Interview mit Earthcity

Im Herzen bin ich ein Nomade, im Leben meist nur ein Geschäftsreisender.

Irgendwie hat Tim das erkannt und mich für seinen Blog Earthcity – reisen und ortsunabhängig arbeiten interviewt. Weil sein Blog wirklich lesenswert ist, und weil du ihn gleich anklickst und anschaust, veröffentliche ich das Interview hier einfach nochmal:

Peter, bitte stell Dich kurz vor. Wer bist Du, was machst Du, was treibt Dich an?

Der Konjunktiv treibt mich an. Und zwar im inneren Dialog, der beginnt mit den Worten: „Man müsste doch mal…“.

Ich suche gerne Möglichkeiten, und mich reizt die Herausforderung sie dann zu realisieren. Darum bin ich Gründer geworden. Wieder und wieder. Und bin nun Seriengründer. Habe acht Firmen aufgebaut und etliche weitere Projekte organisiert.

Das macht mir Spaß, und das kann ich am besten. Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Einige Firmen habe ich verkauft, andere laufen in meinem Portfolio weiter. Das beschäftigt im Moment knapp 100 Leute.

Und weil ich Gründer bin und kein Manager, führen andere Leute meine Firmen. Seit ich das begriffen und umgesetzt habe, macht mir mein Beruf mehr Spaß denn je. Schließlich habe ich mir keine Jobs geschaffen, sondern Firmen. Also arbeite ich auch nicht in meinen Firmen, sondern an ihnen.

Und endlich auch daran, kein schlechtes Gewissen mehr dabei zu haben.

Hast Du einen festen Wohnsitz? Reist Du viel? Wo in der Welt steckst Du gerade?

Als ich zum Studium nach Konstanz an den Bodensee gekommen bin, habe ich mich in den Bodensee verliebt. Hier will ich bleiben. Darum wohne ich hier und blogge als Bodenseepeter.

Eine zweite Wohnung habe ich in Wien, weil ab und zu muss ich dort nachschauen, ob das, was in Konstanz nur im Feuilleton steht, dort auch wirklich passiert. Außerdem habe ich dort eine Firma.

Aber knapp die Hälfte der Nächte eines Jahres verbringe ich auf Reisen. Diese Antworten tippe ich gerade in meinem Lieblingscafé in Konstanz, dem Voglhaus. Da sitze ich fast jeden Morgen und schreibe eine Stunde lang. Heute diese Antworten.

Würdest Du Dich selbst als eher sesshaft oder nomadisch bezeichnen? Könntest Du theoretisch von überall arbeiten?

Ich lebe nicht als Nomade. Aber ich liebe die Vorstellung des frei seins. Und Freiheit ist auch mein wichtigster Wert. Mein privates Büro ist komplett digital. Ich kann tatsächlich überall arbeiten.

Da ein großer Teil meiner Tätigkeit aus Kommunikation besteht, will ich den Menschen auch begegnen, mit denen ich zu tun habe. Darum bestehen die meisten meiner Reisen auch aus Besuchen bei interessanten Leuten, mit denen ich mehr zu tun haben möchte.

Ich arbeite übrigens am liebsten (und am besten) in Cafés.

Womit verdienst Du heute hauptsächlich deinen Lebensunterhalt und wie kam es zu dieser Tätigkeit?

Ich bin Unternehmer, und meine Firmen sind profitabel. Für meinen Lebensunterhalt muss ich nicht arbeiten.

Wie bist du in dieses Business hineingekommen? Interesse? Zufall? Erzähl ein bisschen über Deinen Weg.

Ich habe Mathematik und Philosophie studiert, und mich haben Logik und die Grundlagen von Mathematik und Sprache interessiert. Doch nach einem Jahr an der University of Toronto wollte ich die Größe von Kanada erfahren. Sprichwörtlich.

Darum habe ich mir ein Rad gekauft und bin einmal vom Pazifik zum Atlantik geradelt. Das sind über 5.000 Kilometer, und das war eine der schönsten Reisen meines Lebens. Ich habe dabei für mich das Reisen mit dem Rad als Lebensform entdeckt.

In der Folge hatte ich in meinen Semesterferien als Reiseleiter gejobbt, und immer gedacht: man müsste diese Radreisen ganz anders organisieren.

Und als ich es dann tat, hatte ich plötzlich meine erste schnell wachsende Firma in der Hand, das Inselhüpfen. Ich durfte mir eingestehen, dass mir das Organisieren von Dingen mehr Spaß macht als das Nachdenken über ihre Struktur.

Und mit jeder Firma kamen mir Ideen für neue Firmen. Das geht bis heute so. So habe ich übrigens Hundertausende zu Radreisen bewegt – nur mich nicht mehr. Das ist falsch gelaufen, und das ändere ich gerade.

Was sind Deine Zukunftspläne wenn es um das Bestreiten Deines Lebensunterhaltes geht? Wie willst Du weiterhin Dein Geld verdienen? Was bringt die Zukunft?

Meinen Lebensunterhalt habe ich mir bereits verdient. Und beim Reisen brauche ich viel weniger Geld als zuhause. Die besten Reisen kosten eh am wenigsten. Ich verstehe übrigens noch immer nicht, warum ich nicht viel mehr reise. Vielleicht fehlt mir dazu noch der Mut.

Was ist Dein wichtigster Rat, für jeden, der sich selbstständig machen möchte und ein Business aufbauen will?

Diese Erfahrungen von mir und anderen in eine komprimierte Form zu bringen, ist übrigens das Projekt, an dem ich gerade am liebsten arbeite.

Wenn ich es auf einen Satz reduzieren soll, dann diesen: Du wirst nicht die gescheiterten Versuche bereuen, sondern nur die unterlassenen.

Was ist der größte Fehler, den Du auf diesem Weg gemacht hast? Wovor kannst Du die Leser warnen?

Ich habe unfassbar viele Fehler gemacht. Der größte wäre, sich keine zu erlauben.

Was verbindet Dich mit dem Bodensee?

Das Licht, der Geruch, die Weite und die Vielfalt der Landschaft.

Was möchtest Du den Lesern sonst noch mit auf den Weg geben? Deine 2 Cent sozusagen.

It’s about people, not places or things.

Welche Frage würdest Du Dir selbst stellen und wie wäre die Antwort dazu?

Was hält dich ab? Nichts. Also los!

Vielen Dank für das spannende Interview, Peter.

Und jetzt nochmal: hier ist der Link auf den Blog Eartchity. Draufklicken!

About Peter Eich

Mathematiker und Philosoph eigentlich, Seriengründer und Investor tatsächlich. Gründer von Inselhüpfen, Radweg-Reisen, Bikemap, Toursprung, Tourbook, Bodensee-Verlag, und Cyclesummit. Außerdem Referent, Immobilien-Investor, Pilot, NLP-Coach und Barista. Und meistens unterwegs.

Kommentar verfassen