld von Arbeitgebern und Universitäten haben, sind solche Renditen hingegen ab und an zu finden. Und genau dort kaufe ich.
  • Die Haben-Seite hängt stark davon ab, ob die Miete auch tatsächlich bezahlt wird. Einen guten Mieter zu finden, ist darum ein wichtiger Teil der Kunst.
  • Die Zinsen der Banken sind momentan noch tiefer als vor einem halben Jahr. Die Renditen sind darum noch besser geworden.
  • Eine hohe Finanzierung (also 100%) bedeutet auch, dass man “nur” einen sehr kleinen Betrag investieren muss. Das ist ein großer Vorteil für alle, die sich früh im Leben um Kapitalbildung bemühen wollen. Ich wünschte, ich hätte das schon als Student begonnen. Doch wer eine größere Summe Kapital anlegen möchte, der muss mit dieser Methode viele Wohnungen kaufen. Hätte ich mit mehreren solcher Wohnungen zB 100.000 Euro anlegen wollen, so hätte ich 59 solcher Wohnungen kaufen müssen. Die sind jedoch in kurzer Zeit so kaum zu finden, und die Suche und der Kauf einer Wohnung ist eine Menge Arbeit.
  • Es besteht ein Risiko nach 10 Jahren, wenn der Kreditvertrag ausläuft. Falls die Immobilie dann deutlich weniger wert sein sollte und die Zinsen für einen neuen Vertrag dann deutlich höher wären, dann würde ich Verlust erleiden.
  • Bei einer finanziellen Staatskrise könnte es durchaus zu einer Sonderhypothek auf fremdgenutzte Immobilien kommen. Zumindest halte ich das für möglich. Eine solche Sonderschuld des Eigners (=ich) auf die Immobilie zugunsten des Staates würde eine 100%-Finanzierung schnell in die Verlustzone treiben.

Zu guter Letzt hier noch ein Screenshot meiner Kalkulation zu dieser Wohnung mit den o.g. Zahlen:

Was meint ihr dazu? Wäre ein ganzes Buch darüber interessant? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Strategietrainer als Hörbuch

Ich bin Unternehmer, habe bislang 7 Firmen und etliche weitere Projekte gegründet, und ich verstehe meinen Job als Ideen-Finder und -Umsetzer. Ich höre und lese ständig irgendwelche Motivations-Bücher, investiere Geld und Zeit in Trainings und Coachings, und heute will ich ein Hörbuch bis über allen grünen Klee hinaus loben.

Mein Bücherregal, mein Kindle und mein Playlist auf dem iPhone sind voll von allem möglichen Motivationskrimskrams, und ich habe alle diese kleinen Helferlein immer in Armlänge bei mir. Und dieser “Strategietrainer” ist eine der besten Perlen in meinem Regal. Er ist mein absoluter Tipp an alle, die nicht nur in, sondern auch (und zunehmend) an ihrem Unternehmen arbeiten wollen. Ich habe ihn schon mehrfach gehört und auch schon oft an Mitarbeiter und Freunde verschenkt.

Im Moment höre ich ihn zum dritten Mal, vor allem bei längeren Autofahrten wie gerade gestern wieder, und auch dieses Mal sprudelte es dabei nur so vor Ideen. Wenn das losgeht, dann folgen immer diese drei Schritte:

Siri zum Diktat!

Bei meinen Autofahrten habe ich stets diesen genialen Bose-Knopf dabei, also die Freisprecheinrichtung mit dynamischer  Außengeräuschunterdrückung. Meine Gesprächspartner merken damit nicht, dass ich sie aus dem Auto anrufe, und selbst im offenen Cabrio rauscht auf der anderen Seite bis Tempo 140 kein Windchen.

Nur Siri merkt es, denn sie erreiche ich durch einen Knopfdruck am Ohr.

Da ich am iPhone die wunderbare App Evernote geöffnet habe (wie konnte ich früher ohne Evernote leben?), diktiere ich ich während der Fahrt alle meine Ideen dort hinein, ohne auch nur eine Hand vom Steuer zu nehmen.

Und so kann ich auch auf der Autobahn immer wieder mal die Pause-Taste beim Strategetrainer drücken, vom Bose-Sound zum Bose-Mikrofon wechseln und alle Anregungen des Strategietrainers in meinen eigenen Worten in Evernote zusammenfassen. Also meistens meine Ideen, die mir in Bezug auf meine eigenen Firmen dabei kommen.

Gestern zum Beispiel ging es um den Perspektivwechsel von Firmen-Produkt zu Kunden-Bedürfnis. Eigentlich keine neue Sache für mich, aber dennoch hatte ich noch nie (!) so viel Anregung dazu erhalten wie aus dem Strategietrainer. Unmöglich für mich da einfach nur still zuzuhören. Darum erstes Abladen und Archivieren zu Evernote noch während der Fahrt, wenn iTunes derweil kurz pausiert.

Mitarbeiter zum Telefonterror!

Nachdem das absatzweise in Evernote gelandet ist, beginnt als zweiter Schritt meist der Telefonterror.

Ich rufe der Reihe nach diverse meiner Mitarbeiter an.

Die ersten beiden texte ich noch frontal zu, ab dem dritten wird es dialogisch, und am Ende ist meine Euphorie dann doch ein wenig der rhetorischen Routine gewichen, und ich versuche die Kollegen durch Fragen auf dieselben oder sogar bessere Ideen zu bringen und die aktiv daran zu beteiligen. Gelingt aber bei den ersten ganz selten, weil ja alles dringend erstmal raus und selbst formuliert werden muss.

Ideenbildung durch Zuhören – das kennen sie schon alle und lauschen mir brav (oder tun nur so – egal).

Bodenseepeter zur Raststätte!

Und der dritte Schritt, nachdem ich es mehrfach und zunehmend selbst am Telefon formuliert habe, ist dann: rechts raus zu irgend einem Parkplatz oder im besten Fall zu einer Raststätte mit gutem Espresso, und dort alles ins MacBook hacken als lange Notiz, die für den nächsten firmeninternen Workshop als Vorlage taugt. Oder für mich als gute Erinnerung und Zusammenfassung.

Genau so und in genau dieser Reihenfolge ist es mir gestern wieder passiert. Ich kam eine halbe Stunde zu spät (ins Büro), weil ich auf einer Raststätte eine spontane Aufschreibpause machen musste. Das, denke ich, spricht absolut für diesen Strategietrainer!

Darum bekommt dieses Set aus 6 CDs von mir die beide Daumen nach oben und eine uneingeschränkte Kauf-Empfehlung.

—– Die Fakten —–

Der Strategietrainer kostet 79 Euro bei Amazon, ist ein Mitschnitt eines mehrtägigen Seminars von von Marc Pletzer bei der Fresh-Academy. Digitale Nomaden können das Hörbuch beim NLP-Shop direkt downloaden.

Das Bose Headset gibt es ebenfalls bei Amazon, und es kostet 142 Euro.

Aktien für absolute Anfänger

Es gibt kein gutes Investment – es gibt nur gute Investoren. Darum ist jeder Tipp unangebracht, außer man empfiehlt eigene Erfahrungen zu machen.

Hier ein Beispiel, wie man als absoluter Anfänger seine ersten Schritte machen könnte:

  1. Ein Konto bei Cortal Consors eröffnen. Kostet nix, und dauert in der Summe ein paar Tage – weil man sich zB bei der Post am Schalter ausweisen muss, um sich zu identifizieren.
  2. Sich die App von Cortal Consors runterladen.
  3. Vom eigenen Konto auf das neue Konto bei Cortal Cosors etwas Geld überweisen.
  4. Morgens im Café die Kurse checken und zum Beispiel eine einzelne Aktie von Apple kaufen. Das kostet dann 4,50 Euro Gebühren (egal, wie viele Aktien man kauft) und funktioniert so:

Dies ist der Kurs der Apple-Aktie. Sie kostet auf der Plattform Xetra momentn knapp 440 Euro das Stück.

Ist ein entsprechendes Guthaben auf dem Konto bei Cortal Consors, kann man sie ordern. Das bedeutet ein Kaufangebot abgeben, zB könnte man 440 Euro dafür bieten. Wenn der kleine Tan-Generator (wird von Cortal Consors bei der Kontoeröffnung verschickt) in der Tasche ist, dann kann man den Kauf gleich abschließen.

Falls in diesem Moment jemand seine Apple-Aktie für diesen Preis verkauft, dann macht es schwupp, und man ist Aktionär.

Hätte man es gestern früh beim ersten Cappuccino im Café so gemacht, dann hätte man eine Apple-Aktie für 430 Euro bekommen. Am Abend dann, beim letzten Espresso im Café, hätte man diese Aktie wieder verkaufen können für 439 Euro.

Die Differenz von 9 Euro wäre dabei zwar exakt für die zwei Transaktionsgebühren von je 4,50 Euro drauf gegangen. Aber man wäre um eine wirklich wichtige Erfahrung reicher. Und immerhin: bei zwei Aktien wären 9 Euro Gewinn übrig geblieben, also mehr als man für den Kaffee ausgegeben hätte.

Ganz zu schweigen davon, wenn man letzte Woche gekauft und heute verkauft hätte. Oder Anfang des Jahres. Dann wären nämlich schon 111 Euro pro Aktie dabei rausgesprungen – plus die erste eigene Erfahrung mit dem Aktienmarkt.

Die besten 8 Apps für Unternehmer

Evernote

Evernote ist mein digitales Notizbuch.

Hier schmeiße ich alles rein, was mir in den Sinn kommt und ich nicht vergessen möchte.

Die meisten meiner Notizen sind offline gespeichert, dh mir ist es egal, wie groß die Daten sind, weil ich sie nicht im iPhone parat habe, sondern nur bei Bedarf abrufe. Darum speichere ich hier auch Fotos ab.

Außerdem synchronisiert sich mein Evernote-Konto automatisch mit meinem iPad und meinem MacBook, dh es ist ganz egal, wo ich die Notizen eingebe oder abrufe – sie sind immer alle da, wo ich gerade bin.

Die Notizen habe ich in verschiedene Notizbücher gruppiert:

Eines davon heißt Rezepte, und hier sind nicht nur meine Lieblingsrezepte abrufbar gespeichert, sondern hier kommen auch alle Rezepte rein, die ich irgendwo finde und mir merken möchte. Meistens mache ich einfach ein Foto von der Buchseite. Wenn ich also im Supermarkt stehe und Lust auf eines meiner Lieblingsgerichte habe, dann kann ich jederzeit nachschauen, welche Zutaten ich brauche.

Ein anderes Notizbuch heißt Ausrisse. Hier sind sehr Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften drin, die ich (meist morgens im Café) gelesen habe und aufheben möchte, oder die ich jemandem weiterleite. Evernote kann zwar auch Texterkennung, aber ich “scanne” die Artikel mit CamScanner+ und lade sie von dort aus direkt zu Evernote hoch.

Es gibt Notizbücher für jede meiner Firmen und jedes meiner Projekte.

Ein anderes heißt Gedichte, und darin sind meine 50+ Lieblingsgedichte, die ich noch nicht auswendig rezitieren kann. Wann immer ich (nicht die erste) Flasche Wein mit Freunden trinke, wird zum Beispiel reflexartig und mit ernster Mine der Weinreinbringer rezitiert.

Außerdem stehen unter Kaufen lauter Dinge (oder Fotos davon), die ich irgendwann (oder bald wieder) kaufen will. Also ein Wein, der mir besonders gut geschmeckt hat, oder ein Foto von einer Test-Zeitschrift, in der die leckersten Erdbeer-Joghurts getestet wurden, usw.

In einem weiteren Notizbuch sind die Fotos aller Seiten meines Moleskins (also dem Notizbuch aus Papier), so dass ich alle alten Mitschriften abrufbar habe. Außerdem ist dies ein gutes Backup für den Fall, dass ich das Moleskin mal verlieren sollte.

Gesamten Artikel lesen und alle Fotos sehen

Die Wichtigkeit der Reißleine

Fliegen bei schönem Wetter macht nicht nur Spaß, sondern ist eigentlich auch ganz einfach.

Ein großer Teil der Ausbildung eines Piloten besteht aber nicht nur darin Gefahren zu vermeiden, sondern vor allem lernt man ihnen im Fall der Fälle auch sicher zu entkommen.

Man lernt also die Situation zu beherrschen, die zu vermeiden man erst recht lernt. Und wenn man beides gut kann, dann übt und tut man dauernd das eine, das andere jedoch nie. Was auch irgendwie gefährlich ist.

Ähnlich ist es beim Unternehmensgründen. Man tut alles, um das Start-Up zum Fliegen zu bekommen, und wenn man gut ist, dann klappt das auch. Wieder und wieder.

Und dabei verlernt man leicht den Umgang mit der Reißleine.

Wenn ich sie dann trotzdem plötzlich ziehen will, so brauche ich schon mal diese lange Vorrede, um mir den Misserfolg so gut und nützlich zu reden, wie er ist.

Mein Traum von Everybike

Kurzum: vor einem halben Jahr begann ich einen lang gehegten Traum umzusetzen. Mit Everybike wollte ich eine Marke schaffen, die für die schönsten Radreisen der Welt steht. Also ein oder zwei Dutzend exotischer Traumreisen zusammenfassen, die man mit dem Rad erleben kann.

Meine Idee war, dass ich meinen Namen als Radreise-Experte damit in Verbindung bringe, und dann mit der durchaus angenehmen Tatsache für diese Reisen werbe, dass ich sie persönlich erlebt habe und miterleben werde.

Ich wollte also jedes Jahr drei neue tolle und exotische Reisen ins Programm aufnehmen, die Spezialisten vor Ort für mich organisieren. Alles geführte Gruppenreisen mit dem Bike. Und beim ersten Termin bin ich jeweils selbst dabei, fotografiere und dokumentiere die Reise, um sie anschließend persönlich und erfrischend subjektiv online zu beschreiben und bewerben. Aus erster Hand, und dennoch nicht vom Veranstalter selbst.

Eine runde Sache, mit der niemand reich wird (weil keine skalierbare Geschäftsidee), die sich aber mehr als selbst trägt, und bei der ich mein Know-How mit meinem Wunsch kombinieren kann, selbst wieder mehr mit dem Rad und der Kamera zu erleben. Dachte ich zumindest.

Innere Bilder als Motivation

Wie das so ist beim Unternehmensgründen, sah ich blühende Landschaften vor meinem inneren Auge – und nicht die Feldarbeit. Also ein funktionierendens und verlockendes Fernziel, aus dem ich normalerweise sehr leicht die Motivation für jeden einzelnen Zwischenschritt herauspressen kann, wie süßen Saft aus einer reifen Orange. Ich sehe das Ziel, und dann muss ich nur noch ein paar Monate oder Jahre lang schuften, um dahin zu gelangen. Eine Kleinigkeit, während derer ich in Gedanken bereits die ganze Zeit durch die reifen Gärten spaziere und mich über die Ernte freue. Normalerweise.

Doch einerseit bemerkte ich an mir eine faktische Abneigung dagegen, die vielen Details zu klären. Ich wollte und wollte die Dinge einfach nicht erledigen. Keine großen Sachen, sondern ein Telefonat hier, ein Email dort, eine Einweisung von Mitarbeitern, oder einfach nur ein Buchungsformular auf der Webseite.

Ich sah also die prallen Gärten, wollte mir aber partout keine Gummistiefel zur Sat anziehen.

Ich schob das alles Woche um Woche vor mir her – und verlor den Spaß daran. Ich hatte ein Motivationsproblem. Eine auf den ersten Blick ganz neue Erfahrung für mich.

Selbst ein (schon länger geplantes) NLP-Seminar wollte meiner Motivation in dieser Sache nicht auf die Sprünge helfen. Meine Bilder waren bereits paradiesisch auf allen inneren Kanälen. Mehr Bunt und mehr Groß ging gar nicht, und meine eigenen Methoden sind längst erprobt und taugen locker als Muster für jedes Coaching. Eigentlich.

Die richtigen Farben für das falsche Motiv

Mein Ziel war also definiert, und der Weg zum Ziel ist für mich kein grundsätzliches Problem. Hier lag also etwas anderes falsch.

Es waren nicht die Eigenschaften meiner inneren Bilder. Es war kein Motivationsproblem, wie ich zu den Bildern gelangen könnte.

Sondern die Bilder hatten das falsche Motiv!

Ich plante nämlich Reisen mit Everybike nach Südafrika, nach China und in die Rocky Mountains, und nebenbei wurde dafür gerade mein maßgeschneidertes Weltreiserad gebaut. So weit, so gut.

Doch wenn ich mir dieses Rad vorstelle, dann sehe ich mich damit:

  • Durch Island radeln – und nicht auf den Reisen von Everybike.
  • Alleine – und nicht in einer Gruppe von Everybike.
  • Mit dem Zelt – und nicht in Hotels einer Pauschalreise.

Ich will Reisen wieder selbst erleben und keine Reisen mehr veranstalten.

Es waren gute Gespräche mit Freunden und Mitarbeitern (danke dafür!), die mich auf das richtige Gleis gebracht haben.

Du machst nun genau das, was du an Rundays nicht haben wolltest – sagte die eine. Du brauchst keine Reisen verkaufen um sie zu erleben – sagte der andere. Du willst Freiheit erleben und gehst lauter neue Verpflichtungen ein – sagte ein weiterer.

Ich hatte mir das falsche Bild gemalt.

Darum habe ich gestern die Reißleine gezogen und das Projekt Everybike gestoppt.

Fishing for Cyclists

Zwischen Dänemark und Schweden liegt der Oeresund, eine schöne Region, die durch die neue Brücke zwischen Kopenhagen und Malmö weiter zusammenwächst. In dieser Region sollen fahrradtouristische Produkte entstehen, und als Gründer von Deutschlands größtem Veranstalter von Fahrradreisen (Radweg-Reisen) habe ich dort am 25. Januar 2012 auf einer Konferenz in Roskilde darüber gesprochen, wie wir Fahrradreisen erfolgreich vermarkten.

Meine Slides sind nicht selbsterklärend, aber ich stelle sie dennoch online.

Der Kern meines Vortrags waren drei Dinge:

1. Was ist das touristische Produkt einer Fahrradreise?

Für den Veranstalter sind es auf den ersten Blick die zu organisierenden Bestandteile (Hotels, Gepäcktransport, Wegbeschreibung etc.). Der Gast jedoch kauft jedoch ganz andere Dinge wie Landschaftserlebnis, körperliche Bewegung, Zeit mit Familie und Freunden, Stolz darauf die Tour geschafft zu haben, sorgenfreies Radeln – also Aspekte, die im touristischen Produkt nur indirekt enthalten sind. Vielleicht kann man sogar soweit gehen zu sagen, dass der Gast etwas kauft, was im Produkt (und im gesamten Angebot des Veranstalters) nicht enthalten ist: nämlich all die Touren, die es nicht in den Katalog geschafft haben – also ein indirektes Qualitätsversprechen.

Doch Radreisen werden nicht nur an Gäste verkauft, sondern auch an andere (kooperiernde und konkurrierende) Veranstalter. Ihnen erfüllt man gänzlich andere Bedürfnisse. Sie kaufen Profit, erweiterte Zielmärkte, Loyalität, Zahlungssicherheit etc.

Zugleich macht ein Veranstalter Geschäfte mit den wichtigsten Leistungsträgern, und zwar den Hotels. Sie wollen garantierte und vor allem gleichmäßige Auslastung, prompte Bezahlung, automatische Gutschriften statt eigener buchhalterischer Arbeit etc.

Für jede dieser Zielgruppe sind andere Aspekte entscheidend für zufriedene Geschäftspartner.

2. Welche Strategie ist langfristig erfolgreich?

Ich erzähle von Veranstaltern, die ihren eigenen Gästen soweit misstrauen, dass sie zB die Reiseunterlagen erst dann verschicken, wenn die Stornokosten so hoch sind, dass niemand die Reise absagt, nur um an die Unterlagen zu gelangen. Solche Veranstalter gibt es tatsächlich.

Unsere Strategie ist komplett umgekehrt. Wir versuchen den Besuchern unserer Webseiten dabei zu helfen, dass sie nicht unsere Kunden werden müssen, also ihre Radreise komplett ohne uns organisieren können, wenn sie dies wollen. Das schafft nicht nur Vertrauen, sondern auch Traffic.

3. Flexibel bei der Suche nach dem Produkt bleiben

Wir hatten Portale zu den 40 wichtigsten deutschen Radwegen aufgebaut, um dort mit interessierte Radlern in Kontakt zu treten. Die Strategie ging voll auf, stieß aber bei Radweg Nr. 41 an den Long Tail (der 2/3 aller Radtouristen umfasst). Ich konzipierte Bikemap als Möglichkeit, um die nächsten 1000 Radwege user-generiert zu erfassen.

Bikemap war binnen kurzer Zeit so erfolgreich, dass daraus ein eigenes Start-Up wurde, ich es vom Werkzeug zum Produkt umwandelte.

Für Bikemap entwickelten wir technische Lösungen, um Tausende Routen auf einer Google-Map abzubilden. Und wir bekamen immer häufiger Anfragen von Agenturen und Verlagen, ob wir dieses Know-How verkaufen wollten. Doch wir wollten keine Agentur werden (die Stunden verkauft statt Produkte).

Als die Anfragen immer häufiger wurden, beschlossen wir dieses Know-How in ein eigenes Produkt zu packen, das Maptoolkit.

Heute ist das Maptoolkit unsere Haupteinnahmequelle – und die Flexibilität im Blick auf die eigene Kompetenz hat uns einen spannenden Weg gehen lassen.

Soviel zu meiner knappen Zusammenfassung des Vortrags. Hier nun die Slides.

Interview als Seriengründer

Die Zahl der Fragebögen, die mich zum Thema “Seriengründer” erreichen, steigt schneller als ich Firmen gründen kann. Da muss man aufpassen, dass man vor lauter Reflexion des Gründens das Gründen selbst nicht vergisst. Darum schicke ich auch meist ein “Sorry, keine Zeit, muss gründen” als Absage.

Doch heute hatte ich Lust auf das Interview, und hier sind ein paar meiner Antworten auf die Fragen im Rahmen einer Bachelor-Thesis zum Thema “Serial Entrepreneurship”:

Interview als Seriengründer

Wie viele Unternehmen haben Sie bereits gegründet?

Sechs Firmen sowie vier firmenähnliche Projekte, die allerdings in vorhandenen Firmen laufen.

An wie vielen Unternehmen sind Sie außerdem beteiligt und in welcher Form (Business Angel, Investor, weitere)?

Keine. Meine Stärke liegt darin Dinge selbst anzustoßen. Ich habe kein Indiz dafür, dass ich als Investor gut sein könnte, nur weil ich selbst erfolgreich ein paar Firmen aufgebaut habe.

In wie vielen Unternehmen sind Sie im operativen Geschäft tätig? Was ist Ihre Hauptaufgabe?

Ab Gründung war ich das in jeder, momentan nur noch in einer. In den anderen habe ich die Geschäftsführung nach der Start-Up-Phase abgegeben.

War es von Beginn an Ihr Ziel, die Unternehmen mit einer Exit Strategie aufzubauen?

Nein, gegründet habe ich immer mit dem Ziel die Firma (das Projekt, die Idee) zum Laufen zu bekommen. Sozusagen aus Projektästhetik mit betriebswirtschaftlichem Nebennutzen. „Da muss man doch“ und „da könnte man“ waren immer die ersten Gedanken. Also Marktlücken, die nach Schließung schrien. Der Verkauf kam bislang immer zustande, weil ein Käufer auf mich zukam.

Unterdessen arbeite ich jedoch bei bestehenden und profitabel laufenden Firmen durchaus daran, sie verkaufbar zu machen, dh schon vor konkreten Kaufabsichten die Firma so aufzustellen, dass sie für einen potentiellen Käufer leichter zu durchschauen ist. Also an Entflechtungen, klaren Positionierungen und auch Unabhängigkeiten von meinen anderen Projekten.

Wie haben Sie Ihre Unternehmen finanziert? Über Investoren, private Geldgeber, Bankkredite, eigene Finanzierung, sonstige?

Die allererste durch einen spontan angebotenen Kleinkredit des Steuerberaters, den ich eigentlich nur gebeten hatte, meinen Businessplan Korrektur zu lesen. Eine weitere Firma durch einen Risikokapitalgeber (der bis heute Gesellschafter ist), und alle andere mit eigenem Geld. Alle meine Firmen sind frei von Fremdkrediten, dh ich verzichte auch auf teure Ideen und schnelles Wachstum zugunsten der Unabhängigkeit von Dritten.

Wie schützen Sie sich vor Konkurrenz? Haben Sie dafür eine besondere Strategie?

Damit, dass ich mich mehr anstrenge als meine Konkurrenten. Und vielleicht die besseren Ideen habe. Aber sobald man als Unternehmer müde und faul wird, beißen einen die (fleißigeren) Hunde!

Haben Sie vor, weitere Unternehmen zu gründen? Wenn ja, was ist Ihr Ziel?

Ja, auch wenn das Geldverdienen nicht mehr meine hauptsächliche Motivation ist. Ich liebe es Projektchancen zu suchen, zu finden, Projekte zu initiieren, zum Laufen zu bringen und auf eigene Beine zu stellen, also nach möglichst kurzer Zeit nicht mehr im, sondern am Projekt zu arbeiten. Der Reiz der ersten Stunde eines Projektes ist für mich ungebrochen, die erste Nachtschicht mit zu viel Espresso in meinem Arbeitszimmer ist ein Glückmoment und ein immer wieder von mir gesuchter Flow.

Mich reizen vor allem Projekte, die ich alleine an meinem MacBook mit diversen Tools anstoßen kann, die es so vor 10 Jahren noch nicht gegeben hatte, und die nun keine teuren Experten mehr erfordern. Das Gründen ist sehr viel einfacher geworden.

Der monetäre Aspekt bei der Gründung ist mir nicht mehr so wichtig, weil mein Auskommen bereits gesichert ist. Das genieße ich vor allem deswegen, weil es die Spanne möglicher neuer Projekte auf solche vergrößert, die nicht kurzfristig betriebswirtschaftlich motiviert sind.

Welche Kriterien müssen eine Idee und/oder ein Konzept erfüllen, damit Sie es als erfolgsversprechend ansehen?

Es muss ein vorhandenes Bedürfnis stillen. Ein Bedürfnis, das existiert, auch wenn es vielleicht noch niemand bewusst wahrgenommen und ausgesprochen hat.

Haben Sie eine bestimmte Branche auf die Sie sich spezialisieren? Wenn ja, warum? Warum sind andere Branchen nicht interessant für Sie?

Jein – meine Firmengründungen begannen im Fahrradtourismus und sind momentan in der Web-Technologie. Dennoch gibt es einen klaren roten Faden, der sich vom ersten bis zum momentenen Projekt zieht. Das ist jedoch weniger ein Vorsatz, als viel mehr die Tatsache, dass ich stets dort neue Projekte finde, wo sich gerade meine Aufmerksamkeit befindet. Andere Branchen sind also interessant, aber ich bewege mich nur Schritt für Schritt von Branche zu Nachbarbranche weiter.

Gründen Sie lieber im Team oder alleine?

Alleine. Augenzwinkernd begründe ich das mit meinen zwei linken Gehirnhälften, meinem Halbautismus und der Tatsache, dass ich Einzelkind war. Faktisch hat es auch mit meinem sehr hohen Arbeitstempo zu tun in der Gründungsphase, in dem ich mit diversen lieb gewonnenen Tools eine Produktivität besitze, die durchaus einem Team von 10 weniger erfahrenen Gründern vorweggründet. Bevor ich Dinge in der Anfangsphase kommuniziert hätte, habe ich sie selbst längst erledigt.

Allerdings gibt es auch ein paar Dream-Partner, mit denen ich jederzeit gerne (wieder) etwas Neues anstoßen würde.

Wie darf man sich bei Ihnen einen typischen Arbeitstag vorstellen? Wie schaffen Sie es, den Überblick über Ihre Unternehmen zu bewahren? Haben Sie spezielle Techniken entwickelt, sich nicht zu verzetteln?

Den gibt es nicht, und er änderte sich im Laufe der Jahre. Momentan habe ich (zum Glück) keine operative Rolle mehr, dh ich muss nicht mehr in den Firmen arbeiten, sondern kann mich also ganz auf das Gründen und die Arbeit an den Firmen konzentrieren. Und das hat keinen Rhythmus. Ich spreche viel mit Leuten. Ich reise sehr viel, bin über 50% der Nächte außer Haus. Ich bin sehr pro-aktiv, dh ich besuche interessante Leute offensiv. Es ist hoffentlich nicht leicht mir meinen bei Bedarf auch vehementen Wunsch nach einem Kennenlernen und einem Gespräch abzuschlagen. Meine Geschäft laufen also meist über persönliche Beziehungen. Ich habe immer ein Notizbuch bei mir (und nutze zunehmend alternativ Evernote). Ich lese sehr viel, etwa 5 Bücher pro Woche, viele Webseiten und Zeitungen. Meine Arbeit sieht in der Ideenfindungsphase nicht wie Arbeit aus, und das echte Starten eines Projektes ist nicht die häufigste Tätigkeit, sondern eher die Suche danach.

Ich verliere den Überblick immer wieder. Und dann muss ich dort Feuer löschen, wo es brennt. Und Lösungen implementieren, damit das nicht wieder passiert. Aber generell bin ich sehr zufrieden mit meinen Teams, die fast alle Entscheidungen alleine treffen sollen, fast jeden Fehler machen dürfen – zumindest jeden einmal.

Ich verzettele mich regelmäßig. Und dann wird in meinen Projekten aufgeräumt. Das ist Teil der Arbeit.

Was ist Ihre Motivation zum Gründen? Was ist Ihr Hauptziel? Was ist der besondere Reiz?

Eine Lücke zu sehen, dort ein Projekt zu initiieren oder ein Unternehmen zu gründen, das die Lücke schließt und das fortan autark bestehen bleibt – das ist der mich faszinierende ästhetische Reiz.

Waren Sie jemals Angestellter? Wenn ja, was war der Grund einen sicheren Arbeitsplatz gegen das risikoreiche Gründen zu tauschen?

Nein. Ich habe schon als Schüler Projekte und Einzelunternehmen gegründet. Wenn ich die alle mitzähle, bin ich als Seriengründer übrigens längst zweistellig.

Gibt es besondere Charaktereigenschaften, die Ihrer Meinung nach besonders wichtig sind als Gründer?

Die Bereitschaft sich mehr anzustrengen als andere. Ein großes Maß an Selbstsicherheit, jedoch ohne die Fähigkeit zu verlieren Feedback zu suchen und anzunehmen. Schneller denken und arbeiten als andere. Gute Organisation der eigenen Sachen. Die Lust und Sucht sich stets weiter zu entwickeln. Einsamkeit zu ertragen.

Was waren die schwierigsten Momente, die Sie als Gründer erlebt haben?

Schulden zu haben und von den Kreditentscheidungen anderer anhängig zu sein. Das ist mir zwei Mal passiert, und das soll mir nie wieder passieren. Darum gründe ich wohl auch lieber klein und nur mit eigenem Geld.

Trennungen von Mitgründern waren immer schmerzlich, aber das hält mich nicht davon ab, auch weiterhin bei Gelegenheit Dinge im kleinen Team zu gründen.

Entlassungen. Wie bei jedem Geschäftsführer.

Sind Sie der Meinung, dass fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse von Nöten sind, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, oder glauben Sie, dass die Idee, der Wille und die richtigen Partner gepaart mit einem ausgereiften Konzept genügen?

Nein, ein BLW-Studium hätte mir nicht geholfen. Ich kann bis heute kaum Bilanzen lesen. Aber man muss Leute kennen, die das können. Ein Projekt kalkulieren zu können reicht. Mein Mathestudium war dafür also keine Hilfe – außer vielleicht als Übung präzise zu denken.

Nutzen Sie Komponenten für Ihre Unternehmen (z.B. Fulfillment, Outsourcing im Bereich Buchhaltung, Design, usw.)?

Ja klar. Und der Umgang mit diesen herrlichen Tool ist einer der Schlüssel zum Erfolg. Man kann damit die eigene Produktivität vervielfachen. Diese Tools werden jedes Jahr besser und günstiger (bzw meist sogar gratis). Beispiele sind Evernote, Logotournament, WordPress, Google-Docs, Basecamp, Highrise etc.

Was können Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Keine allgemeinen Tipps. Die bekam ich damals auch nicht, bzw ich habe sie nie angenommen.

Aber ich kommuniziere meine Rolle recht offen, blogge und facebooke über Ideen, Erfolge, Misserfolge und meinen täglichen Kampf gegen Prokrastination und Reisemonster. So hat sich eine gewisse Rolle als Seriengründer ergeben, die ich zB auch in Vorträgen ausübe. Damit komme ich regelmäßig in Kontakt mit potentiellen Gründern, die dann vor allem implizit erkennen, wie und wer ich bin. Daraus sollen sie ihre eigenen Schlüsse ziehen.

Ich selbst hatte und habe auch immer Vorbilder, und sie waren (oft ohne es zu wissen) meine größten Hilfen.

Wie man Kinder zu Unternehmern erziehen kann

Talente fallen nicht vom Himmel, sondern sie werden erworben. Durch Training, Vorbild und Erziehung.

Wer’s nicht glaubt, dem empfehle ich das hervorragende Buch „Outliers“ (dt: „Überflieger“) von Malcolm Gladwell (gibt’s bei Amazon als deutsches Taschenbuch und als deutsches Kindle eBook).

Der kanadische Seriengründer Cameron Herold hat klare Vorstellungen davon und viele gute Erfahrungen darin, wie man Kindern Lust auf unternehmerisches Denken machen kann.

Unser Schulsystem zielt zu sehr darauf ab, dass aus Kindern Arbeitnehner werden, und nicht darauf, dass sie Arbeitgeber werden. Unser Bildungssystem zielt zu sehr darauf ab, uns in unseren Schwächen wenigstens mittelmäßig werden zu lassen, statt in unseren Stärken brilliant.

Cameron Herold ist Enkel zweier Unternehmer. Und Kind eines Unternehmers. Und Bruder von zwei Unternehmern. Nachdem er selbst mehrere Unternehmen gegründet hat, unterrichtet er nun Unternehmertum am MIT.

Seine eigene Schulkarriere verlief schwach. Er könnte sich als Versager fühlen, wenn seine Eltern ihm nicht seine Stärken vor Augen geführt hätten – Stärken, die an Schulen als Schwächen gesehen werden.

Eine davon ist ADS. Manche sehen es als in Schulen immer häufiger diagnostizierte Krankheit. Cameron Herold hatte als Kind (und hat noch immer) 18 von 19 möglichen Symptomen von ADS.

Doch sieht er das als Stärke. Und nennt ADS die “Unternehmerkrankheit”. Und listet eine Menge von bekannten Unternehmern auf, die unter ADS litten. Oder besser gesagt: mit und wegen ADS erfolgreich sind.

Seine eigenen Kinder erzieht er nun ebenfalls zu potentiellen Unternehmern.

In diesem fantastischen Vortrag beschreibt er unter anderem, warum Taschengeld für Kinder Gift ist und was er seinen Kindern statt dessen gibt:


Link zum Film auf TED.com

Interview mit wtfjeans.com

Auf dem Barcamp Bodensee 2010 sprach ich mit Sanja und Pedja von wtfjeans.com – ausgesprochen “what the fuck jeans…”.

Vor einem halben Jahr besaßen die beiden (wie Millionen andere) je ein iPhone und ärgerten sich (wie Millionen andere), dass diese Dinger so schlecht in die Hosentaschen passten.

Also gingen sie zu einer Schneiderei, um sich zwei Paar Jeans nähen zu lassen mit speziellen Taschen fürs iPhone. Nachdem praktisch jeder ihrer Freunde “Oh, und für mich bitte auch eine” rief, packten sie ihren serbisch-französischen Unternehmergeist und vor allem ihre Kompetenz im Umgang mit Social Media in eine Tüte und sagen “was soll’s”. Oder eben auf Englisch “what the fuck”.

Und ließen 1.000 Paar ihrer neuen What-the-Fuck-Jeans produzieren.

Ihre Webseite ging abends online, am nächsten Tag schrieb Mashable darüber, bald auch Engadget und andere, und in den folgenden Tagen wurden Hunderte ihrer Jeans bestellt.

Mit Twitter und Co machten die beiden effektiv auf sich aufmerksam – sie haben bis heute keine Pressemitteilung, und sie haben bis heute kein einziges Medium kontaktiert. Vielmehr nutzen sie Social Media so geschickt, dass sich die Medien bei ihnen melden und am Ende keine Pressemitteilungen abdrucken, sondern echte Artikel schreiben. Wunderbar!

Ich fand ihre Geschichte so spannend, dass ich sie interviewt habe.

Und anschließend habe ich meine WTFjeans bestellt – doch mehr davon im Interview:

Interview with WTF-jeans from Peter Eich on Vimeo.