Fahrrad-Tourist in Konstanz verdurstet!

Im April bin ich die Strecke von Konstanz Innenstadt zur Reichenau geradelt und habe die Anzahl der grob fehlerhaften Wegweisungen gezählt: das Ergebnis sind 15 Stellen, an denen sich jeder Radtourist mit einer Chance von jeweils 50% verfährt.

Hier ist mein Bericht dazu.

Wer rechnen kann, rechnet nach: 15 mal 50% = 1/ (2 hoch 15) = 1 / 32769 = 0,00003%.

Oder in anderen Worten: nur jeder zweiunddreißigtausendsiehenhundertneunundsechzigste Radfahrer findet fehlerfrei zur Reichenau.

Und jetzt nochmal für alle Bürgermeister und Oberbürgermeister etwas vereinfacht: nur einer von etwa 30.000 kommt an, und alle anderen 29.999… naja, seien wir ehrlich… finden die Reichenau zwar auf Umwegen, ärgern sich aber über die superschlechte Beschilderung.

Danke, liebe Stadt Konstanz, für diese Ignoranz!

Den oben genannten Bericht hatte ich Anfang April an den Oberbürgermeister gemailt. Fünf Wochen später bekam ich seine Antwort, in der sinngemäß stand: mein Baubürgermeister Kurt Werner meint, dass alles in Ordnung sei.

Heute ist mir noch ein weiterer Fehler aufgefallen. Er liegt nicht exakt an der offiziellen Routenführung, dafür ist er aber um so fataler.

Als ich von der Stromeyersdorfstraße (Höhe Arbeitsagentur) zur Reichenau fahren wollte, fand ich eine absolut widersprüchliche Beschilderung: dort zeigt der linke Pfeil nach rechts, und der rechte Peil nach links, und dazwischen liegen 20 Meter.

Beschilderung

Und wie es zu befürchten war, lag dort auch schon wieder ein toter Fahrradtourist, der sich offenbar genau an die Beschilderung halten wollte und dabei rekursiv verdurstet ist.

Oberbürgermeister Uli Burchard: Setzen! Sechs!

Bürgermeister Kurt Werner: Setzen! Sechs!

Update am 11.07.2013:
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About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

14 comments

  1. Christoph Rummel

    Ist es nicht vielmehr so: erst nach rechts bis zur Brücke und dann links die Spirale hoch?

    Prinzipiell stimmt es aber schon. Ich habe erst heute zwei Radfahrerinnen, die zum Flughafen wollten und an der Baustelle gescheitert sind, den rechten Weg weisen müssen. Den alten Radweg zur Reichenau entfernen und auf den neuen nicht wirklich aufmerksam machen ist in der Tat nicht wirklich schlau.

    • Hallo Christoph,

      das könnte stimmen! Vielleicht soll der rechte Pfeil tatsächlich auf die Spirale hinauf zeigen. Komisch nur, dass ich selbst bis zum Zusammenbruch auf dem Foto nicht auf diese Idee gekommen war, obwohl ich mich bei jedem Hin- und Her-Fahren gefragt hatte, wie und wo es weiter gehen könnte.

      Und das liegt nicht an mir, sondern am Pfeil. Warum? Weil meine Mitarbeiter dort täglich vorbei radeln und mit berichten, dass sie täglich verwirrte Radler vor dem sicheren Verdursten retten und ihnen den rechten Weg weisen.

      Vielleicht sollte endlich mal jemand der Verwaltung und dem Herrn Werner den richten Weg weisen?

      Lieber Oberbürgermeister, das ist jetzt Ihr Job.

      Tun Sie ihn!

      • Christoph Rummel

        Richtig, offensichtlich und leicht verständlich ist die Beschilderung nicht. Ich habe da auch schon sehr oft sich ratlos den Kopf kratzende Radler stehen sehen, und diesen natürlich auch geholfen.

    • Stimmt, so sollte es sein. Zwei Tage nach meinem Artikel wurde auch schnell (und leise) ein zusätzliches Schild dort aufgestellt. Nicht gut gemacht, aber immerhin.
      Der alte Radweg zur Reichenau ist halt noch in ALLEN Reiseführern und Karten eingezeichnet. Und weil dort keine (!) Schilder stehen, fahren ihn die Touristen in gutem Glauben weiterhin. Lebensgefährlich!

  2. Also da muss ich dir wirklich mal zustimmen! Die Radwegbeschilderung ist in Deutschland allgemein unter aller Sau. Egal in welcher Region Deutschlands (Niedersachsen, BW / Bodensee), selten habe ich den Radweg wirklich so gefunden wie er ausgeschildert war (und hier in Konstanz liegt die Erfolgsrate sogar vergleichsweise hoch!)… Nunja, diesen Sommer war ich mal ein wenig an der Schweizer Seite des Bodenwegs unterwegs: Und siehe da: Nahezu keine Unstimmigkeit und ohne vom ausgeschilderten Radweg abzukommen oder zumindest das eine oder andere Mal zu „sehr wage zu raten“ schon insgesamt >150km gefahren. So macht man das *Daumen hoch*

    • Ich springe auch mal für den Raum Oberbayern ein. Also hier in der Region Starnberg ist das Radwegenetz nicht nur super ausgebaut sondern auch großartig ausgeschildert.

  3. Die Radwegbeschilderung in Konstanz stammt zum Großteil aus den 80er Jahren. Eine Verbesserung/Aktualisierung wird von den Verbänden und auch vom AK Radverkehr seit vielen Jahren angemahnt. leider bislang ohne Erfolg. Es ist leider in den letzten 17 Jahren mit wenigen Ausnahmen sehr wenig für den Radverkehr in Konstanz getan worden. Die Priorität lag in dieser Zeit auf dem Bau von Kauf- und Parkhäusern, auf dem Ausbau von Straßen und immerhin, einer Aufrechterhaltung des Busnetzes. Mit dem Wechsel des Oberbürgermeisters im letzten Jahr besteht allerdings Hoffnung, dass sich der Wind langsam zu Gunsten einer nachhaltigeren Mobilität wendet und somit auch der Radverkehr wieder besser behandelt wird. Jetzt müssen allerdings auch Taten folgen und neben Strategien und Masterplänen auch die gröbsten Nachlässigkeiten kurzfristig und pragmatisch beseitigt werden.

    • Genau!

      Die gröbsten Nachlässigkeiten sollen kurzfristig und pragmatisch beseitigt werden.

      Das Leugnen von Nachlässigkeiten durch Herrn Werner ist nicht pragmatisch, und seit Anfang April ist auch nicht mehr kurzfristig.

      So gesehen erkenne ich keinerlei Verbesserung, leider.

  4. Winfried Kropp

    Die Gemeinderatsfraktionen der SPD, aber auch der Grünen und manchmal der freien Wähler haben in den letzten Jahren zahlreiche Anträge zum Thema Rad gestellt. Das Thema Beschilderung wurde sogar mehrfach aufgegriffen. Die Verwaltung hat die Anträge verschleppt und sogar Beschlüsse ignoriert. Ab dem 1.2. gibt es einen neuen Baubürgermeister. Es kann nur besser werden. Ein LInk von vielen http://bit.ly/ZjfIcJ

    • Winfried,

      ich hatte dem alten (grünen) OB sogar mal angeboten, dass wir (= die Firma Radweg-Reisen, also Deutschlands größter Radreiseveranstalter) der Stadt eine komplette Beschilderung schenken würden, nur damit es endlich besser wird. Eine Antwort bekam ich nie.

      Eine Weile lang hatte ich gehofft, dass der neue Oberbürgermeister weniger amtsmüde in den Job starten würde.

      • Winfried Kropp

        Mich wundert weder das eine noch das andere. Aber es kommt in einer Stadt zum Glück nicht alleine auf den OB an. Aktuell wartet noch ein Antrag von Jürgen Ruff zur Auftragsvergabe des Beschilderungskonzepts auf seine Behandlung im Gemeinderat. Wir könnten mit dem ADFC zusammen eine kleine Schilderfahrt machen, um das Thema etwas anzuschieben.

  5. Und ich habe mich immer gefragt, was die Radfahrer auf der B33 zu suchen haben… Die Wegführung zur Reichenau ist lebensgefährlich!

    • Ja, das ist sie. Täglich verfahren sich Radfahrer auf die B33 (weil es noch in allen Reiseführern so eingezeichnet ist) und mitten auf den Flugplatz. Und die Bürgermeister schauen einfach weg.

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