No Frills am Schuh

Ich erinnere mich noch gut daran, wie der alte Lufthansa-Chef Jürgen Weber erklärt hatte, warum das Fliegen niemals deutlich günstiger werden könne. Man müsse nur all diese Nebenkosten anschauen, durch die ein Flug so teuer würde, und auf die Lufthansa keinen Einfluss hätte – Maschinen, Personal, Landegebühren, Wartungen, Kerosin usw. Da wäre einfach keine Luft mehr drin, und darum müsse Fliegen immer so teuer bleiben wie es sei.

Kurze Zeit später gründete Michael O’Leary Ryanair. Dann kamen Easyjet und Airberlin und all die anderen, und seitdem kostet das Fliegen weniger als die Hälfte.

Gestern habe ich mir ein paar neue Laufschuhe gekauft. Mit 120 Euro war ich zwar noch weit weg vom oberen Rand der Preisgruppe, aber als ich abends meine erste Runde damit drehte, stellte ich mir vor, was die Herstellung eines solchen Schuhs in Fernost wohl gekostet haben möge. Vermutlich 10 Euro oder noch weniger.

Bei uns gibt es so einen Billigladen, da stehen immer faltbare Regenschirme im Angebot, das Stück für 99 Cent. Das ist vermutlich einerseits ein Lockangebot, wird aber andererseits Aufschluss geben über die erstaunlich geringen Herstellungskosten dieser Regenschirme.

Wenn meine Laufschuhe mit denselben Stückzahlen z.B. über Aldi oder Tchibo zu uns gelangen würden, so müssten sie nicht mehr als 20 Euro kosten. Nur wird bei Sportschuhen momentan noch ein solches Markenbewusstsein gepflegt, dass selbst ich komischer Weise meine Schuhe nur im Laufschuhladen und nicht bei Tchibo kaufe. Andererseits könnte ich jetzt nichtmal sagen, welche Marke ich mir da gestern gekauft habe.

In den USA scheint ein solcher Preisverfall bei Sportschuhen gerade begonnen zu haben. Die Billigkette Steve & Barrys nämlich hat den Bastketball-Star Stephon Marbury unter Vertrag genommen, damit er in der kommenden Saison in ihren extrem günstigen Schuhen (14,98 Dollar) spielt. Das schlägt in den USA gerade hohe mediale Wellen, und ich erwarte, dass damit ein enormer Preisrutsch bei den Sportschuhen in Gang gesetzt wird.

Vielleicht habe ich mir gestern zum letzten Mal teure Laufschuhe gekauft.

Gelesen via im Handelsblatt

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

2 comments

  1. Wenn ich mir dann vorstelle, dass man bei Tchibo Kaffee kauft und dann jemand daneben seine käsigen Schuhe auszieht … Obwohl, ich glaub Kaffee kauft da eh keiner mehr.

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