Woher kommt das Flugverbot?

Da nun der Copy-Paste-Vulkan wieder auf uns spuckt, geistern erneut seltsame Meldungen durch die Medien (siehe mein Blogpost zum Sichtflug).

Informationen und Vorschriften der Luftfahrt werden international von der ICAO (International Civil Aviation Organisation) und in Deutschland vom ausführenden Organ DFS (Deutsche Flugsicherung) erlassen.

Die beständigen Erlasse stehen dabei im AIP (Aeronautical Information Publication, in Deutschland auch Luftfhahrthandbuch).

Alles, was kurzfristig kommuniziert werden muss und/oder nur kurze Zeit gilt, wird über die so genannten NOTAMs (Notification to Airmen) kommuniziert. Als Pilot kann (oder genauer: muss) man diese am Flughafen vor dem Start einsehen und seinen Flug entsprechendlp,anen.

Meist stehen darin Meldungen wie der Hinweis auf einen Krahn im Anflugbereich eines Flugplatzes, ein Segelflugwettbewerb etc.

Die NOTAMs von Deutschland, Österreich und der Schweiz findet man auch im VFReBulletin der DSF, und sie sehen so aus:

Wenn nun News wie heute verlauten lassen, dass der Luftraum über München geschlossen sei, so liegt dieser Meldung zB folgendes NOTAM zugrunde:

Die Meldung ist im Wesentlichen eine Liste von Abkürzungen der Luftfahrt.

Sie bedeuten in disem Fall:

A1605/10 Vulkanaktivität findet statt

A1605/10 ist die Nummer des NOTAM, danach der Name der Meldung

09.05. 12:00 – 19:00 est

Gültigkeit der NOTAM, EST = European Summer Time

B)1005091200

B = Beginn der Gültigkeit, 10 = Jahr, 05 = Monat, 09 = Tag, 1200 = 12 Uhr

C)1005091900 EST

C= Ende der Gültigeit, also 9.5.2010 um 19h European Summer Time (vor 19 Uhr wird also voraussichtlich ein neues NOTAM erlassen und das Flugverbot verlängert)

E)VA ERUPTION MT EYJAFJALLAJOKULL LOC 6338N 01937W NO VA CLD HIGH CONTAMINATION AREA OBS AT 090600Z SFC/FL200 FCST 091200Z SFC/FL200 S OF LINE 483238N 0080741E – 483533N 0090046E – 482629N 0100142E – 481648N 0110422E – 472949 0114526E FCST 091800Z SFC/FL200 SE OF LINE 470601N 0105217E – 472350N 0101922E – 474051N 0100521E – 475103N 0100057E – 480047N 0095804E – 481941N 0095424E – 482816N 0095534E – 484327N 0100234E – 485258N 0101106E – 491434N 0105122E – 492124N 0120021E – 492101N 0130758E – 491943N 0132544E.

E = Inhalt der Meldung
VA = Vulcano Ash
LOC = Location
6338N 01937W = Position, also +63° 38′, -19° 37′
VA = Vulcano Ash
CLD = Clouds
High Contamination Area
OBS = Obstacle, Hindernis
und jetzt kommen lauter lokale Eingrenzungen, zB ist  “S OF LINE” südlich der Linie zwischen den beiden folgenden Koordinaten etc.
Die beiden letzten Koordinaten 491943N 0132544E sind zB 49 Grad 19,43 Minuten Nord und 13 Grad 2544 Ost und damit genau hier.

F)SFC

F= Untergrenze, ab der die Meldung gilt, SFC = Surface, also ab dem Boden

G)FL200

G = Obergrenze, bis der die Meldung gilt,  FL200 = Flight Level 200, also bis 20.000 Fuß, etwa 7 km Höhe.

Über 7 km Höhe ist also keine Asche zu erwarten. Und unter SFC sollte auch alles frei sein ;)

Österreich in der Opentreetmap

Max Kossatz hat in einem Blogpost auf Wissen belastet die Entwicklung der Openstreetmap von Österreich wunderbar visualisiert und dabei auch diesen Zeitraffer erstellt:

Sehr schön ist auch seine Darstellung aller Wege in Wien.

Jakobsweg als Geschäftsidee

Seit einigen Wochen arbeite ich an der Webseite für den Jakobsweg.

Ich möchte die vielen Fragen aus meiner Umgebung nach dem Ziel dieses Projektes beantworten. Aber vor allem möchte ich mir selbst eine kleine Rechenschaft geben, was ich mir von diesem Projekt erwarte. Zusammen also Grund genug für diesen Blogpost.

Zusammenfassend vorab: die Seite zum Jakobsweg ist ein Hobby-Projekt, ich verspreche mir kein großes Einkommen davon, aber ich sehe ein großes Potential (einen großen Nutzen für die User) – unter anderem, weil das Projekt dem Bodensee-Radweg sehr ähnlich ist. Ich erwarte nur eine kleine Rendite, die im Verhältnis zum geringen Aufwand jedoch ordentlich sein könnte.

Der Bodensee-Radweg

Im Jahr 2000 war der Bodensee-Radweg bereits der beliebteste Radweg Europas. Knapp 200.000 Touristen radelten pro Saison um den Bodensee.

Der Bodensee-Radweg besaß keine eigene Webseite, und er hatte keine Telefonnummer. Niemand fühlte sich wirklich für ihn verantwortlich, nur der Tourismusverband vom Bodensee hatte einen kleinen hässlichen Flyer mit einer einfarbigen Karte, auf der der Radweg mit einer so dicken blauen Linie eingezeichnet war, dass man nicht mehr erkennen konnte, wo er wirklich verlief.

Der Bodensee-Radweg war also eine wichtige touristische Marke ohne Inhaber. In den Augen der Gäste gab es ihn, aber in der Arbeit der Touristiker gab es ihn nicht. Sogar heute, 10 Jahre später, verkennt der Tourismusverband des Landes Baden-Württemberg die Wirklichkeit und tut so, als würde der Bodensee-Radweg an der Grenze zur Schweiz beginnen und an der Grenze zu Bayern enden.

In diese Lücke stürzte ich mich also erstens.

Und zweitens verschob ich den Fokus weg vom Produkt und hin zum Bedürfnis. Oder genauer: weg vom Produkt des Veranstalters und hin zum Bedürfnis des Gastes.

Der Hintergrund dieser Entscheidung ist komplex. Aber ich entschied mich dazu, den Bodensee-Radweg als Ganzes zu repräsentieren, also auch mit allen Informationen, die Interessenten dazu nutzen konnten, nicht unsere Kunden werden zu müssen. Oder in anderen Worten: auf unserer Webseite steht alles, was man wissen muss, um nicht unser Kunde werden zu müssen – und auch ohne Veranstalter um den See zu radeln.

Diese Offenheit brachte uns stets gute Presse und damit perfektes und fast kostenloses SEO. Und damit viel mehr neue Kunden als diese wenigen verlorenen Interessenten.

Der Bodensee-Radweg war also eine gefühlte touristische Marke ohne Inhaber, und ich konzentrierte mich mittelbar nicht auf den Verkauf unserer Produkte (=Reisen), sondern auf die Bedürfnisse der Interessenten.

Damit wachsen wir seit Firmengründung jährlich um mindestens 20%, und wir machen dieses Jahr knapp 10 Millionen Umsatz. Die Strategie ging also auf, wir sind der zweitgrößte touristische Betrieb am Bodensee und Deutschlands größter Veranstalter von Radreisen.

Auch der Jakobsweg ist eine wichtige touristische Marke. Nach meiner Hochrechnung stehen in deutschen Buchhandlungen etwa zwei Kilometer breit Regale mit Büchern über den Jakobsweg.

Auch die Zahl der neu beschilderten vielen kleinen Jakobswege im deutschen Sprachraum wächst rasant, bald hat jede Gemeinde einen.

Hape Kerkeling hat sich eine goldene Nase gepilgert, und die Zahl der in Santiago ankommenden Wanderer steigt von Jahr zu Jahr (und in den so genannten Heiligen Jahren springt sie doppelt hoch).

Und dennoch hat der Jakobsweg, um es salopp zu sagen, keine eigene Telefonnummer. Niemand repräsentiert den Jakobsweg touristisch als Ganzes.

Darum habe ich 2004 tief in die Tasche gegriffen und mir die Domains jakobsweg.de und jakobsweg.com gekauft.

Da ich nun die Geschäfte vom Bodensee-Radweg Service nicht länger selbst führe, strecke ich wieder vermehrt meine Fühler aus um neue Trends zu finden.

Die Ähnlichkeit der beiden Wege finde ich auf den zweiten Blick verblüffend. Ich bin sicher, dass ich von meinen Gedanken über und meiner Arbeit am Jakobsweg viel über den Bodensee-Radweg lernen kann. Und umgekehrt sowieso.

Darum versuche ich nun mit möglichst geringem Einsatz von Mitteln den größten Nutzen für alle Interessenten am Jakobsweg zu schaffen. Und damit natürlich auch für Google interessant zu werden.

Ich verwende WordPress als kostenloses (und gutes) CMS. Die Routen des Wegs visualisiere ich kostenlos mit Wandermap. Als Bildmaterial verwende ich kostenlos die Fotos von Wikimedia.

Anders als am Bodensee-Radweg werden die Organisation und der Verkauf von Pauschalreisen am Jakobsweg wohl kaum eine Rolle spielen. Die Monetarisierung muss also anders funktionieren. Vermutlich indirekter.

Mein Ziel ist also neben dem dank der URL bereits vorhandenen generischen Traffic möglichst viel Google-Juice zu erhalten. Mit diesem Blogpost verlinke ich meine eigene Seite zum ersten Mal. Ich bin gespannt, wie schnell Google das merkt.

Klassische Werbung mit AdSense soll das erste Standbein sein. Außerdem habe ich bereits einen Banner-Vermarkter gefunden. Affiliate-Programme (in erster Linie Amazon) sind das dritte Standbein. Über meine vierte Idee möchte ich noch nicht sprechen. Und von der fünften Idee habe ich bis jetzt selbst noch keine Ahnung. Die besten Ideen kommen sicher erst im Laufe der Arbeit am Projekt.

Habt ihr Idee, wie sich eine populäre Seite zum Jakobsweg monetarisieren ließe? Ich bin gespannt auf eure Vorschläge!

WLANmap.com ist online

Wenn ich in eine andere Stadt reise, so suche ich mir mein Hotel und meine Cafés immer danach aus, ob ich dort auch einfach ins Internet gelangen kann. Leider gibt es keine gute Übersicht für eine derartige Suche.

Ich wohne jedoch am Bodensee, einer Gegend mit knapp 2 Millionen Gästen pro Jahr.

Um diesen Besuchern dabei zu helfen, den Bodensee nicht enttäuschende als Offline-Diaspora zu erleben, habe ich seit ein paar Jahren eine Liste geführt mit allen mir bekannten Hotels und Café mit offenem WLAN.

Warum? Weil es sonst niemand tat.

Eine ähntliche Liste für Wien führte Helge Fahrnberger dort schon seit 2004.

Helge und ich haben schon viele Hundert Tassen Espresso gemeinsam in solchen Cafés in Wien und Konstanz getrunken. Dabei ist Bikemap entstanden, die größte Sammlung von Radrouten der Welt. Und aus Bikemap ist Toursprung entstanden, unsere gemeinsame Firma, die Spezialisten für Online-Kartografie beschäftigt und vielen großen touristische Kunden Kartentechnologie verkauft.

Darum haben wir nun WLANmap.com veröffentlicht, eine Sammlung von Cafés mit offenen WLANs in ganz Europa. Hier kann jeder dabei mithelfen, solche Cafés leichter auffindbar zu machen.

Und vor allem können solche Hotspots nun mit nur einem Klick in eigene Webseiten eingebunden werden. Also insbesondere touristische Webseiten haben nun die Möglichkeit, ihren Gästen einen Überblick zu verschaffen, wo man gratis ins WLAN gelangt.

Hier ist eine solche Karte mit dem Ausschnitt von Konstanz:


Karte eingebunden von wlanmap.com Free Wifi Hotspots .

Barcamp Bodensee

Vor zwei Jahren fand in Friedrichshafen das erste Barcamp am Bodensee statt.

Damals trafen sich 120 Teilnehmer und diskutierten zwei Tage lang vor und nach spontan gehaltenen Vorträgen über die Entwicklung des Webs. Meine Bilder vom ersten Barcamp stehen auf Flickr.

Für den Bodensee als touristische Destination war dieses Barcamp eine Werbung allererster Güte – und darüber hinaus auch noch gratis. Alle Kosten wurden von Sponsoren getragen, und die Organisation von Freiwilligen gestemmt (allen voran Oliver Gassner). Über 13.000 Suchtreffer listete Google in den Tagen danach – also eine größere mediale Reichweite als wenn hiesige Touristiker ein Jahr lang auf Roadshows und Messen reisen und dabei nicht nur ihre wertvolle Zeit, sondern auch ein Vermögen verpulvern. Werbung 2.0 schlägt nämlich Werbung 1.0 um ein Vielfaches.

Vom 5.-6. Juni 2010 findet nun das nächste Barcamp am Bodensee statt.

An der FH in Konstanz treffen wir uns dieses Mal, und von den 250 Plätzen sind schon 210 vergeben. Wer sich noch nicht angemeldet hat, sollte dies also rasch tun, bevor das Barcamp (mit über zwei Mal so vielen Teilnehmern wie letztes Jahr) ausgebucht ist.

Vor allem den Touristikern vom Bodensee empfehle ich sehr, mal an einem Barcamp teilzunehmen. Wer nämlich der Puls der Zeit nicht spürt, der gehört vielleicht morgen schon zum alten Eisen, denn:

PS: Der Bodensee-Radweg Service ist auch dieses Mal wieder ein Hauptsponsor des Barcamps und unterstützt damit das Zustandekommen maßgeblich. Weitere Sponsoren werden noch immer gesucht.

Hallo Stadt Konstanz, wär’ das nicht mal was? Bei Interesse bitte bei mir melden!

Sichtflug + Instrumentenflug = medialer Blindflug

Dieser Tage erscheint kaum ein Artikel in den Medien, in dem nicht ein paar fliegerische Begriffe falsch verwendet werden.

Es beginnt mit dem Luftraum über Deutschland, der einerseits gesperrt sein soll, in dem andererseits jedoch ohne Pause geflogen wird – unter anderem von mir selbst.

Der Luftraum besteht aus verschiedenen KLASSEN, die sich in der Regel übereinander schichten (Ausnahmen sind zB die Gebiete über größeren Flughäfen). Diese Klassen sind von Land zu Land verschieden aufgebaut, und selbst in Deutschland sind sie im Detail zu komplex (haben zu viele Ausnahmen), um sie hier genau zu beschreiben. Ich vereinfache also im Folgenden stark.

Grob gesagt sind die unteren Lufträume…

…UNKONTROLLIERT und die oberen KONTROLLIERT.

Die wichtigesten beiden Lufträume heißen G wie “Golf” und C wie “Charlie”.

Der Luftraum G ist unten und UNKONTROLLIERT, der Luftraum C ist oben und KONTROLLIERT. Die Grenze zwischen G und C liegt meist bei 10.000 Fuß, also auf 3.048 Meter Höhe über dem Meer.

Warum (und was) wird oben kontrolliert und unten nicht?

Grob gesagt fliegt über 10.000 Fuß alles nach Anweisungen der “Controller”, also meist der Deutschen Flugsicherung. Hier wachen also Fluglotsen genau darüber, welches Flugzeug wie schnell in welcher Höhe in welche Richtung fliegt. Den Piloten wird also ein wenig Verantwortung und viel Freiheit abgenommen. Einfach mal die Höhe wechseln oder einen Kreis fliegen ist hier nicht drin. Im kontrollierten Flug ist somit eine viel höhere Verkehrsdichte möglich. Die Flieger bewegen sich sozusagen wie auf Autobahnen und kommen sich nicht in die Quere.

Zumindest meistens. Eine Aunahme war der Zusammenstoß zweier Jets über dem deutschen Bodensee im Jahr 2002, als erstens ein Schweizer Controller zweitens nicht aufgepasst hat. Aber darum geht es hier ja nicht.

Unter 10.000 Fuß hingegen bestimmt der Pilot in jedem Moment selbst, wohin er fliegt. Dafür muss er auch ständig raus schauen um sicher zu sein, dass ihm niemand in die Quere kommt. Man hält einen größen Abstand, weil kein Pilot vom anderen weiß, was er als nächsten machen wird.

Etwas genauer betrachtet muss man zusätzlich zwischen…

…INSTRUMENTENFLUG und SICHTFLUG unterscheiden.

Lufträume sind nämlich kontrolliert oder unkontrolliert. Die Flugzeuge darin bewegen sich hingegen im Sichtflug oder im Instrumentenflug. Das hängt zwar meistens zusammen, aber nicht immer.

Wenn ein Pilot im Sichtflug unterwegs ist, dann schaut er zum Fenster raus und weiß Bescheid. Dazu muss er draußen aber auch was sehen können. Zum Beispiel wo er sich befindet und wo unten ist. Vor allem letzteres ist nämlich verdammt wichtig und lässt sich mit geschlossenen Augen nicht immer feststellen.

Sichtflug in Wolken ist also unmöglich. Wenn ein Pilot im Sichtflug sich einer Wolke nähert, dann fliegt er kurzerhand außen rum.

Und Sichtflug über 10.000 Fuß ist meistens nicht erlaubt.

Ergo: Sichtflug geht nur unten und bei schönem Wetter.

Instrumentenflug hingegen ist etwas anspruchsvoller. Instrumentenflug geht im Wesentlichen ohne Fenster, dafür aber mit viel mehr kompliziert aussehenden Instrumenten im Cockpit. Piloten mit einem so genannten IFR-Rating für Instrumentenflug sind darum auch arrogante Säcke.

Instrumentenflug geht auch bei schlechtem Wetter, in Wolken und bei Nacht. Im unkontrollierten Luftraum (“unten”) kann ein Instrumentenflieger also bei jedem Wetter fliegen, also auch dann, wenn es gar keinen Spaß macht. Braucht kein Mensch.

Im kontrollierten Luftraum (“oben”) hingegen bekommt der Instrumentenflieger vom Controller die Freiheit abgenommen, selbst darüber zu bestimmen, wo genau er fliegt. Das bestimmt nämlich der Controller. Und weil der Controller meist sehr weit weg sitzt, wenn er seine Anweisungen gibt, muss der Instrumentenflieger im kontrollierten Luftraum zB stets darauf gefasst sein, auch in eine Wolke geschickt zu werden. Wichtig zu merken ist hier: der Instrumentenflieger entscheidet nicht selbst über seinen Weg, sondern der Controller. Der Instrumentenflieger hat also keine Freiheit, thus he has no balls.

Ganz stark vereinfacht fliegen die kleinen Propeller-Flugzeuge unkontrolliert unten im Sichtflug, und die Passagier-Jets fliegen kontrolliert oben im Instrumentenflug. Bei Start und Landung reicht der kontrollierte Luftraum dann bis runter zu den großen Flugplätzen, um die kleine Flugzeuge wiederum einen großen Bogen machen müssen.

Oder noch eine andere Merkhilfe: wer als Pilot vor seinem eigenen Bugrad sitzt, fliegt kontrollierten Instrumentenflug, ist also nur ein Busfahrer in 3D. Wer als Pilot hingegen hinter seinem eigenen Bugrad sitzt, ist ein echter Pilot.

Oder in einem Satz ohne Komma: Nur wer sein eigenes Flugzeug fliegt ist ein Held.

Doch genug der Seitenhiebe auf meinen Schulfreund, der schon immer größere Flugzeuge fliegen durfte als ich, und weiter zum…

…BLINDFLUG

Wenn Spiegel.de also scheibt, dass der “Luftraum über Deutschland gesperrt” wäre, so ist das ein medialer Blindflug. Denn der unkontrollierte Luftraum unter 10.000 Fuß war zu keiner Zeit gesperrt.

Wenn Bild.de schreibt, dass Sichtflug “bis 3.000 Meter tief” stattfinden können würde, so ist das ebenfalls Blindflug. Denn der unkontrollierte Sichtflug findet unter dieser Höhe statt und nicht darüber.

Und wenn Verkehrsminster Ramsauer den Flug durch die hömöopatische Aschewolke nur im Sichtflug erlaubt, so ist das nichts als Blendwerk. Bei Sichtflug ist die Asche nicht mehr oder weniger gefährlich als bei Instrumentenflug. Allein will er die Verantwortung über die Streckenwahl von der Flugsicherung zum Piloten verlagern.

Oder in anderen Worten: er will das Fliegen nicht sicherer machen, sondern nur nicht Schuld daran sein, falls etwas passiert.

PS: Ich habe gar kein eigenes Flugzeug :(

Bodenseepeter als Seriengründer

Im Februar wurde ich zwei Stunden von der Wirtschaftsredaktion im Hause Gruner + Jahr darüber ausgefragt, wieso ich laufend neue Firmen gründe. Man wollte dem Defekt derer auf die Schliche kommen, die es mir gleich tun, um darüber einen Artikel schreiben.

Dieser ist nun erschienen, im Sonderheft “Gründerzeit” des Magazins IMPULSE.

Weil die darbenden Verlage lieber über innovative Gründer schreiben als es ihnen gleich zu tun, will ich ihnen jetzt nicht auch noch die schwindenden Einnahmen streitig machen.

Darum gibt es hier nur die ersten drei Seiten des Artikels, in dem über mich geschrieben wird.

Wer sich für den Rest der (wirklich guten!) Zeitschrift interessiert, dem empfehle ich einen Gang zum Kiosk oder ein Abo von IMULSE.

Bikemap wird profitabel

Im April 2007 haben Helge und ich Bikemap gelauncht.

Ursprünglich war Bikemap “nur” als Werbeträger für meine Radreisen im Long-Tail der Radwege gedacht.

Wenige Monate später schon erkannten wir, dass Bikemap viel schneller populär geworden war, als wir es erhofft hatten. Es veranlasste mich zur ersten Metamorphose von Bikemap: vom potentiellen Werbeträger wurde es zu einem StartUp, das Helge und ich fortan gemeinsam im Rahmen der neu gegründeten Firma Toursprung betrieben. Bikemap war also nicht länger Werbeträger, sondern Selbstzweck. Vom Träger eines Produktes wurde es selbst zum Produkt. Oder in anderen Worten: Bikemap wurde von einer Kostenstelle zu einem (potentiellen) Profitcenter.

Doch den Weg zur Profitabilität verlängerten wir an einer entscheidenden Stelle, in dem Bikemap eine zweite Metamorphose erfuhr.

Das technologische Herz von Bikemap ist die Abbildung von Punkte und Routen in großer Zahl auf einer Online-Karte. Diese Kernfunktionalität hatten wir so gut gelöst, dass wir immer wieder von potentiellen Kunden gefragt wurden, ob wir ihnen als Software-Agentur mit diesem Know-How etwas programmieren könnten.

Jedoch hatten wir schon vor der Gründung von Toursprung entschieden, dass wir nur skalierbare Geschäfte betreiben würden, also insbesondere keine Stunden, sondern nur Produkte verkaufen würden. Noch war unser einziges Produkt aber Bikemap.

Darum holten wir an einer Stelle etwas weiter aus und verlagerten unser Know-How in ein neues Produkt. Das Maptoolkit war geboren und unser Know-How in ein (skalierbares) Produkt transformiert, dass wir bie heute erfolgreich an Tourismusorganisationen und Verlage vermieten.

Doch durch diesen Umweg sank natürlich die Entwicklungsgeschwindigkeit von Bikemap, und wir konnten nur einen Bruchteil der vielen “auf Halde liegenden” guten Ideen für Bikemap umsetzen.

Dennoch wuchs Bikemap konstant und ist heute die größte Sammlung von Radrouten im Web. Übrigens weltweit und bereits in 12 Sprachen.

Bislang konnten wir unsere Besucherzahlen jedes Jahr mindestens verdoppeln. Und seit einigen Monaten lassen wir (ganz vorsichtig und zurückhaltend) Bannerplätze auf Bikemap vermarkten.

Heute war mit knapp 19.000 eindeutigen Besuchern wieder ein absoluter Besucherrekord auf Bikemap. Und für August, unseren besucherstärksten Monat des Jahres, erwarten wir über 700.000 eindeutiges Besucher.

Dank der dezenten Vermarktung von Bikemap ist unser Portal unterdessen profitabel geworden. Die Einnahmen von Bikemap fließen nun direkt in die Weiterentwicklung der Seite. Und wir freuen uns sehr darüber, nun das Entwicklungstempo wieder zu erhöhen und viele der Ideen umzusetzen, die wir selbst schon so lange gerne auf Bikemap sehen würden.

IBT wirft schlechtem Geld gutes hinterher

Die Internationale Bodensee-Tourismus GmbH hat dem Bodensee eine grottenschlechte Webseite verpasst.

Inhaltlich fällt zuerst auf, dass das Logo des Sponsors prominenter präsentiert wird, als das Logo vom Bodensee. Statt dem potentiellen Gast die Information zu liefern, die er sucht, werden hier scheinbar zuerst die Interessen der Sponsoren und Fördergeldgeber vertreten.

Zu welchen Absurditäten dies führt, zeigte die IBT, als sie tatsächlich ein (natürlich gefördertes) Prospekt “Bodensee-Aktiv” druckte, auf dem erhältliche Prospekte zu diesem Thema zusammen gefasst standen. Also ein echtes Meta-Prospekt, dessen Inhalt vor allem andere Prospekte sind.

Man stelle sich vor: ein potentieller Gast will sich über Aktivurlaub am Bodensee informieren. Er schaut auf die offizielle Webseite bodensee.eu, findet dort das Meta-Prospekt zum Thema Aktivurlaub. Er bestellt es und erhält es mehrere Tage später mit der Post. In diesem Prospekt stehen alle anderen (natürlich ebenso geförderten) Prospekte verzeichnet, die es zum Thema Aktivurlaub gibt. Diese bestellt er eventuell ebenso, und er bekommt mehrere Tage später einige weitere Zettelchen mit der Post, auf denen Webseiten verzeichnet stehen mit weiterführenden Informationen.

Und nun meine Quizzfrage: wenn 1.000 potentielle Gäste auf bodensee.eu Informationen zum Aktivtourismus suchen, wie viele von ihnen bestellen tatsächlich das Meta-Prospekt? Etwa 50 dürfte eine realistische Schätzung sein.

Aber wie viele von diesen 50 bestellen dann auch noch die weiterführenden Prospekte? Etwa 2 dürfte eine realistische Schätzung sein.

Aber wie viele von diesen beiden übrig gebliebenen potentiellen Gästen reisen dann tatsächlich an den Bodensee? Sagen wir der eine – denn der andere ist längst woanders hin gefahren.

Also wurden von 1.000 potentiellen Gästen genau 999 durch Missmanagement abgestoßen. Oder sagen wir ruhig: durch Fördergelder, die eine solche Denke wie eine Seuche über den Bodensee gebracht haben.

Und weil es sich gerade so schön schimpft: warum sitzen eigentlich genau die Empfänger der meisten Fördergelder im Beirat der Vergabestelle dieser Gelder und entscheiden selbst darüber, wer die Fördergelder bekommt? Etwa, weil der Bodensee zu einem touristischen Fördergeldsumpf verkommen ist, bei dem es längst nicht mehr um die Bedürfnisse der Gäste geht, sondern nur noch darum, wie man an sein Fördergeld gelangen kann? Wenn sich Instanzen selbst oder gegenseitig kontrollieren, wenn man sich selbst und seinen Freunden Fördergeld gewährt… befindet man sich dann nicht bereits in der Nähe von Korruption?

Früher hatten wir jedenfalls kompetente Touristiker am Bodensee. Heute haben wir kompetente Fördergeldantragstellerinnen.

Die Webseite – handwerklich

Doch zurück zur Bodensee-Webseite. Sie ist nicht nur inhaltlich grottenschlecht, sondern sie ist auch handwerklich so miserabel gemacht, dass man nicht mal eine studentische Einmann-Agentur dafür bezahlen dürfte (zB nutzt sie den Title-Tag noch immer nicht).

Die IBT hält dennoch seit Jahren an dieser Agentur fest, deren Glanzleistung seinerzeit eine desaströse Pressekonferenz war, bei der eine nicht funktionierende Hotelbetten-Suchmaschine vorgestellt werden sollte. Gegen die Pressekonferenz ist übrigens selbst die grottenschlechte Webseite noch ein Prachtstück.

Hinter vorgehalter Hand fragen sich viele Touristiker am Bodensee: was hält die Agentur und die IBT zusammen, wenn es die gelieferte Leistung nicht sein kann?

Die IBT bekommt übrigens in Kürze eine neue Webseite. Erstellt von… Bingo!… genau derselben Agentur. Weil die erste Webseite ja so gut war. Und weil das mit der Hotelsuche damals so gut geklappt hatte.

Der Tourenplaner

Auf der Bodensee-Webseite gibt es auch einen Tourenplaner, der unter dem wunderschönen Link http://bodensee.eu/Tourenplaner_de.Sample?ActiveID=1371 zu erreichen ist:

Quizzfrage: sieht jemand vor lauter Sponsoren eigentlich noch die Karte, um die es hier geht?

Auch hier werden die Fördergeldgeber größer dargestellt, als die Information, die der Gast gerade sucht.

Doch abgesehen davon funktioniert dieser Tourenplaner seit seiner Einführung nicht. Wer es mir nicht glaubt, der versuche doch bitte mal in weniger als 5 Minuten (so lange dauert es, bis wieder 999 von 1.000 potentiellen Gästen aufgegeben haben) eine Radtour vom Bahnhof Konstanz zur Mainau, weiter zum Mindelsee und zurück zu planen, als GPX auf sein Navigationsgerät zu laden und dann danach zu radeln ohne sich zu verfahren.

Und noch was: findet jemand auf dieser Seite das Logo vom Bodensee?

Nein? Kein Wunder, denn es gibt keines. Und natürlich auch keinen Title-Tag, der einem verraten könnte, wo man sich gerade befindet…

Tja, und weil dieser Tourenplaner faktisch nicht zu benutzen ist, plant die IBT nun einen weiteren Propspekt herauszugeben, in dem auf zwei Seiten genau beschrieben steht, wie man den Tourenplaner benutzt.

Bitte nochmal ganz langsam: ein Prospekt, in dem beschrieben steht, wie man die Webseite benutzt. Unfassbar!

Hier wird schlechtem Geld also gutes hinterher geworfen.

Keine Frage, dass auch dieses Prospekt wieder von Interreg, der EU, der Schweiz und der Brauerei gefördert wird.

Und wenn ein privat wirtschaftender Reiseveranstalter vom Bodensee darin vertreten sein will, so verlangt die IBT dafür übrigens nochmals eine Anzeigengebühr.

Oder halt, vielleicht auch nicht. Schließlich ist mein vor knapp zwei Wochen an die Geschäftsführerin Daniela Pahl-Humbert gesendetes Email, in dem ich um die Details für ein Inserat gebeten habe, bis heute unbeantwortet geblieben. Mal wieder.

Das Fazit

Könnten wir Touristiker bitte die IBT abschaffen? Denn sie schadet unserem Bodensee mehr als sie Nutzen bringt. Oder wenigstens personell dort mal RICHTIG aufräumen?

Bitte…! Danke.

Disclaimer 1: Ich bin Gesellschafter vom Bodensee-Radweg Service, dem Veranstalter, der im genannten Prospekt inserieren möchte, und ich bin geschäftsführender Gesellschafter von Toursprung, der Firma, die Bikemap betreibt, dem größten Radroutenportel Europas – und damit auch am Bodensee.

Disclaimer 2: Ich bin nicht mehr Geschäftsführer vom Bodensee-Radweg Service und erlaube mir daher endlich meine Meinung mehr als nur hinter vorgehaltener Hand kund zu tun. Schließlich wächst der Umsatz meiner Firma jährlich zweistellig – und zwar nicht, obwohl ich keine Fördergelder annehme, sondern weil ich es nicht tue und mich statt an den Fördergeldvergaberichtlinen schlicht am touristischen Markt orientiere. Das sollte die IBT auch endlich tun.

PS: Noch ein Quizz zum Abschluss: hier ist das Menü der Region Bodensee aus der grottenschlechten Webseite:

Und wo findet man Konstanz, die scheinbar wichtigste Stadt am See?

The Next Big Thing: iPad Nano

Most of my friends are still waiting for their iPad, but I have already got The Next Big Thing: my iPad Nano.

Unsere Radreisen bei Tchibo

Von Steve Jobs gibt es die Legende, dass er sich für die Verwirklichung einer von ihm unbedingt gewollten Kooperation schon mal mit Handschellen selbst an das Treppengeländer des gewünschten Kooperationspartners kettete, um zu demonstrieren, mit welch unbedingtem Willen er diese Kooperation wollte – und anschließend natürlich auch bekam.

“Ich kette mich erst wieder ab, wenn wir miteinander gesprochen haben.”

Mit dieser Geschichte im Rücken praktizierte ich mein WWSJD-Kredo 2008 in Hamburg, als ich zufällig gesehen hatte, dass Tchibo offenbar seine ehemals exklusive Kooperation mit Berge&Meer gelockert hatte und nun auch andere Veranstalter-Namen in seinem Reisekatalog führte.

Da schien eine Tür auf zu stehen, und ich wollte unbedingt meinen Fuß dazwischen schieben.

Also telefonierte ich mich bei Tchibo bis zum Kompetenzträger der Entscheidungen über Kooperationen und erfuhr dort, dass man bereits “eigentlich keine neuen Kooperationen” mehr schließen wolle.

“Prima”, dachte ich, “eigentlich keine” klingt doch genau wie “nur noch wenige”.

Ich fragte darum erst gar nicht danach, ob ich noch Kooperationspartner für Radreisen werden könne, sondern ich schlug gleich vor, dass ich für ein einstündiges Gespräch nach Hamburg fliegen würde, bei dem ich erklären würde, warum wir der perfekte Partner für Tchibo seien. Es gelte nur noch den Termin zu klären, und ich sei absolut flexibel und würde nur gerne noch wissen, wann das Gespräch stattfinde, die Terminwahl liege bei Tchibo – nur bäte ich darum, jetzt nicht mehr über das OB zu sprechen, sondern nur noch über das WANN. Denn diese eine Chance hätte ich verdient, das verspräche ich schon jetzt, und darum bäte ich meine Entschlossenheit als ein gutes Zeichen zu sehen und einfach mit einem Terminvorschlag zu beantworten. Usw…

Der Termin kam zustande, meine Enschlossenheit gab möglicherweise ihren Teil dazu, mich als motivierten und damit vielversprechenden Partner zu wählen und wir hatten letztes Jahr unsere erste – und wirklich erfolgreiche – Kooperation.

Und seit heute liegt der Katalog mit unseren Radreisen wieder für vier Wochen in knapp 1.000 Tchibo-Filialen (und natürlich auch online).

Und ich habe gelernt, dass es nie falsch ist, ehrlich gemeinte Entschlossenheit zu demonstrieren. Der eigenen Stolz sollte einen nicht daran hindern zu zeigen, dass man etwas unbedingt erreichen möchte.

Tadel-Tweets gegen Rechtschreibfehler

Da gibt es tatsächlich einen Bot auf Twitter, der eine Positivliste aller ihm bekannten Rechtschreibfehler sofort mit einem Tadel-Tweet beantwortet: twitter.com/Der_Oberlehrer

Ich bin eben selbst von ihm erwischt worden:

Lufthansa-Tarife werben für Airberlin

Für März muss ich drei Flüge buchen: an einem Tag von Frankfurt nach Zürich und später von dort nach Berlin, und am Folgetag von Berlin zurück nach Zürich.

Buche ich diese drei Flüge online auf Lufthansa.de, so kostet mich der Spaß 1.074 Euro.

Wenn ich stattdessen zwei Hin-und-Rück-Flüge buche (Frankfurt-Zürich-Frankfurt sowie Zürich-Berlin-Zürich) und von diesen vier Flügen einen ausfallen lasse, so kostet mich das ganze nur 367 Euro.

Ich fliege also für einen Drittel des Preises – wohlgemerkt in den selben Fliegern und derselben Buchungsklasse.

Diese Tarifgestaltung ist kundenunfreundlich, weil undurchsichtig.

Und eine glasklare Werbung für Airberlin, bei denen man Einzelstrecken ohne Strafzuschlag buchen kann.

Google erklärt “Rekursion” rekursiv

Die knappste und vielleicht auch die schönste (weil rekursivste) Erklärung für “Rekursion” findet sich bei Google.


Hinweis auf Google von Gabriel, Hinweis auf verwendeten Hyperlativ von Sylvia.

Eine Woche mehr Urlaub für Lehrer

Wenn ein Lehrer bereit ist, 220 Euro gegen eine Woche zusätzlichen Urlaub zu tauschen, dann sollte er diesen Artikel lesen.

Ein paar numerische Annahmen vorweg: ein Gymnasiallehrer mit 50 Jahren verdient 3.600 Euro netto. Er unterrichtet 25 Stunden und arbeitet weitere 15 Stunden pro Schulwoche. Es gibt 40 Schulwochen pro Jahr, und er beaufsichtigt etwa eine Klassenarbeit pro Schulwoche.

Ich nehme weiters an, dass die Beaufsichtigung einer Klassenarbeit eine Aufgabe ist, die nicht die Qualifikation eines Gymnasiallehrers erfordert, sondern nur die Anwesenheit einer Aufsichtsperson. Oder in anderen Worten: wenn ein Gymnasiallehrer eine Klassenarbeit beaufsichtigt, so verschwendet er (s)eine fachliche Ressource.

Im echten Leben (also in der Wirtschaft) werden Ressourcen-Verschwendungen gesucht und konsequent eliminiert. Ein Unternehmen, das diese Strategie nicht konsequent verfolgt, wird keinen Erfolg haben. Alle Arbeiten sollen darum stets von Personen mit dem geringst-nötigen Ausbildungsgrad ausgeführt werden.

Warum erledigen tausende Lehrer dann regelmäßig solche unqualifizierten Aufgaben?

Wie wäre es, wenn jedes Schule einen Pool von Studenten beschäftigt, deren Aufgabe es ist, das wachsame Auge während einer Klassenarbeit zu sein. Sie bekommen dafür 8 Euro pro Stunde plus wertvolle Kontakte in ihre möglicherweise zukünftige Berufswelt. Schließlich sind es neuerdings die Schulen, die über ihre neu einzustellenden Lehrer selbst entscheiden – fast wie im echten Leben.

Studenten anderer Fächer im echten Leben machen das mit ihren zukünftigen Arbeitgebern nicht anders. Nur nennt man es dort freiwilliges Praktikum, und meist erhält man weniger als 8 Euro pro Stunde dafür.

Dieser Student ist also der Wachhund einer Klassenarbeit, also praktisch nicht viel mehr als einfach anwesend. Dafür sind vielleicht sogar 8 Euro zuviel.

Weitere Aufgaben hat der Wachhund nicht, denn der Lehrer ist ebenfalls im gleichen Raum anwesend, jedoch sitzt er abseits an einem Tisch und korrigiert weitgehend ungestört oder bereitet etwas vor – arbeitet also fachlich qualifiziert und verschwendet seine Ressource nicht.

Als Aufsicht ist der Lehrer dennoch präsent, und bei eventuell auftretenden Fragen und Problemen kann er eingreifen – jedoch nur, wenn sein Wachhund dies für nötig hält.

Ein solcher Wachhund wird von einem Pool von Lehrern (am besten von der ganzen Schule) beschäftigt und kann dann leicht mehrere Stunden in Folge eingesetzt werden. Mögliche Terminkollisionen stören mein Modell nicht – sollten einmal mehr Arbeiten parallel geschrieben werden als Wachhunde anwesend sind, dann beißt eben ein Lehrer ausnahmsweise ins Aufsichtsgras. Das darf vorkommen – nur eben nicht zu oft.

Pro Woche spart der Lehrer also eine Stunde, und pro Jahr eine komplette Arbeitswoche.

Da der Lehrer den Einsatz seines Wachhundes absetzen kann, bleiben jährlich als Kosten ganze 220 Euro netto zu bezahlen.

Was haltet ihr von dieser Idee?

Ich freue mich auf euer Feedback, und insbesondere auf weitere Vorschläge, wie man das Schulwesen mit Ideen aus dem echten Leben optimieren könnte.