Verlage und das neue Jahrtausend

Das Beste am Autofahren ist der Deutschlandfunk – ich kenne keinen besseren Radiosender.

Als ich gestern kurz in meinem Auto fuhr, hörte ich eine Sendung zum Jahr der Chemie, in der drei lesenswerte populärwissenschaftliche Sachbücher vorgestellt wurden, darunter auch “Kettenreaktion” von Hubert Mania.

Ich wollte das Buch sofort lesen, hielt kurz an und suchte mit meinem iPhone nach dem Buch, so lange ich mir Autor und Titel noch merken konnte.

Doch weder in iBooks noch im Kindle-Store war der Autor bekannt.

Einzig bei Amazon könnte man den Titel “auf toten Bäumen” kaufen – mit einer Lieferzeit von 9 bis 12 Tagen.

Mir geht es weder darum Bäume oder gar die ganze Welt zu retten, schließlich fuhr ich gestern mit dem Auto und nicht im Zug.

Vielmehr bin ich überzeugt davon, dass Bücher auf Papier eine richtig gute Idee waren. Und zwar vom 15ten Jahrhundert bis zum Ende des letzten Jahrtausends. Also bis vor etwa 11 Jahren.

Doch ich lebe in der Gegenwart, und der Zeiger der Jahrtausende ist mittlerweile um einen Zähler weiter gerückt – auch wenn die meisten deutschen Verlage das entweder noch nicht bemerkt haben, oder es schlicht nicht wahr haben wollen.

Mich interessiert weder ein bestimmtes Stück Papier, noch lege ich Wert darauf, dass umständlich im Voraus eine Tonne davon bedruckt, gebunden, gelagert, versendet und vorfinanziert wird. Mich interessiert nur das Buch – und das ist nicht seine willkürliche physische Form, sondern sein Inhalt. Und der könnte vier Sekunden später auf meinem iPad sein und nicht erst 12 Tage später in meinem Bücherregal.

Nachdem ich auf Twitter und Facebook meinen Ärger kund getan hatte, bekam ich wenige Augenblicke später von einem befreundeten Autor den Hinweis darauf, dass man das Buch sehr wohl digital erwerben könne.

Gelesen – getan. Ich bezahlte also 19,90 Euro für ein “epub eBook”, lud mir pflichtbewusst Adobe Digital Editions herunter, und begann mich bereits zu ärgern. Was für ein schreckliches Programm, jenseits jeder Usability. Doch so richtig enttäuscht wurde ich erst, als ich feststellte, dass ich das Buch weder auf meinem iPad noch auf dem iPhone lesen konnte.

Hallo – wie ungemütlich es denn ein Buch auf dem Bildschirm meines MacBook hinter 79 leuchtenden Tasten zu lesen?

Klar, theoretisch konnte ich das gekaufte Buch nun lesen. Aber theoretisch gibt es auch schon seit 10 Jahren Vorgänger des iPad, die alle wesentlichen Funktionen beinhalteten.

Doch FAKTISCH kommt es auf die Benutzerfreundlichkeit an. Und wer mir für 20 Euro ein Buch verkauft, das ich nur am Schreibtisch lesen kann und weder gemütlich im Bett noch gemütlich in meinem Lesesessel, der gewinnt in mir keinen benutzenden Freund, sondern nur einen enttäuschten Kunden.

Trotz aller Versuche und Workarounds konnte ich mein neues und durch mein Adobe-Passwort vor mir selbst (!) geschütztes Buch nicht dort lesen, wo ich alle meine Bücher lese: auf meinem iPad.

Die Email-Adresse des Autors konnte ich auf die Schnelle nicht finden. Darum wurde ich “Freund” vom Rowohlt-Verlag und schrieb meinen Frust an dessen Facebook-Wall sowie per Twitter in dessen Stream.

Als ich einen Tag später mein digitales Fenster öffnete, fand ich jede Menge an mich persönlich gerichtete Tipps, wie ich den DRM-Schutz von meinem digitalen Buch entfernen könne, um es anschließend bequem dort zu lesen, wo ich es lesen möchte.

Schließlich kaufe ich mir kein Buch, das ich anschließend nur am Schreibtisch unter Neonlicht lesen darf und das unsichtbar wird in dem Moment, wo ich es in mein Wohnzimmer trage. Teufelnochmal!

Also googelte ich ein wenig herum und stellte ohne Erstaunen fest, dass ich weder der erste noch der einzige mit diesem Problem bin, und dass andere Leute längst diverse Lösungen aufgeschrieben haben, wie ich mein Problem lösen kann.

Kein Wunder sind “Raubkopien” von Büchern plötzlich die größte Bedrohung von Verlagen. Wer sich dem Verlauf der Geschichte nicht stellt, an dem geht die Geschichte nämlich einfach vorüber.

Und in diesem Zusammenhang bitte nicht Verlage mit Büchern, Autoren, Buchkultur und Kultur verwechseln. Alle Letzgenannten können nämlich sehr gut leben ohne die Verlage. Und vielleicht sogar noch besser als mit ihnen.

Mit einer gewissen Ironie der zeitlichen Abfolge antwortete mir exakt 7 Minuten zu spät übrigens der Rowohlt-Verlag.

Artikel „Warum ich wegen der japanischen Kernkraftwerke nicht besorgt bin“

Ein Wort vorab (am 16.3., also eigentlich Update 4): Die Ereignisse haben die in diesem Artikel geäußerten Voraussagen leider überholt. Ich lasse ihn dennoch unverändert stehen, denn er ist vielfach verlinkt. Der ursprüngliche englische Artikel wurde mittlerweile auf den MIT NSE Nuclear Information Hub umgezogen, wo nun auch die neueren Ereignisse nach jeweiligem Kenntnisstand (von Studenten der Kerntechnik) erklärt werden.


Dies ist eine Übersetzung des englischen Artikels von Dr. Josef Oehmen (Twitter), der am 13.3. meistgetweetete Artikel des Webs.

Ein Englischlehrer aus Australien lebt in Japan. Er fragt seinen entfernten Verwandten Josef Oehmen um Rat, wie er die Vorfälle im japanischen Kernkraftwerk besser einschätzen könne, und Josef schreibt ihm ein langes Email als Antwort. Dieses Email postet der Englischlehrer auf einem Blog, und so entstand der Original-Artikel, den ich übersetzt habe.

Josef Oehmen schildert und bewertet als Wissenschaftler die Vorgänge im den japanischen Kernkraftwerk und hat mir gestattet den Text zu übersetzen und zu veröffentlichen.

Inhaltlich möchte ich seinen Text weitgehend unkommentiert lassen, auch wenn mir einige Teile seiner Bewertungen nicht gefallen. Denn natürlich ist ein solcher Unfall mindestens für die evakuierten Anwohner mehr als bedauerlich, und allemal für die verletzten Mitarbeiter. Außerdem sind mir z.B. widersprüchliche Informationen untergekommen zu der Frage, ob der Reaktor über einen Kernfänger (“core catcher”) verfügt oder nicht. Was freilich nicht zwangsläufig bedeutet, dass im Artikel unzutreffende Fakten behauptet werden. Ich halte den Text insgesamt für aufklärend genug, als dass ich ihn hier veröffentliche.

Ich selbst bin kein Physiker und habe den Text rasch übersetzt. Wer die Übersetzung verbessern möchte, kann dies gerne tun und mit eine Mail schreiben an mail ät petereich.com. Ich werde dann Zugang gewähren zu einem Google-Doc, wo wir die Übersetzung gemeinsam verbessern können.

Update 1: Die TAZ bezieht sich in einem Kommentar auf meine Übersetzung. Das in meinen Augen überraschende und interessante Fazit des Kommentars:

In Deutschland geht man inzwischen auf allen Seiten des politischen Spektrums davon aus, dass Fukushima das Ende des Atomzeitalters besiegelt – die Kernenergie sei schlicht nicht beherrschbar. Viele Ingenieure sehen das vermutlich anders: Gerade Fukushima könne beweisen, dass auch unter extremsten Bedingungen ein Unfall in einem Atomkraftwerk beherrschbar sei. Vermutlich ist beides richtig, je nach Blickwinkel.

Update 2: (14.3., 21:30h) Ich habe die Übersetzung nun noch ein zweites Mal durchgesehen und an einigen Stellen verbessert, Hervorhebungen und die Links eingefügt.

Update 3: (15.3., 16:35h) Server war down und Blog unerreichbar. Läuft nun wieder. Danke für die Hinweise.

Und hier ist der Artikel:


Josef Oehmen: Warum ich wegen der japanischen Kernkraftwerke nicht besorgt bin

Ich schreibe diesen Text (am 12. März), um dich etwas zu beruhigen im Hinblick auf die Probleme mit der Sicherheit japanischer Kernreaktoren. Eines vorab: die Lage ist ernst, aber unter Kontrolle. Und dieser Text ist lang! Aber du wirst nach dem Lesen dieses Artikels mehr über Kernkraftwerke wissen, als alle Journalisten der Welt zusammen.

Es gab und wird keine signifikante Freisetzung von Radioaktivität geben.

Mit „signifikant“ meine ich eine Strahlendosis, die höher ist, als die bei einem normalen Langstreckenflug oder durch das Trinken von einem Glas Bier, das aus einer Gegend mit natürlich höherer Radioaktivität kommt.

Ich habe jede Pressemitteilung über den Vorfall seit dem Erdbeben gelesen. Und es gab keinen einzigen (!) Bericht, der präzise und fehlerfrei war (und ein Teil dieses Problems ist auch die Qualität der japanischen Krisenkommunikation). Mit „fehlerfrei“ meine ich nicht den tendenziösen Anti-Atomkraft-Journalismus – er ist eine normale Erscheinung in diesen Tagen. Mit „fehlerfrei“ meine ich vielmehr eklatante Fehler in Physik und Naturwissenschaft sowie grobe Fehlinterpretation von Tatsachen aufgrund eines offensichtlichen Mangels an fundamentalen und einfachem Verständnis der Art und Weise wie Atomreaktoren gebaut und betrieben werden. Ich habe einen dreiseitigen Artikel auf CNN gelesen, wo jeder einzelne Absatz fehlerhaft war.
Wir müssen uns einigen Grundlagen zuwenden, bevor wir dazu kommen, was gerade in Japan passiert.

Der Bau der Kernkraftwerke in Fukushima

Die Kernkraftwerke in Fukushima sind so genannte Siedewasserreaktoren (auch SWR genannt). Sie funktionieren ein wenig wie ein Schnellkochtopf. Der Kernbrennstoff erhitzt Wasser, das Wasser beginnt zu kochen, es entsteht Wasserdampf, und dieser Dampf treibt Turbinen an, die elektrischen Strom erzeugen. Der Dampf wird anschließend abgekühlt, er kondensiert und wird wieder zu Wasser, das dann eine weitere Runde im Kreislauf nimmt und erneut vom Kernbrennstoff erhitzt wird. Dieser Schnellkochkopf arbeitet bei einer Temperatur von etwa 250 Grad Celsius.

Der Kernbrennstoff ist Uranoxid. Das ist eine Keramik mit sehr hohem Schmelzpunkt von etwa 3.000 Grad Celsius. Der Brennstoff wird in Form von kleinen Pellets hergestellt (das sind kleine Zylinder in der Größe von Lego-Steinen). Diese Stücke werden dann in eine lange Stange gefüllt, das aus der Metall-Legierung Zircaloy besteht und anschließend dicht verschlossen wird. Zircaloy beginnt bei etwa 2.200 Grad Celsius zu schmelzen. Diese Stangen werden Brennstoffhüllen genannt. Diese Brennstäbe werden nun zu größeren Einheiten zusammengefasst und in den Reaktor eingeführt. Alle diese Pakete zusammen werden als „der Kern“ genannt.

Der Zircaloy-Behälter ist der erste Sicherheitsbehälter („erstes Containment“). Es trennt den radioaktiven Brennstoff vom Rest der Welt.

Der Kern befindet sich im Druckbehälter. Das ist der Schnellkochtopf, von dem wir eben sprachen. Der Druckbehälter ist der zweite Sicherheitsbehälter („zweites Containment“). Es ist ein rubuster Topf, der dazu entworfen wurde, um den Kern bei Temperaturen von mehreren Hunder Grad Celsius sicher zu halten. Das entspricht den Szenarien, wenn die Kühlung irgendwann wieder hergestellt sein wird.

Die gesamte „Hardware“ des Kernreaktors – der Druckbehälter, alle Rohrleitungen, Pumpen und Kühlmittelvorräte (Wasser) sind vom dritten Sicherheitsbehälter („drittes Containment“) umgeben. Der dritte Sicherheitsbehälter ist eine hermetisch (luftdicht) verschlossene sehr dicke Kugel, hergestellt aus dem stärksten Stahl und Beton. Dieses dritte Containment wurde geplant, gebaut und gestestet um nur einen einzigen Zweck zu erfüllen: um auf unbestimmte Zeit einer kompletten Kernschmelze standzuhalten. Aus diesem Grund befindet sich im dritten Sicherheitsbehälter unter dem Druckkessel (dem zweiten Sicherheitsbehälter) ein großes und dickes Betonbecken. Dies ist der sogenannte Kernfänger („core catcher“). Falls der Kern schmilzt und der Druckbehälter platzt (und eventuell elbenfalls schmilzt), wird der Kernfänger den geschmolzenen Brennstoff und alles andere auffangen. Er ist üblicher Weise so gebaut, dass der Brennstoff sich flächig verteilt und somit schneller abkühlt.

Dieser dritte Sicherheitsbehälter ist wiederum umgeben vom Reaktorgebäude. Das Gebäude ist eine Hülle, die das Wetter fernhält, aber keine Funktion bei der Zurückhaltung von Radioaktivität hat. (Dies ist der durch die Explosion beschädigte Teil, aber mehr dazu später.)

Grundlegendes zur Kernreaktion

Die Uran-Brennelemente erzeugen Wärme durch Kernspaltung. Große Uran-Atome werden dabei gespalten in kleinere Atome. Das erzeugt Wärme, und es entstehen Neutronen (eines der Teilchen, aus denen Atome bestehen). Wenn ein solches Neutron ein anderes Uran-Atom trifft, spaltet es dieses, und weitere Neutronen entstehen, und so weiter. Dieser Prozess wird nukleare Kettenreaktion genannt.

Wenn man nun einfach eine Menge solcher Brennstäbe nebeneinander packt, dann würde eine solche Kettenreaktion schnell zu einer Überhitzung führen, und nach etwa 45 Minuten würden die Brennstäbe schmelzen und damit eine Kernschmelze stattfinden. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Kernbrennstoff in einem Kernkraftwerk niemals eine nukleare Explosion auslösen kann, wie sie zum Beispiel bei einer Atombombe stattfindet. Eine Atombombe zu bauen ist sogar sehr kompliziert (frage den Iran danach). Die Explosion seinerzeit in Tschernobyl war verursacht durch einen übermäßigen Druckaufbau, einer Wasserstoff-Explosion und dem Bruch aller Sicherheitsbehälter und trieb geschmolzenes Kernmaterial in die Umwelt (eine „schmutzige Bombe“). Warum das in Japan weder stattfand noch passieren wird – dazu später mehr.

Um eine nukleare Kettenreaktion zu steuern, verwenden die Betreiber des Reaktors so genannte Steuerstäbe. Diese Steuerstäbe absorbieren die Neutronen und stoppen die Kettenreaktion augenblicklich. Ein Kernreaktor ist so gebaut, dass im Normalbetrieb alle Steuerstäbe herausgezogen sind. Das Kühlwasser transportiert alle entstehende Wärme in der Menge weg, wie der Kern sie produziert (und verwandelt verwandelt sie in Dampf und Elektkrizität). Und es gibt einen großen Spielraum rund um die normale Betriebstemperatur von 250 Grad Celsuis.

Die Herausforderung besteht darin, dass selbst nach dem Einführen der Stäbe und dem Stoppen der Kettenreation, der Kern weiterhin etwas Wärme produziert. Die Kettenreaktion des Uran ist gestoppt, aber das Uran hatte bei seiner Spaltung einige radioaktive Spaltprodukte geschaffen. Dies sind vor allem Cäsium- und Jod-Isotope, also radioaktive Varianten dieser Elemente, die bald selbst in kleinere Atome zerfallen und dann nicht länger radioaktiv sein werden. Diese Elemente zerfallen also noch und produzieren dabei weiter Wärme. Weil sie selbst aber nicht länger aus dem Uran entstehen (das Uran hörte ja auf zu zerfallen, seit die Kontrollstäbe eingeführt wurden), werden sie weniger und weniger, und so kühlt der Kern ab im Zeitraum von einigen Tagen, bis diese Zwischenelemente irgendwann alle zerfallen sind.

Diese Nachzerfallswärme ist es also, worüber man sich momentan Sorgen macht.

Die erste Art von radioaktivem Material sind also das Uran in den Brennstäben sowie die Spaltprodukte, in die das Uran zerfällt (Cäsium und Jod) – beides befindet sich in den Brennstäben.

Es entsteht aber noch eine zweite Art von radioaktivem Material, und zwar außerhalb der Brennstäbe. Der große Hauptunterschied vorweg: diese radioaktiven Stoffe haben eine sehr kurze Halbwertszeit und zerfallen darum schnell in weitere und nicht-radioaktive Stoffe. Mit „schnell“ meine ich innerhalb von Sekunden. Wenn also solches radioaktives Material in die Umwelt gelangen, dann: ja, es wurde Radioaktivität freigesetzt, aber auch: nein, es ist überhaupt nicht gefährlich. Warum? Weil du nur „R-A-D-I-O-N-U-K-L-I-D“ zu buchstabieren brauchst, und schon werden die Stoffe harmlos sein, denn sie sind bereits ins nicht-radioaktive Elemente zerfallen. Diese radioaktiven Elemente sind N-16, die radioaktiven Isotope (Arten) von Stickstoff (Luft). Die anderen sind Edelgase wie Argon. Aber woher stammen sie? Wenn das Uran zerfällt, dann entsteht ein Neutron (siehe oben). Die meisten dieser Neutronen treffen andere Uran-Atome und halten damit die Kettenreation am Laufen. Aber einige der Neutronen verlassen den Brennstab und treffen auf ein Wassermolekül oder auf die Luft, die sich im Wasser befindet. Dabei kann ein nicht-radioaktives Element das Neutron einfangen. Es wird damit radioaktiv. Aber wie oben beschrieben, wird es das Neutron schnell (binnen Sekunden) verlieren und wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück kehren.

Diese zweite Art von Radioaktivität ist sehr wichtig wenn wir später davon sprechen, dass Radioaktivität in die Umwelt gelangen kann.

Was in Fukushima passiert ist

Ich werde versuchen die wichtigsten Fakten zusammenzufassen. Das Erdbeben, das Japan getroffen hat, war 5 Mal stärker als das schlimmste Erdbeben, dem standzuhalten das Kernkraftwerk kontruiert wurde (die Richterskala ist logarithmisch; der Faktor zwischen 8,2, wofür die Anlage gebaut wurde, und den eingetretenen 8,9 ist 5 und nicht 0,7). Also eine erste Gratulation an die japanischen Ingenieure, weil alles [dem Erdbeben] standgehalten hat.

Als das Erdbeben mit 8,9 stattfand, schalteten sich die Reaktoren automatisch ab. Innerhalb von Sekunden nach dem Beginn des Erdbebens wurden die Kontrollstäbe in den Kern eingeführt und die nukleare Kettenreaktion des Urans stoppte. Nun musste das Kühlsystem die Restwärme abtransportieren. Die Menge der Restwärme beträgt etwa 3% der Wärmelast unter Normalbetrieb.

Das Erdbeben zerstörte die von außen kommende Stromversorgung des Kernreaktors. Das ist einer der gefährlichesten Unfälle für ein Kernkraftwerk, und dementsprechend wird viel Aufmerksamkeit darauf verwendet, den Umgang mit einem solchen Black-Out zu planen. Es wird Strom benötigt um die Kühlpumpen zu betreiben. Weil aber das Kraftwerk selbst herunter gefahren wurde, kann es selbst keinen Strom mehr erzeugen.

Für eine Stunde liefe die Dinge nach Plan. Eine Gruppe von mehreren Diesel-Notstrom-Generatoren sprang an und produzierte die benötigte Elektrizität. Dann kam der Tsunami und war viel größer als die Leute ihn erwarteten, als sie das Kraftwerk geplant hatten. Der Tsunami zerstörte alle diese Backup-Dieselgeneratoren.

Wenn ein Kernkraftwerk geplant wird, verfolgen die Ingenieure eine Philosophie, die „Verteidigung in Tiefe“ (Defense of Depth) genannt wird. Sie bedeutet, dass man erstmal jedes Teil so baut, dass es der schlimmsten denkbaren Katstrophe widerstehen kann, um dann das Kraftwerk dann so zu kontruieren, dass es trotz Ausfall eines jeden Teiles weiter funktioniert (ein Ausfall, von dem man angenommen hatte, das er niemals eintritt). Ein Tsunami, der alle Backup-Generatoren zerstört, ist ein solches Szenario. Die letzte Verteidigungslinie besteht darin, dass alles vom dritten Sicherheitsbehälter umschlossen wird (siehe oben), so dass alles im Reaktor zusammengehalten wird, egal wie groß das Chaos ist, egal ob die Kontrollstäbe eingeführt sind oder nicht, egal ob der Kern geschmolzen ist oder nicht.

Als die Diesel-Generatoren ausgefallen waren, wechselten der Reaktor-Betreiber zu Notfall-Batteriestrom. Die Batterien sind als eines der Backups eines Backups konstruiert, um die Stromversorgung der Kühlung des Kerns für 8 weitere Stunden sicherzustellen. Und sie haben funktioniert.

Innerhalb dieser 8 Stunden muss für das Kernkraftwerk eine andere Stromquelle gefunden werden, mit der es verbunden wird. Das Stromnetz war jedoch durch das Erdbeben zerstört. Die Diesel-Generatoren waren vom Tsunami zerstört. Darum wurden fahrbare Diesel-Generatoren herangeschafft.

Und an dieser Stelle begannen die Dinge ernsthaft schief zu gehen. Die externen Generatoren konnten nicht mit dem Kraftwerk verbunden werden (die Stecker passten nicht). Nachdem die Batterien verbraucht waren, konnte darum die Restärme nicht länger abtransportiert werden.

An dieser Stelle beginnen die Betreiber einem Notfallplan zu folgen, der eintritt im Fall eines „Kontrollverlustes der Kühleinheit“. Dies ist wiederum ein Schritt entlang der „Verteidigung in Tiefe“. Die Stromversorgung der Kühlsysteme hätte niemals komplett ausfallen dürfen, aber sie tat es, und so begann der Rückzug auf die nächste Verteididungslinie. All dies, wie sehr es uns auch schockiert, ist ein Teil des tagtäglichen Trainings, das man als Betreiber durchläuft, bis hin zur Handhabe einer Kernschmelze.

Zu diesem Zeitpunkt begannen die Menschen von einer Kernschmelze zu sprechen. Denn am Ende des Tages, wenn die Kühlung nicht wiederhergestellt werden kann, wird der Kern schließlich schmelzen (nach Stunden oder Tagen), und in dieser letzten Verteidigungslinie würden der Kernfänger und das dritte Containment ins Spiel kommen.

Aber das Ziel war es in diesem Moment erstens den Kern unter Kontrolle zu behalten während er sich erhitzte, und außerdem den zweiten Sicherheitsbehälter (den Druckbehälter) so lange wie möglich intakt und operativ kontrollierbar zu behalten, um den Ingenieuren die Zeit zu geben, das Kühlsystem zu reparieren.

Weil die Kühlung des Kerns so wichtig ist, besitzt der Reaktor eine Vielzahl von Kühlsystemen, und jedes davon in mehreren Versionen (das Wasserreinigungssystem des Reaktors, die Nachwärmeabfuhr, die Isolierung des Reaktorkerns, die Standby-Flüssigkeitskühlung und die Notfall-Kühlsysteme des Reaktorkerns). Welche davon aufielen und welche davon funktionierten ist zum momentanen Zeitpunkt nicht klar.

Also stelle dir vor, unser Schnellkochtop steht weiterhin auf dem Herd, die Platte ist zwar auf niedriger Stufe, aber sie ist angeschaltet. Die Betreiber nutzen jedes Kühlsystem, das ihnen zur Verfügung steht, um so viel Wärme abzutransportieren wie möglich, aber der Druck steigt dennoch an. Die Prorität besteht nun einerseits darin, das Funktionieren des ersten Sicherheitsbehälters zu garantieren (also die Temperatur der Brennstäbe unterhalb von 2.200 Grad Celsius zu halten), und andererseits das Funktionieren des zweiten Sicherheitsbeälters, dem Druckbehälter. Um das Funktioneren dieses Druckbehälters (also das zweite Containment) zu gewährleisten, muss von Zeit zu Zeit Druck abgelassen werden. Weil die Möglichkeit dies zu tun so wichtig ist, hat der Reaktor 11 Druckablassventile. Der Betreiber begann an dieser Stelle also von Zeit zu Zeit Dampf abzulassen, um den Druck zu kontrollieren. Die Temperatur betrug in diesem Moment etwa 550 Grad Celsius.

Dies ist die Stelle, als erste Berichte über die austretende Radioaktivität hereinkamen. Ich glaube ich habe weiter oben klar gemacht, warum Dampfablassen zwar theoretisch dasselbe ist wie die Freisetzung von Radioaktivität, es aber weder gefährlich ist noch war. Weder der radioaktive Stickstoff noch die Edelgase bedrohen die menschliche Gesundheit.

Irgendwann während dieser Entlüftung kam es zur [ersten] Explosion. Sie ereignete sich außerhalb des dritten Sicherheitsbehälters (unserer „letzten Verteidiungslinie“) und dem Reaktorgebäude. Denke daran, dass das Reaktorgebäude keine Funktion hat die Radiaktivität einzudämmen. Es ist im Moment nicht ganz klar, was genau passiert ist, aber es ist wahrscheinlich folgendes Szenario: Der Betreiber entschied den Dampf nicht direkt in die Umwelt abzulassen, sondern zuerst in den Raum zwischen dem dritten Containment und dem Reaktorgebäude (um der Radioaktivität im Dampt mehr Zeit zu geben zu zerfallen). Das Problem ist bei so hohen Temperaturen, die der Kern zu dieser Zeit bereits erreicht hatte, dass sich Wassermolekühle in Wasserstoff und Sauerstoff trennen können – eine explosive Mischung. Und kam zu einer Explosion, und zwar außerhalb des dritten Sicherheitsbehälters, und das Reaktorgebäude drumherum wurde beschädigt.

Diese Art von Explosion führte damals zur Explosion von Tschernoby, jedoch trat sie damals innerhalb des Druckkessels auf (weil es schlecht konstruiert und nicht richtig betrieben worden war). Diese Gefahr war jedoch in Fukusima niemals gegeben. Das Problem der Wasserstoff-Sauerstoff-Bildung ist eine der größten Herausforderungen, wenn man ein Kernkraftwerk konstruiert (außer damals in der Sowjetunion), und darum wird der Reaktor in einer Art konstruiert und betrieben, dass es nicht innerhalb des Sicherheitsbehälters passieren kann. Es passierte außerhalb, was zwar auch nicht vorgesehen, aber ein mögliches Szenario und damit OK war, denn es stellte kein Risiko für den Sicherheitsbehälter dar.

Der Druck war also unter Kontrolle und es wurde Dampf angelassen. Wenn nun dein Topf weiter und weiter kocht, dann wird der Wasserstand weiter und weiter fallen. Der Kern ist bedeckt von mehreren Metern Wasser, damit genug Zeit bleibt (Stunden, Tage), bevor er anfängt trocken zu liegen. Sobald die Stäbe an ihrem oberen Ende aus dem Wasser ragen, werden die herausragenden Teile die kritische Temperatur von 2.200 Grad Celsius innerhalb von 45 Minuten erreichen. Dann würde das erste Sicherheitsbehältnis, die Zircaloy-Röhre, versagen.

Und genau dies begann zu passieren. Das Kühlsystem konnte nicht wiederhergestellt werden, bevor einiger (kleiner, aber immerhin) Schaden an der Hülle des Brennstoffs auftrat. Das Kernmaterial selbst war noch intakt, aber die es umgebendes Zircaloy-Hülle begann zu schmelzen. Was nun passiert, ist, dass einige Nebenprodukte des Uran-Zerfalls – radioaktives Cäsium und Jod – sich mit dem Dampf vermischten. Der wichtigste Teil, nämlich das Uran, war nach wie vor unter Kontrolle, weil die Uranstäbe bis zu 3.000 Grad Celsius standhalten. Der Nachweis von kleinen Mengen Cäsium und Jod im Dampf, der in die Atmosphäre gelangte, wurde bestätigt.

Es scheint dies war der Auslöser für den großen Plan B. Die kleinen Mengen Cäsium, die gemessen wurden, waren ein Hinweis für den Betreiber, dass das erste Sicherheitsbehältnis einer der Stäbe irgendwo defekt war. Der Plan A war das usprüngliche Kühlsystem des Kerns wiederherzustellen. Warum das nicht klappte, ist unklar. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Tsunami auch das saubere Wasser für die planmäßige Kühlung zerstörte oder verschmutzte.

Das im Kühlsystem benutzte Wasser ist sehr sauber, entmineralisiert (ähnlich wie destilliertes Wasser). Der Grund dafür sauberes Wasser zu verwenden ist die oben erwähnte Aktivierung durch die Neutronen vom Uran: reines Wasser wird nicht sehr stark aktiviert, es bleibt praktisch frei von Radioaktivität. Schmutz oder Salz im Wasser absobiert die Neutronen schneller und wird damit stärker radioaktiv. Das hat keinerlei Auswirkung auf den Kern – ihm ist es egal womit er gekühlt wird. Aber es bereitet Probleme für den Betreiber und die Mechanik, wenn sie mit aktiviertem (also leicht radioaktivem) Wasser umgehen müssen.

Aber Plan A war gescheitert – die Kühlsysteme waren ausgefallen oder zusätzliches sauberes Wasser war nicht vorhanden – und so trat Plan B ein. Und es sieht so aus als wäre folgendes passiert:

Um eine Kernschmelze zu verhindern, begannen die Betreiber Meerwasser zu verwenden, um den Kern zu kühlen. Ich bin nicht ganz sicher, ob sie unseren Kochtopf damit füllten (den zweiten Sicherheitsbehälter), oder ob sie den dritten Sicherheitsbehälter fluteten und damit den ganzen Kochtopf eintauchten. Aber das ist für uns auch nicht relevant.

Entscheidend ist, dass der Kernbrennstoff nun abgekühlt wurde. Da die Kettenreaktion längst gestoppt war, wurde nur noch sehr wenig Restwärme produziert. Die große Menge an Kühlwasser, die verwendet wird, reicht aus, um diese Wärme aufzunehmen. Und weil es sich um eie große Menge Wasser handelt, produziert der Kern nicht mehr genug Wärme, um nennenswerten Druck zu erzeugen. Darüber hinaus wurde dem Wasser Borsäure zugesetzt. Borsäure ist eine „flüssige Steuerstange“. Welcher Zerfall auch immer passiert, das Bor wird die Neutronen einfangen und damit den die Abkühlung des Kerns zusätzlich beschleunigen.

Das Kraftwerk kam einer Kernschmelze nahe. Nun ist das zu vermeidende Worst-Case-Szenario: wenn das Meerwasser nicht verwendet werden könnte, dann hätten die Betreiber weiterhin Dampf abgelassen, um den Druckaufbau zu verhindern. Der dritte Sicherheitsbehälter wäre dann komplett verschlossen worden, um den Kern schmelzen zu lassen ohne Radioaktivität freizusetzen. Nach der Kernschmelze hätte man einige Zeit abwarten müssen, bis die entstehenden radioaktiven Zwischenprodukte innerhalb des Reaktors zerfallen wären und alle radioaktiven Materialien auf der Oberfälche innerhalb des Sicherheitsbehälters angekommen wären. Das Kühlsystem wäre dann eventuell wiederhergestellt worden, und der geschmolzene Kern wäre auf eine moderate Termperatur gekühlt worden. Der Sicherheitsbehälter wäre dann innen gereinigt worden. Damit hätte eine schmutzige Arbeit begonnen, wenn der geschmolzene Kern vom Sicherheitsbehälter entfernt würde, die nun wieder festen Teile des Brennstoffes in Transportcontainer gepackt würden und zur Weiterverarbeitung abtransportiert würden. Abhängig von der Größe des Schadens würde das Kraftwerk entweder repariert oder abgebaut.

Nun, wohin bringt uns das nun? Meine Bewertung:

  • Das Kraftwerk ist nun sicher und wird sicher bleiben
  • Japan ist mit einem INES-Unfall der Stufe 4 konfrontiert: Kernunfall mit lokalen Auswirkungen. Das ist schlecht für die Betreiberfirma, aber sonst für niemanden.
  • Einige Radioaktivität wurde freigesetzt, als der Druckkessel gelüftet wurde. Alle Isotope von aktivierten Dampf sind verschwunden (zerfallen). Eine kleine Menge Cäsium wurde freigesetzt, so wie auch Jod. Wenn du auf der Spitze des Schornsteins des Kraftwerks gesessen wärst während der Entlüftung, dann solltest du nun vielleicht das Rauchen aufgeben, um zu deiner vorherigen Lebenserwartung zurück zu kehren. Das Cäsium und das Jod wurden auf das Meer getragen und werden nie wieder gesehen.
  • Es gab einige limitierten Schäden am ersten Sicherheitsbehälter. Das bedeutet, dass einige Mengen radioaktives Cäsium und Jod in das Kühlwasser gelangt sind, aber kein Uran oder anderes übles Zeug (das Uranoxid löst sich in Wasser nicht auf). Es gibt Einrichtungen im dritten Sicherheitsbehälter, mit denen das Kühlwasser behandelt werden kann. Das radioaktive Cäsium und Jod wird dort vom Wasser geschieden und schließlich als radioaktiver Abfall in einem Endlager gespeichert.
  • Das zur Kühlung verwendete Meerwasser wird zu einem gewissen Grad aktiviert sein. Weil die Kontrollstäbe vollständig eingeführt sind, wird es zu keiner Kettenreaktion des Urans kommen. Das bedeutet, dass die eigentliche nukleare Kettenreaktion nicht stattfindet, also auch nicht zur Aktivierung des Materials beiträgt. Die radioaktiven Spaltprodukte (Cäsium und Jod) sind mittlerweile fast alle zerfallen, weil die Uranspalung vor langer Zeit gestoppt wurde. Das reduziert die Aktivierung zusätzlich. Die Quintessenz ist, dass auf niedrigem Niveau das benutzte Meerwasser aktiviert wurde, was von den Reinigungsanlagen entfernt werden wird.
  • Das Meerwasser wird dann mit der Zeit durch normales Kühlwasser ersetzt.
  • Der Reaktorkern wird dann abgebaut und zu einer Weiterverarbeitung gebracht, nicht anders als bei einem normalen Wechsel der Brennstäbe.
  • Die Brennstäbe und das gesamte Kraftwerk werden auf mögliche Schäden untersucht. Das wird 4-5 Jahre dauern.
  • Die Sicherheitssysteme aller japanischen Kraftwerke werden modernisiert, damit sie einem 9,0 Erdbeben und Tsunami widerstehen können (mindestens).
  • Ich glaube das größte Problem wird eine längere Stromknappheit sein. Elf der 55 japanischen Kernreaktoren in verschiedenen Kernkraftwerken wurden abgeschaltet und müssen untersucht werden. Das wird die Kapazität der nationale Kernkraft um 20% reduzieren, wobei Kernkraft etwa 30% der nationalen Energiegewinnung ausmacht. Ich weiß nichts von den möglichen Konseqenzen bei den nicht direkt betroffenen Kernkraftwerken. Es werden vermutlich Gaskraftwerke bei der Abdeckung der Grundlast einspringen, die normalerweise dazu verwendet werden, Spitzenlasten abzudecken. Ich kenne mich nicht mit Japans Lieferkette von Gas, Öl und Kohle aus und damit, wie viele Schäden die Häfen Raffinerien, Lagerstätten und Transportsnetze genommen haben sowie das nationale Stromnetz. All das wird die Stromrechnung erhöhen und außerdem zu Stromknappheit führen während der Leistungssptzen sowie während des Wiederaufbaus in Japan.
  • All dies ist nur ein Teil einer viel größeren Herausforderung. Erste Hilfe muss sich nun mit Unterkunft, Trinkwasser, Nahrung, medizinischer Versorgung, Transport und Kommunikationsinfrastruktur sowie Stromversorgung befassen. In einer Welt der schlanken Lieferketten stehen wir in all diesen Bereichen vor einer großen Herausforderungen.

Klaus Kauker analysiert Lenas Song “Taken By A Stranger”

Nachdem Klaus Kauker letztes Jahr Lenas “Satellite” zerlegte, hat er sich heute Lenas neues Lied “Taken By A Stranger” vorgenommen, mit dem Lena ihren Titel verteidigen will.

Sein Video macht mal wieder richtig Lust auf die Musik hinter dem Lautsprecher… wie überhaupt alle seine Videos und seine Webseite. Anschautipp der Woche!

Und weil’s so viel Spaß macht, hier auch noch seine konzentrierte Analyse von Lenas “Maybe”:

Festplatte richtig löschen

Es ist ein wichtiger Unterschied, ob man Daten auf einer Festplatte nur zum Überschreiben frei gibt, oder ob man sie richtig löscht.

Ersteres lässt nämlich die Daten genau dort, wo sie sind, und löscht sie nur aus dem Verzeichnis. Verglichen mit einer Bibliothek würde das bedeuten, ein Buch im Regal stehen zu lassen, es aber aus dem Verzeichnis aller Bücher zu streichen. Wer sich die Mühe macht und alle Regale absucht, wird es früher oder später finden.

Der Vergleich zwischen Festplatte und Bibliothek hinkt vor allem darin, dass es auf einer Festplatte viel schneller geht, derart “gelöschte” Daten wieder zu finden.

Zweiteres hingegen, nämlich das finale Löschen von Daten, ist ein wenig aufwändiger. Eigentlich müsste man jede Stelle der Festplatte neu überschreiben, doch selbst das hilft nicht immer. Mit einige Mühe kann man dennoch erkennen, was dort einmal gestanden ist. Ein Vielfaches Überschreiben würde funktionieren – doch Haptiker (wie ich es nicht bin) bevorzugen gerne mal eine andere und viel anschaulichere Art des Löschens: die mit purer Gewalt.

Vier Varianten fallen mir ein:

1) Die Festplatten öffnen (dazu braucht man entweder viel Gewalt oder aber einen Sechskantschraubendreher) und mit einem Dorn durchstecken.

2) Einen schweren Hammer nehmen und das Ding total verbeulen.

3) Die Platten mit einer Zange verbiegen.

Am sichersten ist eine Kombination von 1) bis 3).

Oder aber Methode 4), die weniger schicklich, aber mindestens genau so effektiv ist: eine Fährfahrt über den Bodensee, bei der man über einer tiefen Stelle seine Platte im ewigen Dunkel versenkt.

LunaTik – iPod am Handgelenk

Seit meinem Philosophie-Studium weiß ich, dass ich einen freien Willen habe. Warum? Weil ich so frei war, es abzubrechen.

Doch der freie Wille hat Lücken, Aussetzer und blinde Flecken. Sie treten immer auf, wenn His Steveness „One-More-Thing“ sagt und damit ein neues Apple-Produkt ankündigt. Oder wenn sich ein cooles Start-Up in Kalifornien ein cooles neues Produkt ausdenkt.

In solchen Fällen wird der freie Wille (also zumindest meiner) durch einen Reflex ersetzt, den Possesivreflex, auch One-Click-Buy-Reflex genannt. Erst wenn meine Apple-Sammlung wieder vollständig ist, kann ich ruhig und mit freiem Willen schlafen. Zuminndest so lange, bis zur nächsten Keynote in Kalifornien…

Heute war es wieder so weit. Mein freier Wille kehrte zurück, und zwar in Form eines kleinen Päckchens, das mir der DHL-Freund überreichte. Darin enthalten war das LuniTik, ein Armband, mit dem sich der iPod Nano ans Handgelenk schnüren und überall dabei haben lässt. Im zeitlosen Braun-Chick, das ich zuletzt als Student getragen hatte.

Das LunaTik lässt sich mittlerweile ganz normal online bestellen.

Ich hatte es jedoch vor Monaten auf Kickstarter entdeckt, wo die Gründer es als Idee vorgestellt hatten. Mit der Idee verbunden war eine Mindestzahl von verbindlichen Vorbestellungen, bei deren Erreichen die Produktion beginnen würde. Sie wurde natürlich binnen Tagen um ein Vielfacher überschritten, und LunaTik konnte entsehen.

Auf meine Erstausgabe bin ich natürlich solz.

Wenn Verträge nach hinten losgehen

Als Veranstalter von Radreisen sind wir immer auf der Suche nach neuen Regionen, in denen wir Pauschalangebote bündeln können – was in der Regel bekannte Radwege sind, zu denen wir die passenden Hotels suchen.

Im Altmühltal bekam ein Mitbewerber Wind von unseren Plänen – und offenbar auch Angst davor. Darum ließ er sich einen wunderbaren Trick einfallen: seine Preisvereinbarungen mit den Hotels ergänzte er um folgenden Absatz:

Es wird vereinbart, dass das Hotel NICHT mit Bodensee-Radweg Service GmbH (Peter Eich) in der gesamten Saison 2010 + 2011 zusammenarbeitet. Sollten doch Buchungen erfolgen, können wir alle unsere Buchungen kostenlos stornieren.

Das ist nicht nur ein sehr mutiger Boykottaufruf, sondern vor allem eine Einschränkung der Geschäftsfreiheit, über die sich alle Hoteliers so sehr freuten, dass mehrere von ihnen postwendend bei uns anriefen um zu erfragen, was wir besser könnten als unser Mitbewerber. Mit allen arbeiten wir nun hervorragend zusammen, und sie ließen den Passus streichen.

Heute schlief ich zufällig und unwissentlich in einem solchen Hotel, kam zufällig mit dem Hotelier ins Gespräch, er erkannte meinen Namen und zog stolz den Vertrag aus seinen Unterlagen:

Etliche andere Hotels meldeten sich zwar nicht bei uns, freuten sich aber um so mehr, als wir sie besuchten und ihnen eine Zusammenarbeit anboten, die sie alle gerne annahmen.

[...]

Und das Beste daran: das alles geschah ohne unser Zutun.

Ein 3D-Drucker, der sich selbst druckt

Lebewesen sind in der Lage sich selbst zu reproduzieren und damit zu vermehren.

RepRap ist ein 3D-Drucker – also ein Drucker, der feine Schichten von geschmolzenem Kunststoff (Polymilchsäure) übereinander auftragen kann, und so dreidimensionale Teile druckt. Er ist so konstruiert, dass er aus möglichst vielen Teilen besteht, die er selbst drucken kann. Eine Idee, die unter anderem auf den Mathematiker John von Neumann zurück geht.

Die Konstruktionspläne von RepRap und seine Software stehen unter der GNU-GPL-Lizenz, also nicht unter einem Copyright, sondern unter einem Copyleft. Jeder darf sie frei verwenden, wenn das, was damit entsteht, ebenfalls unter dieser Lizenz steht. Gewissermaßen eine Lizenz für sich selbst vermehrendes Allgemeingut.

In der ersten Version („Darwin“) von 2006 konnte RepRap einige Plastikteile drucken, die sofort dafür verwendet wurden, seine eigenen (mit einem kommerziellen Drucker hergestellten) Plastikteile zu ersetzen.

Seit dem wird die Qualität der Drucke und der Anteil der reproduzierbaren Teile in der Konstruktion von RepRap stets erhöht.

Die aktuelle Version heißt „Mendel“ und kostet nur noch etwa 400 Euro.

Das Ziel dieser herrlichen Idee ist ein Drucker, der sich selbst komplett reproduzieren kann.

Er wird die Welt verändern.

RepRap from Adrian Bowyer on Vimeo.

Noch ein Rekursionswitz

In all den Jahren nach meinem Studium habe ich nur zwei neue gute Mathematikerwitze kennen gelernt, die über das allgemein bekannte Standardwerk hinaus gehen: Googles-Rekursionswitz war der erste, und heute kam dieser:

Das „B“ in „Benoit B. Mandelbrot“ steht für „Benoit B. Mandelbrot“.

Rosgartenmuseum

Heute war ich mal wieder im Konstanzer Rosgartenmuseum. Herrlich! Meine unbedingte Empfehlung an alle, die es noch nicht kennen oder schon lange nicht mehr dort waren. Hier sind vier spontane Eindrücke:

Die erste Stunde habe ich damit verbracht, im Modell von Konstanz spazieren zu gucken, das einer Federzeichnung von 1600 nachgebaut wurde und die Stadt darstellt, wie sie etwa von 1500 bis 1800 aussah.

In der Chronik des Konstanzer Konzils von Ulrich Richenthal von 1465 ist die erste bekannte Darstellung eines Fahrrads versteckt. Wer findet es?

Die Inventarliste des Konstanzer Rosgartenmuseums ist im Museum selbst ein Exponat. Das ist verdammt nah an der Russellsche Antinomie.

Denn: Wenn diese Inventarliste vollständig ist, dann verzeichnet sie sich selbst als eines der Ausstellungsstücke. Lasst sie uns Herrn Engelsing wegnehmen und lasst uns daraus ein Museum bauen, in dem lauter solche Inventarlisten aussgestellt sind, die sich selbst verzeichnen!

Dann kommt Herr Engelsing sofort auf die Idee alle (!) anderen Inventarlisten zu sammeln (die sich eben nicht selbst verzeichnen) um damit ein anderes Museum zu befüllen. Das Museum der Inventarlisten, die sich nicht selbst verzeichnen.

Weil dieses Museum nicht so spannend ist, wird es nur wenige Besucher anlocken. Herr Engelsing hätte also viel Zeit. Die er dazu nutzen könnte, auch von diesem Museum eine Inventarliste zu erstellen.

Wenn er mit dieser Inventarliste fast fertig ist, wird er sich fragen: muss sich meine Inventarliste eigentlich selbst auflisten?

Angenommen er würde sie nicht in sich selbst auflisten, dann wäre es eine Inventarliste, die sich nicht selbst verzeichnet. Also müsste sie in seinem Museum ausgestellt werden. Also müsste sie in der Inventarliste geführt werden.

Wenn sie sich aber selbst auflistet, dann müsste sie nicht in sein, sondern in mein Museum als Exponat gelangen. Weil sie dann in meinem und nicht in seinem Museum stünde, hätte sie sich aber nicht selbst auflisten dürfen.

Kurzum: Herr Engelsing hätte dasselbe Problem wie der Barbier, der alle Männer rasiert, die sich nicht selbst rasieren. Oder wie die Menge aller Mengen, die sich nicht selbst enthalten. Denn sie kann es genau so wenig geben wie die Inventarliste des Museums aller Inventarlisten, die sich nicht selbst enthalten.

Logisch gesehen schaut das so aus:

Und zum Schluss noch eines der weniger spannenden Exponate…

Relevanz von Konstanz versus Bodensee

Mit Google-Trends lässt sich die Häufigkeit verschiedener Suchanfragen miteinander vergleichen.

Man sieht damit beispielsweise, dass im Jahresmittel 16% häufiger nach “Konstanz” gegoogelt wird als nach “Bodensee”.

Schaut man sich den jahreszeitlichen Verlauf genauer an, so wird klar, dass im Juli 13% häufiger nach nach “Bodensee” gesucht wird, und im November hingegen über doppelt so oft nach “Konstanz”.

Der Suchbegriff “Bodensee” ist also viel saisonabhängiger als “Konstanz”, und dennoch überrascht mich, dass “Konstanz” im Jahresmittel der wichtigere Begriff zu sein scheint.

Schaut man sich die Herkunft der Suchanfragen genauer an, so “Konstanz” um so populärer, je näher die Anfrage an Konstanz liegt. Die Suchanfragen nach “Bodensee” sind also genau dort am populärsten, von wo aus auch die meisten Gäste an den Bodensee reisen:

Interessant wäre es, die Besucherzahlen der Webseiten von konstanz-tourismus.de mit den drei wichtigen Bodensee-Seiten bodensee.de, bodensee.eu und bodenseeferien.de zu vergleichen. Ich wäre nicht überrascht, wenn Konstanz deutlich mehr Traffic hätte als bodensee.eu.

Tischtuch am Tafelberg

Beim Spaziergang in Kapstadt hatte ich meine Nikon D70 dabei und konnte nicht widerstehen die wehenden Wolken des Tafelbergs zu filmen.

Der Tafelberg erhebt sich 1.000 Meter über Kapstadt, und wenn der Wind aus Südosten übers Meer weht, dann wird die feuchte Meeresluft durch die Berge angehoben und kondensiert zu Wolken aus. Doch ein paar Hundert Meter weiter im Norden fällt der Tafelberg jäh um 600 Meter ab, und an der Kante strömt auch die Luft herab. Entsprechend verdunsten die Wolken an der Kante wieder, und dieses schöne Phänomen wird das Tischtuch des Tafelbergs genannt.

Beim Spaziergang im Company’s Garden mitten in Kapstadt hatte ich zwar meine Kamera, aber leider kein Stativ dabei. Ich legte die Nikon darum auf eine Mauer und auf Steine – doch selbst diese wackelten im starken Fallwind. Der Film ist also leider nicht ganz ohne Wackler.

Das Resultat habe ich um den Faktor 12 beschleunigt. Sieht doch klasse aus, oder?

Untitled from Peter Eich on Vimeo.

Das Video ist HD aufgelöst, kann also direkt auf Vimeo in noch besserer Auflösung angeschaut werden.

Wikileaks – was wäre wenn…?

Was wäre eigentlich, wenn ein europäischer Verfassungsdienst bereits einen Server von Wikileaks gehackt hätte? Was wäre, wenn ihnen dabei klar geworden wäre, von welch erschütterndem Ausmaß die dort liegenden Dokumente wären? Und was wäre, wenn sie es ihren westlichen Verbündeten erzählt hätten?

Was wäre, wenn ihnen die Vorstellung einer Veröffentlichung dieser Dokumente durch Wikileaks das Blut in ihren Adern gefrieren ließe?

Aber was vor allem wäre, wenn dies nicht ihre größte Sorge wäre, sondern wenn sie durch ein anderes Szenario in den Schatten gestellt werden würde?

Nämlich der Möglichkeit, dass auch nicht-westlichen Staaten genau dieser Hack gelingen könnte und damit eine Situation eintreten könnte, die es um jeden Preis zu vermeiden gilt?

Was also wäre, wenn Merkel, Sarkozy, Clinton und Bush längst wüssten, welche Daten dort noch liegen, und dass sie nur noch zwischen Pest und Cholera wählen könnten – nämlich einer gefilterten und irgendwie moderaten Veröffentlichung durch Wikileaks oder einer ungefilterten durch andere Staaten, was eine unvermeidbare Eskalation nach sich ziehen würde?

Bekämen die Worte von Hillary Clinton dann rückwirkend eine ganz andere Bedeutung?

Ich stelle mir vor, was passiert, wenn es amtlich würde, dass die USA den Irak-Krieg begonnen hätten, einzig um am irakischen Öl-Handelsplatz weiterhin den Dollar als Handelswährung zu garantieren und damit ein komplettes Zusammenbrechen des Dollar zu verhindern. Um dem Irak sozusagen eine monetäre Massenvernichtsungswaffe aus der Hand genommen zu haben. Keine neue These übrigens…

Ich stelle mir vor, was passiert, wenn es amtlich würde, dass die USA (vielleicht zusammen mit einer großen Großbank) längst die Ablösung ihrer eigenen (und längst unhaltbaren) Währung vorbereiten würden und dies von heute auf morgen amtlich würde. Die Weltwirtschaft würde über Nacht zusammenbrechen. Keine neue These übrigens…

Oder, oder, oder…

Und was wäre, wenn irgendein Mitarbeiter eines Verfassungsdienstes dies erzählen würde. Kaum einer würde es glauben. Oder?

Die Paparzzi und ich

Das offene Hemd ist cool.

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E-Bikes in Holland schon wieder rückläufig

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2010 ist der Verkauf von E-Bikes in den Niederlanden erstmals gesunken.

Obwohl der Umsatz in dieser Zeit noch um 1% stieg, ist die Zahl der verkauften Pedelecs im Vergleich zum Vorjahr um 1% gesunken. Insgesamt wurden in den Niederlanden bisher etwa 600.000 E-Bikes verkauft, und die sinkenden Verkaufszahlen könnten auf eine Marktsättigung hindeuten.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2009 konnten in den Niederlanden noch insgesamt 105.000 Pedelecs verkauft werden, im gesamten Jahr waren es 153.000 Pedelecs.

In den Niederlanden war damit im Jahr 2009 etwa jedes achte verkaufte Fahrrad ein Pedelec, und der Verkaufspreis lag etwa dreimal so hoch wie der von Fahrrädern ohne elektische Antriebshilfe.

Unter den 2009 verkauften Fahrrädern in den Niederlanden sind also 12,5% Pedelecs.

Es scheint also, als würde sich der Anteil von E-Bikes auf knapp über 10% einpendeln.

(Quelle)

Hotel Adlon bei Google und Holidaycheck

So sieht Google das Hotel Adlon in Berlin:

Und so sieht es Holidaycheck.