Holidaycheck am Bodensee

Zusammenfassung: Holidaycheck funktioniert nicht für die Planung eines Bodenseeurlaubs, weil die Navigation nicht funktioniert, viel zu viele „gefälschte“ und (noch) zu wenig echte Bewertungen darin enthalten sind.

Holidaycheck ist der deutschsprachige Marktführer für Hotelbewertungen (58 Mio Euro Umsatz, 38 Mitarbeiter, 174.000 Visits und 1,2 Mio Seitenaufrufen am Tag und eine fast immer gute Presse).

Die Kollegen sitzen Luftlinie keine zwei Kilometer von mir entfernt, und abends sieht man sich gelegentlich in den hiesigen Kneipen.

Der Schwerpunkt der Bewertungen von Holidaycheck liegt bei typischen Ferienhotels und Ferienanlagen am Mittelmeer, also bei Reisezielen, die man gewöhnlich über Reisebüros bucht. Das ist nicht verwunderlich, denn der hinter die Bewertungen gestellte Verkauf genau solcher Reisen ist die Cash-Cow von Holidaycheck. Und wem man online eine Reise verkauft hat, der bewertet sie auch schon fast selbstverständlich anschließend auf derselben Seite. Also eine Spirale hin zu Ferienhotels.

Ein typisches Hotel könnte z.B. das Hotel Club Mega Saray sein, denn es hat 735 Bewertungen und 250 Bilder.

Schaue ich mir 10 dieser dieser Bewertungen an, so halte ich 8 davon zweifellos für authentisch. Sie sind in verschiedenen Spachstilen geschrieben, äußern zum Teil Kritik, haben etliche Rechtschreibfehler (Deppen Leer Zeichen und Hyperlative sind ein wichtiger Indikator). Die anderen beiden könnten echt sein oder im Auftrag des Hotels geschreiben sein – ich bin mir nicht sicher. In jedem Fall geben mit die Bewertungen das Gefühl, echte User-Meinungen gefunden zu haben.

Funktioniert Holiday-Check auch am Bodensee?

Um Hotelbewertungen vom Bodensee in Holidaycheck zu finden, muss man sich kategorisch hinarbeiten, also z.B. so: Europa – Deutschland – Baden-Württemberg – Konstanz anklicken, um dann die Konstanzer Hotels zu finden.

Diese Navigation ist in einer Region wie dem Bodensee gänzlich unbrauchbar, denn wir haben 3 Länder, 2 Kantone und 2 Bundesländer als Anreiner, und viele kleine Orte, die potentielle Touristen niemals namentlich auswählen könnten.

Eine Suche über „Bodensee“ führt leider nicht zur Ferienregion, sondern nur zu den Hotels, die „Bodensee“ im Namen führen, und eine geografische Suche z.B. über eine Google-Map bietet Holidaycheck nicht an.

Also ein dickes Minus für die Findability von Holidaycheck am Bodensee!

Jetzt zu den Bewertungen. Ich suche drei Hotels in drei Städten und schaue dort jeweils in 10 Bewertungen. Beziehungsweis ich tue das nicht, weil ich zu große Mühe habe Hotels zu finden, die mindestens 10 Bewertungen haben.

Also nehme ich das, das und das Hotel.

Um niemandem zu nahe zu treten (ich stehe mit allen Hotels am Bodensee in Geschäftsbeziehung) halte ich mich ein wenig zurück. Aber meinen Tenor spreche ich aus: ich halte die meisten der von mir gelesenen Bewertungen für vom Hotel geschrieben. Zum Beispiel diese hier, in der ein „Gast“ darüber schreibt, dass alle 30 Zimmer modern eingerichtet seien (welcher Gast kennt alle Zimmer?), oder darüber, dass es in Lindau keine Alternative zu diesem Hotel gebe (welcher Gast kann alle Hotels vergleichen?).

Und von dieser Art sind die Mehrzahl der von mir gelesenen Bewertungen der o.g. Hotels. Sie klingen wie Texte aus Hotelprospekten, sind meist im selben Sprachstil geschrieben und „verraten“ sich durch die falsche Perspektive.

Einem Hotel ist es nicht wirklich etwas vorzuwerfen, wenn es solche Texte verfasst oder verfassen lässt. Ich kenne keinen Autor, der sein Buch nicht selbst bei Amazon gelobt hat, und es spricht eher für das Hotel, wenn es über Holidaycheck (also über Kundenmeinungen) nachdenkt.

Holidaycheck kann nicht viel gegen solche genzwärtigen Bewertungen tun, denn mit Sicherheit weiß man es nie von einer einzelnen Bewertung, ob sie von einem Gast geschrieben wurde oder nicht (das gilt auch für mich im zitierten Fall). Erst in ihrer Summer erkennt man den „Betrug“.

Was Holidaycheck am Bodensee (neben einer brauchbaren Navigation) fehlt, ist die Masse an Bewertungen, gegen die ein Rezeptionist nicht mehr anschreiben kann. Solbald ein Hotel 100 Mal (im besten Fall von 100 verschiedenen IP-Adressen und PC-Konfiguarationen) bewertet wurde, so traue ich der Sache. Eine einstellige Zahl von Bewertungen wie der oben verlinkten jedoch traue ich nicht.

Und darum (leider) auch nicht Holidaychek als Wegweiser für den Bodensee.

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

10 comments

  1. Da hast Du völlig Recht und ich habe es gerade mal wieder an der Ostsee erlebt: Holidaycheck taugt für Hotels in Deutschland so gut wie gar nichts. Eher zu empfehlen ist das schon HRS (www.hrs.de). Die Suche nach „Bodensee“ ergab für einen Zeitraum im September immerhin 58 freie Hotels in D-A-CH. Bewerten können hier nur Menschen, die tatsächlich in dem entsprechenden Hotel übernachtet haben (gebucht via HRS). Nachteil: Es gibt keine ausführlichen Bewertungen, dafür kann man die Benotungen nach bestimmten Kriterien (Geschäftsreisender, Paar, Familie mit Kindern usw) sortieren. Hier finden sich viel mehr Hotels als eher mittelmäßig beurteilt, die bei Holidaycheck gelobhudelt werden.

  2. Aber irgendwas muss doch an Holidaycheck dran sein, wenn sie meines Wissens von der Stiftug Warentest als einzig brauchbare Hotelbewertungsplattform gekürt wurde. Also wir haben unser letztes Urlaubshotel (in Griechenland) nach den Bewertungen bei Holidaycheck rausgesucht und hatten einen traumhaften Urlaub.

  3. @Erika: Für Hotels im Rahmen von Pauschalreisen ist es auch ok. Wenn -zig Bewertungen zu einem Hotel vorliegen, kann man dem schon trauen.
    Die Kritik an Holidaycheck bezog sich auf Hotels in Deutschland. Da ist es weitgehend unbrauchbar.

  4. Leider muss ich Dir zu diesem Artikel recht geben. So ist das leider – und wie Matthias schon gesagt hat nicht nur am Bodensee, auch an der Ostsee, auch im Sauerland oder an der Mosel … nur in einem kann ich Dir nicht Recht geben: „Ich kenne keinen Autor, der sein Buch nicht selbst bei Amazon gelobt hat“ … doch mich! – Ich habe eben nachgeschaut und keinen Kommi finden können *gg*.

    Apropos HRS … ich habe jezt zig mal HRS gebucht (in D, F und E) und (ich gestehe!) nie eine Bewertung abgegeben, geschweige denn ener getraut. Hotels rausgesucht, in die engere Wahl gezogen, gegoogelt, deren Webseite angeschaut und dann bei HRS gebucht … das ist der zumindest bei mir übliche Ablauf.

  5. Hallo Thomas,
    kleiner Tipp zum Ablauf. Wenn du die Website des Hotels eh anschaust. Ruf einfach an, sag dass du bei HRS gesehen hast, dass sie noch Zimmer frei haben und frage nach dem aktuellen „Hauspreis“. Wenn sie nicht unter den Preis von HRS gehen, buchst du halt dort. In der Regel bekommst du das Zimmer aber ein paar Euro billiger.

  6. Hallo Matthias!

    Yup, ich weiss – aber (z.B.) die Stornokonditionen bei HRS und die easy Ausführung mittels ein paar Klicks bis kurz vor Anreise sind auch eine feine Sache und waren z.B. in diesem Frühjahr bei einer mehr als spontanen Reise in die Normandie Gold … und vor allem Geld wert.

  7. Mmh, irgendwie hört sich das nach Neid an. Ich habe mir z.B. mal das Profil des Lindau-Schreibers mit den 30 Zimmern angeschaut. U.U. hat er auch Dinge aus der Webseite oder dem Hotelprospekt in seinen Artikel mit eingebaut.
    Das machen wahrscheinlich fast alle Bewerter. Alleine schon eine Zimmeranzahl in so einer Bewertung ist irgendwo abgeschrieben. Es hat ja nun keiner die Zimmertüren nachgezählt.

    Im Profil ist zu erkennen, dass er Bewertungen für einige deutsche Hotels in verschiedene Regionen abgegeben hat. Die Bewertungen sind durchwachsen mit Hang zu Mitte. Wie ein Mitarbeiter des einen Hotel in Lindau sieht es also nicht aus. Allerdings auch nicht wie der typischer Urlauber. Ich kann aber trotz allen keine Logik erkennen, wieso er das Hotel in Lindau unberechtigt loben sollte. Des weiteren habe ich bereits in mindestens 20 Hotels übernachtet, die ich bei Holidaycheck „geprüft“ habe. Die meisten positiven oder negativen Aspekten habe ich wieder gefunden. Wenn 10 Leute, dass Frühstück ist Mist, dann ist es auch so. Wenn 10 Leute schreiben, die Zimmer sind sehr klein, dann war es in der Realität auch so. Man muss nur die einzelnen Kritikausrutscher nach oben und unter rausnehmen, sich die Profile anschauen und dann kommt man schon zu realistischen Ergebnissen. Was mir allerdings ein Rätsel bleibt, wie man die komischen Kurzbenotungen von HRS oder Hotel.de den ausführlichen von Holidaycheck vorziehen kann. Bei der Navigation muss ich allerdings recht geben. Dazu sollte man bedenken, dass viele Leute gerade bei Reisezielen im DACHLI-Bereich sich ein Hotel bei HRS oder im Prospekt raussuchen und dieses denn bei Holidaycheck gegenchecken. So mache ich es zumindest.

  8. Das Problem des Systems von Holidaycheck ist doch sowieso, dass dort jeder eine Bewertung abgeben kann, egal ob er tatsächlich vor Ort gewsen ist oder nicht. Das wird überhaupt nicht geprüft (wie auch). So können nicht nur Hoteliers ihre Hotels selbst bewerten oder bewerten lassen, sondern jeder andere User, der ein bischen Aufmerksamkeit möchte, kann ebenfalls zu jedem Hotel positive oder negative Bewertungen abgeben.Das kann ein Bild erheblich verfälschen.
    Besser ist da schon der Ansatz von Traveltainment, die nur Bewertungen, von den Usern zulassen, die tatsächlich auch nachweisbar vor Ort waren. Ansonsten gbt es immer die Gefahr, dass 25% der Einträge Fake sind (wie der Betreiber eines anderen Hotelbewertungsportals vor ein paar Wochen in einem Fernsehbericht vor laufender Kamera zugegeben hat).

  9. Ich denke, Du hast den wesentlichen Kern der Aussage schon selbst getätigt.
    Um Reichweite zu erhöhen, muss man Contentmasse haben und/oder gute Bewertungen/Empfehlungen.
    Das ist Self-Marketing und macht einfach jeder, der sich Mühe gibt, „groß“ zu werden.
    Ich glaube fast, dass es keinen anderen Weg gibt, die kritische Masse und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erreichen – es sei denn, man hat einen starken Medienpartner, der mit Werbung alles zupflastern kann…

  10. Wenn es Holidaycheck nicht ist, was wäre denn die richtige Strategie um ein Hotel am Bodensee zu finden?

    Nehmen wir mal an gesucht wäre: Nettes und gutes (familiengeführtes) Mittelklassehotel (aber nicht in die Jahre gekommen) mit guter Küche. Lage: Urlaubstimmung direkt vor der Türe, aber auch so, dass man die klassischen Ausflugsziele der Bodenseeregion gut erreichen kann.)

    Ich nehme natürlich auch gerne konkrete Hoteltipps entgegen, aber mich würden auch eure Suchstrategien interessieren. Denn meine Anforderung in Google einzugeben dürfte nicht viel helfen?!

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